Schilder-Versteigerung: Kleinere Ortsteile gab’s für schmales Geld

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Falken-Gesäß ist mehr wert als Beerfelden, aber nur weil hinten Airlenbach draufsteht: Stolze 900 Euro zahlt die Familie Beck für das ehemalige Ortsschild des damaligen Beerfelder Stadtteils. Auf den Plätzen: Natürlich die „Haupt-Stadt“ selbst mit 800 Euro, gefolgt von Rothenberg und Airlenbach mit 350: Die Versteigerung der früheren gelben Ortseingangsschilder während der Oberzent-Expo war eine Riesengaudi mit großen Andrang.

Da die Gebote allesamt dreistellig waren, kamen am Schluss fast 5700 Euro für den guten Zweck zusammen: Der Erlös wird gedrittelt und geht an die drei Schwimmbad-Initiativen in Beerfelden, Hetzbach und Finkenbach für benötigte Anschaffungen. Hinten raus schwächelten die Bieter ein wenig, sodass die kleineren Ortsteile für relativ wenig Geld zu haben waren.

Das Mindestgebot lautet 20 Euro, informierte Auktionator Stefan Münkel zu Beginn. Um gleich unterbrochen zu werden: „Geh‘ ein bisschen runter.“ Aber keine Chance, die Summe blieb. Die war „BAT“, bar auf Tatze, fällig, so seine Ansage. Da alles alphabetisch vor sich ging, „können sich die Unter-Sensbacher noch ein Bier holen gehen“. Münkel mit seinen launigen Ansagen und den lokalen Spitzen war mit ein Garant für den Erfolg und den Spaß bei der Versteigerung.

Der rechtliche Hinweis, quasi die AGB, durfte nicht fehlen. „Es ist nicht erlaubt, die Schilder vors Haus zu hängen, damit einer dort 50 fährt“, informierte er. Denn sonst kommt derjenige vor den Kadi oder besser gesagt, Stadtpolizist Nabil El-Kadi schaut vorbei. Im Garten oder im Partykeller ist es aber kein Problem, scherzte Münkel.

Um Airlenbach lieferten sich Lothar und Alexander Beck eine Bieterschlacht, die Beck Senior schließlich für sich entschied. Auch Beerfelden schoss sofort in die Höhe. Dieses Mal war Beck Junior am Zug. Dass auch die Rückseiten der Ortsschilder von Belang sein konnten, zeigte sich an Falken-Gesäß. Da setzte der Run ein, als der Hinweis auf Airlenbach zu lesen war. Beim Biet-Battle zwischen den Familien Pracht und Beck hieß es schließlich: Noch ein Becks.

Etzean mit seinen 150 Einwohnern fiel zu Beginn angesichts der Platzhirsche ein wenig hinten runter, schlug sich aber dann doch sehr achtbar. „Knapp weniger Bürger als Beerfelden“, so Münkel, aber stolze 350 Euro. Fast wäre Finkenbach ein Ladenhüter geworden. Das konnte der gebürtige Finkenbacher Bürgermeister Christian Kehrer nicht auf sich sitzen lassen.

Gammelsbach schoss plötzlich noch auf 350 Euro, nachdem Münkel zuvor gemutmaßt hatte, der anstehende, teure Gailsmarkt-Montag könnte bei manchen den Geldbeutel verschlossen halten. Hebstahl und Hesselbach fielen ein bisschen zurück hinter beim Schilder-Hype, der dann bei einem Unikat wieder in die Gänge kam: das grüne Weiler-Schild Rothenberg-Hinterbach. 300 Euro ließ Kehrer mit dem Hinweis springen, dass es der Dorfgemeinschaft zur Verfügung gestellt wird.

Jörg Wehrle vom dortigen Haus Cordula hätte sich gern „Kortelshütte“ ins Azurit-Seniorenzentrum gehängt. Aber Gianluca Eifert machte mit 310 Euro mehr locker. Der feierte seinen Biet-Erfolg danach mit Bier: einem frisch gezapften, logischerweise Beerfeldener aus den Felsenkeller-Spezialitätensortiment. Winfried Friedrich hatte bei Ober-Hainbrunn leichtes Spiel. Das hätte fast die rote Auktions-Laterne bekommen, ging dann aber noch auf die 150.

In Olfen ist die Welt zu Ende, könnte man mit Blick auf die Rückseite des Ortschilds meinen. Denn hinten ist der Name rot durchgestrichen, aber es fehlt der Hinweis aufs nächste Dorf. „Zum Selbstausmalen“, meinte Münkel trocken. 160 Euro hier und 150 für die Raubach: Es läpperte sich.

Claus Weyrauch sicherte sich seinen Heimatort Rothenberg, Karlheinz Ihrig von der Sparkasse „sein“ Schöllenbach. Unter-Sensbach musste der Auktionator nochmal richtig schmackhaft machen, dann wurden auch hierfür 130 Euro von Christina Obenauer gezahlt. Für die hohe Endsumme, akkurat vom Sparkassenchef ausgerechnet, gab’s zum Schluss einen Riesenbeifall.