Köhlerteam bringt den Meiler zum Rauchen

Die letzten Vorbereitungen laufen, damit der Kohlenmeiler ab dem 26. Juli wieder vor sich hinrauchen kann. Das ehrenamtliche Team ist schon seit vielen Wochen immer samstags am Rödeln, um das Gelände an der Straße Richtung Raubach herzurichten und den Holzstapel aufzuschichten. In der letzten Woche geht es an den Feinschliff, dann sind jeden Tag etliche der etwa 15 Helfer vor Ort. Zehn Tage lang können Besucher aus nah und fern bis 4. August das alte Brauchtum bewundern.

In den vergangenen Wochen wurde der Platz vorbereitet, Erde vom letzten Kohlenmeiler vor zwei Jahren gesiebt, die Mitte des Stapels festgelegt und das Gras entfernt, erläutert Thomas Frisch. Er ist mit Ralf Fischer so etwas wie der Meilerchef. Denn beide kümmern sich in der kompletten Zeit um das rauchende Etwas, damit am Ende schöne Holzkohle übrig bleibt und nicht der Buchenholz-Stapel irgendwann vor zu viel Luft einen Satz macht und sich alles in Rauch auflöst.

22 Raummeter Buchenholz aus heimischen Wäldern verwenden die erfahrenen Meilerbauer. Ralf Fischer karrte die benötigte „Hardware“ auf den Platz. Zusammen mit guter Verpflegung, wie Frisch schmunzelt, gingen die Arbeiten zügig vonstatten. „Wir sind schon weit gekommen“, meint er mit einem prüfenden Blick über den Platz.

Das liegt auch daran, dass nach dem Meiler quasi schon vor dem nächsten Kohlenmeiler ist. „Im Winter haben wir die Bäume zurückgeschnitten und Äste weggemacht“, erzählt Thomas Frisch. Danach wurden die Hecken gestutzt, gemäht, Bänke repariert und unebenes Gelände mit Rindenmulch aufgefüllt. Sieben Samstage sind es schon, dass auf dem Platz gewerkelt wird. So steht bereits längere Zeit das große Zelt für die Gäste mitsamt dem Küchenanbau. Kurz vor knapp folgen die Feinheiten.

In der Regel kommen beim Aufschichten des Holzstapels Meterscheite zum Einsatz, erläutert der Fachmann. Kurze Stücke braucht er aber auch, damit der Meiler eine gewisse Schräge erhält. Denn das Holz muss immer aufeinander aufliegen, damit sich eines am anderen mit der Glut ansteckt. Danach werden noch Erde und Gras draufgeschichtet. Die Hoffnung nach Regen eint die Macher, damit sie am 26. Juli zur Zündung schreiten können.

„Wir haben uns viel von den Älteren abgeschaut“, erzählt Frisch. Also quasi von der ersten Generation der Kohlenmeiler-Betreiber, die dieses alte Handwerk vor genau 30 Jahren in der Hinterbach wieder ins Leben riefen. Anschließend hieß die Devise „Learning by doing“. Eigene Erfahrungen wurden gesammelt. Wenn ein Fehler passierte, „haben wir es zwei Jahre später besser gemacht“, schmunzelt er.

„Mit ein bisschen Reindenken“ funktioniert alles ganz gut, meint er. Es gilt etwa Hohlräume zu vermeiden, in die trockene Erde reinrieseln kann. Denn dann ist keine Glutübertragung möglich und der Meiler verglimmt nicht mehr als Ganzes. Zu viel Luft kann dazu führen, dass der Koloss ins Husten kommt und den beiden Meilerchefs noch mehr des sowieso kargen Schlafs raubt.

Mehr als zwei bis drei Stunden pro Nacht sind es nicht, rechnet Thomas Frisch die Zeit nach, die er je nach Wetter auf der Hängematte oder im Bauwagen verbringt. An den ersten zwei oder drei Tagen noch weniger am Stück, denn dann muss der Quandel-Schacht regelmäßig mit kleinen Holzscheiten befüllt werden. Die Schwierigkeit dabei: „Es darf so wenig wie möglich Sauerstoff mit hinein gelangen.“ Sonst gibt es die Gefahr einer Verpuffung. Aber auch die anderen Helfer sind quasi nonstop auf Achse. „Unser Wohnzimmer sehen wir so schnell nicht mehr“, scherzt Ingrid Fischer.

Der gesunde Mittelweg ist wie immer der beste. Der Meiler „darf nicht zu dicht, aber auch nicht zu offen sein“, erläutert sein „Vater“. Einem dumpfen Grollen folgt sonst ein „Wupp“, schildert er. Hört er es kommen, muss Frisch schnell das Weite suchen, um nicht die abgeschüttelte Erde abzubekommen. Danach ist Eile angesagt: Die Erde muss wieder drauf, bevor sich die ganze Arbeit vieler Wochen verdünnisiert.

 

Info: Der Hinterbacher Kohlenmeiler wird am Freitag, 26. Juli, um 18 Uhr durch Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer eröffnet. Bis zum 4. August ist eine Besichtigung zu allen Zeiten möglich. Das Köhlerteam sorgt das für leibliche Wohl. Am Samstag, 27. Juli, 18 Uhr, ist die „Bader-Alphorn-Gaudi“ zu Gast, am Sonntag um 13 Uhr „Hans aus Bayern“ mit dem Akkordeon. Der Meilerplatz befindet sich in Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

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