Vielhundertköpfige Trauergemeinde nahm Abschied von Hans Heinz Keursten

Die Fassungslosigkeit ist auch noch über eine Woche nach dem Tod von Hans Heinz Keursten allgegenwärtig. Der 67-jährige Ehrenbürgermeister von Rothenberg war am 1. Juni überraschend gestorben. Die Trauerfeier in der Rothenberger Sporthalle bildete eine eindrucksvolle Würdigung seines Lebenswerks und der Person Keurstens, den seine Mitmenschen als jederzeit hilfsbereiten Mann mit einem offenen Ohr für alle schildern, offen, herzlich, hilfsbereit, ein Macher.

Die Erschütterung, die grenzenlose Trauer um einen geliebten Menschen, das Unverständnis über den früheren Tod dessen, der mitten im Leben stand, war mit Händen greifbar. Die meisten der vielhundertköpfigen Trauergemeinde dürften Keursten persönlich gekannt haben, denn er war ein stets gut gelaunter Mensch, in seiner rheinischen Art ein Kommunalpolitiker zum Anfassen, immer an vorderster Front, wenn es für „seine“ Gemeinde was zu bewegen galt.

Die Halle als Ort der Trauerfeier war mit Bedacht gewählt. Denn die Renovierung des 50 Jahre alten Gebäudes, teilweise ehrenamtlich durchgeführt, bildete das letzte große Projekt in Keurstens 18-jähriger Amtszeit als Bürgermeister der Höhengemeinde, ehe diese mit Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck zu Oberzent wurde. Als dessen Baumeister darf der nahe der niederländischen Grenze geborene zusammen mit seinen drei Bürgermeisterkollegen mit Fug und Recht bezeichnet werden.

„Hans Heinz, du wirst eine große Lücke hinterlassen“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. „Wir werden in deinem Sinne weiterarbeiten.“ Und ganz persönlich meinte er, dem das Geschehene sehr nahe ging: „Hans Heinz, ich habe dir viel zu verdanken.“ Das Stadtoberhaupt bezeichnete ihn als „Mann mit Weitblick, der die Zeichen der Zeit erkannte“, als jemanden, „dessen Fachwissen und Erfahrung von unschätzbarem Wert waren“.

Die Nachricht des Todes ist für Kehrer, der praktisch sein ganzes Berufsleben in irgendeiner Form an Keurstens Seite war, „immer noch schwer zu begreifen“. Als „unermüdlich im Tatendrang und beispielhaft im Engagement“ bezeichnete er den Verstorbenen. Die Trauerfeier wurde umrahmt von den Posaunenchören, die vereinigten Chören der Gesamtgemeinde aus Kortelshütte, Ober-Hainbrunn und Rothenberg und zwei Lehrerkollegen von Angelika Gugau-Keursten.

Pfarrer Reinhold Hoffmann sagte in seinen bewegenden Worten: „Was selbstverständlich war, ist auf einmal zu Ende.“ Hans Heinz Keursten hatte auch nach seinem aktiven Politikerleben einen Platz in der Gemeinde. Ambivalenz war das Thema von Hoffmanns Fürbitte. Alle wünschten sich, dass die Dinge so bleiben wie sie sind, denn Veränderungen bringen Schmerzen. „Aber das Leben ist Veränderung.“

Der ehemalige Bürgermeister war zum einen Amtsperson, „zum anderen aber auch ein Freund“. Wenn samstags die Straße gekehrt wurde, war er dabei. „Das war quasi die öffentliche Sprechstunde“, so der Pfarrer. Eben noch war alles voller Tatendrang – und jetzt „Trauer, Schmerz, Fassungslosigkeit“, meinte Hoffmann, selbst jahrzehntelanger Weggefährte. „Hans Heinz will, dass ihr euren Weg geht“, sagte er an die beiden Kinder gerichtet.

„Hans Heinz wird nicht vergessen werden, wenn wir uns bei all unserer Trauer auch dankbar an die gemeinsam verbrachte schöne Zeit und gemeinsam erlebte Momente erinnern“, meinte sein ehemaliger Bürgermeisterkollege Thomas Ihrig. In der langen Zeit des beruflichen Miteinanders, das weit über letzten 20 Jahre hinausreichte, habe man Schritt für Schritt einen persönlichen Kontakt aufgebaut, „der von tiefstem Vertrauen, insbesondere aber von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung geprägt war“.

