Bürgerbus schleppt sich noch dahin

Es ging zwar „nur“ um 3000 Euro, aber irgendwie auch ums Prinzip. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung nicht dazu durchringen konnte, nach einstündiger Diskussion ein Votum pro Bürgerbus-Start zu fassen. Denn das Thema war bereits bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2018 im Fokus und kam seitdem nicht richtig voran.

Nachdem eine mögliche Bezuschussung durchs Land scheiterte, wollte die ÜWO nun wieder Zug in die Sache bringen. Doch der Zug hat immer noch erhebliche Verspätung und wird erst einmal auf einem anderen Gleis fahren: Die weitere Beratung soll im Ausschuss stattfinden, einigte man sich nach einer Sitzungspause zu später Stunde. Bei manchem Mandatsträger führte dieses „Hin- und Herschieben“ zu Frust, wie Chris Poffo (ÜWO) unmissverständlich deutlich machte.

Die ÜWO wollte mit ihrem Antrag erreichen, dass die Stadt einen Kleinbus least, der dann von der Generationenhilfe Oberzent betrieben wird. Der soll vor allem älteren Mitbürgern aus den Dörfern mehr Mobilität garantieren. Es gibt Bereiche in Oberzent, wo eine ÖPNV-Abdeckung schwierig ist, sagte Poffo. Durch den Bürgerbus „wollen wir einen Mehrwert schaffen“, betonte er. Wegen 3000 Euro „sollte man nicht alles verkomplizieren“.

Zu dem Punkt gab’s einen Änderungsantrag von SPD, CDU und FDP. Darin wollte Thomas Ihrig (SPD) „einen Schritt zurückgehen“ und geklärt wissen, ob der Verein zum Betrieb in der Lage ist. Er wolle nicht fürs Bus-Leasing stimmen, ohne dass ein Konzept vorliegt. Im selben Antrag schlugen die drei Fraktionen vor, den „Oberzent-Discount“ beim Taxomobil von „Garantiert-Mobil“ von 50 auf dann 75 Prozent zu erhöhen.

Auch Elisabeth Bühler-Kowarsch sah bei einer grundsätzlich positiven Haltung „noch viele Dinge zu diskutieren“. Sie regte an, neben Peter Krämer von der Oreg auch Vertreter des Bürgerbusses Bad König zur Ausschusssitzung einzuladen, um Erfahrungsberichte zu hören. Dirk Daniel Zucht (SPD) wertete den Bürgerbus „als Brücke zum Oreg-Angebot“. Man wolle Hand in Hand mit der Nahverkehrsgesellschaft arbeiten, damit keine Parallelstrukturen entstehen.

Achim Schäffler (ÜWO), mit ihm in der Generationenhilfe aktiv, griff eine Anregung von Ihrig auf. „Ich kann damit leben, dass der Bus erst angeschafft wird, wenn ein Betriebskonzept vorliegt“, sagte er. Die Hoffnung war groß, dass der Ausschuss das Thema schnell berät. Dass – wie in der Runde angesprochen – Garantiert-Mobil ein Vermarktungsproblem habe, wollte Bürgermeister Christian Kehrer nicht so stehen lassen.

Oberzent soll einen ehrenamtlichen Kulturbeauftragten bekommen. Diesen Antrag der SPD befanden alle Stadtverordneten für gut und folgten ihm einstimmig. Dirk Daniel Zucht hatte in der Begründung angeführt, dass derzeit Fördermittel in erheblicher Höhe ungenutzt blieben. Dies geschehe oft aus Unkenntnis, da die entsprechenden Programme nicht beworben werden. Personelle Engpässe in der Verwaltung schränkten zusätzlich die Sichtung und Weitergabe der Ausschreibungen ein.

Laut Zuchts Ausführungen soll der Betreffende die Verbindung zwischen der Stadt und den Oberzent-Kulturschaffenden herstellen. Auch ist gedacht, dass der Ehrenamtliche als Bindeglied zwischen der Stadt, dem Odenwald- und umliegenden Kreisen fungiert. Es geht darum „neue Türen zu öffnen“, wollte die Leistung der bisher Tätigen nicht mindern.

So ist es ein großer Wunsch, die kulturellen Oberzent-Events nach außen zu tragen. Denn, so sein Beispiel, von 600 Terminen im Odenwaldkreis-Flyer „sind nur drei aus Oberzent“, sieht er gewaltigen Nachholbedarf. „Es gibt kein finanzielles Risiko, aber viele Chancen“, betonte er. Der Magistrat soll nun „das Casting durchführen“, formulierte es Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch flapsig.

 

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