Oberzent-Schule setzte „ein Zeichen für Fremdenfreundlichkeit“

Die Stiftung der ehemaligen Lehrerin Johanna Käpernick-Krämer machte es möglich: Die Klasse 7a organisierte mit den Lehrerinnen Conny Frank und Derya Özdemir einen „Sporttag für Fremdenfreundlichkeit“, der sogar das Interesse des hessischen Rundfunks auf sich zog. Die Fußballer-Zwillinge Justin und Patrice Kabuya aus der U19 von Eintracht Frankfurt wurde nach Beerfelden eingeladen. Sie kamen zusammen mit ihrem Vater Jean Kabuya an die Oberzent-Schule.

Die Schüler wollten mit ihrem Projekt ein Zeichen für Fremdenfreundlichkeit setzen. Da es sich um eine sportbegeisterte Klasse handelt, wurde schnell die Idee entwickelt, im Rahmen eines Sporttages bekannte Sportler mit Migrationshintergrund einzuladen. Der Kontakt zu den jungen Fußballern kam durch Derya Özdemir zustande, die mit der Schülerverwaltung und der siebten Klasse von Conny Frank gemeinsam in kurzer Zeit ein Sportfest mit dem Schwerpunkt Fußball auf die Beine stellte.

Als Vorbereitung entwickelten alle Klassen ein Poster mit ihrem eigenen Statement, um sich mit der Thematik intensiv auseinanderzusetzen. Neben Fußballturnieren für alle Jahrgänge gab es ein Interview mit den Zwillingen und ihrem Vater, eine Autogrammstunde und die Vorstellung der Kicker mit DJ Leon Volk.

„Mit den Plakaten werden Zeichen gesetzt“, betonte Conny Frank. Vater Jean Kabuya, aus dem Kongo stammend, schnappte sich ein Plakat mit der Aufschrift: „C’est le caractère qui compte“ (auf den Charakter kommt es an). Es folgte dann ein Fußballturnier mit den jugendlichen Promi-Kickern. Jede Klasse erhielt, passend zu den Plakaten als Ausdruck von Vielfalt, bunte Bälle. Die konnten auch für Autogramme genutzt werden.

Johanna Käpernick-Krämer, die ihre Stiftung mit 50.000 Euro ausstattete, zeigte sehr zufrieden mit dem ersten Projekt, seit sie diese ins Leben gerufen hatte. „Besonders liegt mir am Herzen, dass sich die Schüler gegen Gewalt, Krieg, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Neonazismus engagieren“, hob sie hervor. Das Kabuya-Trio wiederum war begeistert von der positiven Atmosphäre in der Oberzent-Schule. Papa Jean meinte: „Ich bin ganz geflasht, wie herzlich wir empfangen wurden.“

Die Kabuya-Jungs haben ihren Worten zufolge das Glück, „bisher meist positiv empfangen und aufgenommen worden zu sein“ – sowohl in ihrer Schulzeit als auch im privaten Umfeld und auf dem Fußballplatz. Bei Bemerkungen, die sich auf ihre Herkunft beziehen, „reagieren sie cool und gelassen“, erläuterte der Vater. Die Zwillinge gaben den Rat, selbst immer offen und freundlich auf die Mitmenschen zuzugehen.

Auch in der Siebener-Klasse wurde der Umgang mit Jugendlichen intensiv angesprochen, die einen Migrationshintergrund haben. Es entstand dabei der Eindruck, „dass sich erfreulicherweise die meisten Schüler gut integriert und akzeptiert fühlen“, bilanzierte die Pädagogin Frank. Wenn der Tag zum Nachdenken und Diskutieren anregte, „dann war es ein voller Erfolg im Sinne des Projekts“, freute sie sich: nämlich ein Zeichen zu setzen für Fremdenfreundlichkeit.

Eine Schülerin meinte stellvertretend für andere: „Ich liebe meine Schule. Es war toll, dass solch ein Event bei uns möglich ist. Wir sind stolz, wir haben ein Zeichen gesetzt.“ Schulleiter Bernd Siefert betonte im Interview mit dem Hessischen Rundfunk das Leitbild der Lernanstalt: „Wir begegnen uns mit Respekt, Wertschätzung und Empathie.“ Der Podcast ist unter www.hr4.de/programm/podcast/rhein-main/oberzent-schule-beerfelden-aktiv-fuer-fremdenfreundlichkeit-290519-1530h,podcast-episode46778.html nachzuhören.

 

 

Johanna Käpernick-Krämer war seit 1983 bis zu ihrer Pensionierung 2009 Pädagogische Leiterin an der Oberzent-Schule Beerfelden. Sie ist auch heute noch als Vorsitzende des Fördervereins aktiv und bringt sich tatkräftig ein. Nach dem Tod ihrer Mutter hat sie deren Haus in Darmstadt verkauft und eine Stiftung über 50.000 Euro für die Oberzent-Schule ins Leben gerufen. Davon werden jedes Jahr 4000 Euro zur Verfügung gestellt – in der Erwartung, dass die Antragsteller selbst zehn Prozent der Kosten aufbringen. In diesem Jahr werden insgesamt drei Projekte bezuschusst: außer dem hier genannten die Fahrt nach Dachau der Neunt- und Zehntklässler und die Erforschung der Situation der Juden in Beerfelden.

Werbeanzeigen