Wenn es sein musste, sagte Ihrig, „haben wir uns kritisiert, uns aber auch ermutigt und gestärkt“. Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit, Bescheidenheit und Menschlichkeit zählte er unter anderem als Wesenszüge Keurstens auf. Die Summe, die Mischung aus diesen vielen guten Eigenschaften, „hat ihn so wertvoll für sein Umfeld, seine Mitmenschen gemacht“.

 

Stimmen

Egon Scheuermann (ehemaliger Bürgermeister von Sensbachtal): Hans Heinz hat sehr klare Kante gezeigt, wenn er von etwas überzeugt oder begeistert war. Immer wenn ich unsicher war, vor etwas Respekt hatte oder lieber die Finger davon gelassen hätte, sagte er: „Das geht, das kriegen wir hin, verlass dich drauf.“ Er hat angepackt – nicht gezögert. Hans Heinz war einfach ein toller Mensch, auf den man sich immer verlassen konnte. Schade, dass es ihn nun in dieser Welt nicht mehr gibt.

Bernd Siefert (Leiter Oberzent-Schule): Der Hans Heinz hatte immer ein offenes Ohr für die Belange des Jugendfußballs in Finkenbach und der Gemeinde. Es war klasse, dass er seine Frau, eine Kollegin an der Oberzent-Schule, nach seiner Pensionierung auf Schultheaterfahrten begleitete.

Christian Niesen (Ortbeirat Finkenbach): Er hat mich in das Vokabular der Lokalpolitik eingeführt. Hans Heinz war ein toller Mentor, bei dem immer lösungsorientiertes Handeln und Denken im Vordergrund standen, daneben war er auch ein zuverlässiger Helfer im Schwimmbad.

Gottfried Görig (ehemaliger Bürgermeister Beerfelden): Seit dem Jahr 2000, nach meiner Wahl, bestand eine mehr als kollegiale Verbindung. Nicht nur in der Oberzent, auch in unserer Bürgermeisterkreisversammlung war Hans Heinz mit seinen Redebeiträgen und auch mal kritischen Fragestellungen ein geschätzter Kollege. Dabei hat er mit seiner rheinischen Art ab und zu auch bei ernsten Themen für Erheiterung gesorgt.

Rüdiger Seip (langjähriger Feuerwehrvorsitzender in Finkenbach): Hans Heinz hatte immer ein offenes Ohr für alles. Die Vereine, nicht nur die Feuerwehren in der Gemeinde, lagen ihm sehr im Herzen. Und eines kann man mit Sicherheit sagen, wenn es was zu arbeiten gab wie etwa am Freiwilligentag, packte er mit an und machte nicht auf Bürgermeister. Da war er „einer von uns“.

Andrea Koch (Leiterin Kindergarten Rothenberg): Zukunft gestalten begann für ihn ganz früh – in der Kita. So tanzte er mit den Kindern vergnügt an Fasching oder am Nikolausfest und sein Büro stand für Fragen die die Kinder an ihren Bürgermeister hatten immer offen. Die Kinder ernst nehmen, ihnen zugewandt sein war für ihn gelebte Demokratie. Ein Bürgermeister zum Anfassen.

Thomas Ihrig (ehemaliger Bürgermeister Hesseneck): Ich bin sehr dankbar, dass sich zwischen ihm und mir in der langen Zeit, in der wir uns kennen, neben dem beruflichen auch ein privater Kontakt entstanden ist, der von viel Achtung, Verlässlichkeit und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war. Er war immer ein guter Ansprech- und Gesprächspartner.

Wilfried Friedrich (Vorsitzender MGV Ober-Hainbrunn): Als die Hainbrunner „Brunnengemeinschaft“ zur 650-Jahr-Feier 1999 die Überlegung hatte, den alten Dorf- und Viehtränke-Brunnen am Himmelreichweg am alten Platz wieder neu entstehen zu lassen und eine komplette Brunnenanlage zu erbauen, war Hans Heinz einer der ersten Helfer. Damals noch als designierter Bürgermeister. Mit Hacke und Schaufel half er mehrmals samstags tatkräftig mit, diese schöne Anlage entstehen zu lassen.

 

 

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