Feuerwehrhäuser sind teilweise „Ruinen“

Es ist ein wenig, wie wenn Sisyphos und Herkules aufeinandertreffen: Der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Freiwillige Feuerwehr Oberzent enthält zahlreiche Details, ist aber in seiner Abarbeitung einer Mammutaufgabe, für die die Stadt eine große Summe Geld in die Hand nehmen muss. Der kombinierte Bau- und Finanzausschuss befasste sich nun mit dem Thema, weil der Sperrvermerk für die Anschaffung von verschiedenen Feuerwehr-Fahrzeugen aufgehoben werden sollte.

Stadtbrandinspektor (StBI) Marco Johe stellte dem Gremium in einer sehr detailreichen, zeitintensiven Präsentation die wichtigsten Details des umfangreichen und von ihm weiter ausgearbeiteten Werks vor, wie er es bereits ähnlich im März dargelegt hatte. 117 Quadratkilometer Waldgebiet, fünf Kindergärten, fünf Schulen und drei Altersheime, dazu noch Bundesstraße und Bahnstrecke, bilden die wichtigsten Rahmendaten.

Immer noch, erläuterte er, „ist die Löschwasserversorgung in manchen Straßen und Stadtteilen kritisch“. Die Tageseinsatzstärke in den einzelnen Stadtteilen ist laut Johe „sehr gering“. Deshalb wird grundsätzlich auch immer die Beerfeldener Wehr mit alarmiert, weil dort der Personalbestand unter Tag weiterhin gut ist.

Die verschiedenen Wehren nennen noch eine Vielzahl von älteren bis alten Fahrzeugen ihr Eigen. Konkret ging es jetzt um Tanklöschfahrzeuge (TSF) aus Airlenbach, Gammelsbach und Falken-Gesäß, alle über 25 Jahre alt. Sie sollen neuen TSF mit dem Zusatz Wasser weichen. Diese haben jeweils einen 1000-Liter-Tank an Bord.

„Das kompensiert dann auch die geringe Tageseinsatzstärkte“, erläuterte Johe. Denn wenn das Wasser schon an Bord ist, braucht man weniger Leute, um es an den Einsatzort zu bringen. Für jedes Fahrzeug stehen 70.000 Euro im Haushalt, die von den Mandatsträgern als Empfehlung für die am 28. August tagende Stadtverordnetenversammlung freigegeben wurden.

Ungleich teurer wird der Ersatz fürs Löschfahrzeug 8/6, der kommendes Jahr ansteht. Im Hinblick auf den großen Waldbestand schwebt Johe hierfür ein sogenanntes TLF 4000 vor, also eines mit 4000-Liter-Tank. Im Odenwaldkreis werden drei Geschosse dieser Art gefördert, Oberzent soll eines davon bekommen. Gefördert ist aber relativ: Die Stadt bekäme 40 Prozent von 250.000 Euro wieder, aber die eigentlichen Kosten belaufen sich auf 350.000 Euro.

In vielen Feuerwehrhäusern gibt es Handlungsbedarf. Denn die Umkleide ist oft noch in der Fahrzeughalle angesiedelt und nicht nach Männlein und Weiblein getrennt. Es fehlt die Heizung, es zieht wie Hechtsuppe oder es ist feucht. Der technische Prüfdienst macht jetzt Druck, so Johe. Nachdem es jahrelang Versäumnisse bei der Aufarbeitung gab, ist seitens der Prüfer Schluss mit lustig. Vieles davon, ergänzte Bürgermeister Christian Kehrer, „ist nicht neu, wurde aber früher nicht umgesetzt“. Ein „Weiter so“ werde von der Unfallkasse nicht mehr toleriert.

Mit als Erstes ist das Gebäude in Airlenbach an der Reihe. Das hat auch mit dem neuen Fahrzeug zu tun, das nicht mehr ins bisherige Haus passt. Hier will man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einen Anbau fürs TLF-W schaffen und gleichzeitig die aktuelle Garage zur Umkleide umfunktionieren. Kosten: etwa 175.000 Euro.

Johe prognostizierte generell einen hohen Investitionsbedarf: „Das sind teilweise Ruinen“, zeichnete er ein drastisches Bild. Etwa die drei Gebäude des ehemaligen Hessenecks: Hessel-, Schöllen- und Kalibachs Feuerwehrgerätehäuser „sind allesamt renovierungsbedürftig“. Sie sollen 2021 drankommen. Ganz besonders schlimm ist die Situation in Schöllenbaqch: „Dunkel wie im Keller, ohne Heizung, Dach undicht, Tore defekt“, beschrieb der StBi die unhaltbare Situation.

Ebenfalls nicht mehr halten lassen sich die beiden Atemschutzwerkstätten und Berfelden und Rothenberg. Sie sollen einer neuen in Beerfelden weichen, die dann zentral für Oberzent tätig sein wird. „Wir wollen mit den Geräten ausrücken, die wir selbst geprüft haben“, hob Johe hervor. Kosten hier: mindestens 170.000 bis 180.000 Euro.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

–              15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche

–              204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)

–              450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53

–              Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen

–              15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören

–              169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung

–              54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)

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