Chromblitzende Gefährte aus vielen Jahrzehnten

Schon mittags um 12 wird der Platz eng, weil der hintere Teil der Wiese durch die vorhergehenden Regenfälle aufgeweicht ist. Doch an diesem Tag strahlt mal wieder die Sonne vom Himmel. Wenn der MGV im kleinen Oberzent-Stadtteil zum Schlepper- und Oldtimertreffen einlädt, dann tummeln sich chromblitzende Exemplare en masse auf dem Sportplatzgelände. Zum zwölften Mal hatte der Verein eingeladen und durfte sich aufs Neue über einen großen Ansturm freuen.

Die Sänger als Veranstalter werden bei herrlichem Wetter „förmlich überrannt“, wie sich Vorsitzender Wilfried Friedrich freut. Es sind ja nicht nur die Fahrer mit ihren liebevoll gepflegten Karossen, die den kleinen Ort bevölkern. Es kommt noch einmal eine Vielzahl von Gästen obendrauf, die die Gastfreundschaft und das bekannt gute gastronomische Angebot Open-Air genießen.

Hier der Riese, dort der Zwerg. Der Größenunterschied zwischen dem kleinsten Allradschlepper, einem Iseki von Attila Bundai aus Brombach, und dem monströsen Gefährt von Kai Feddermann aus Beerfelden, der mit einem Schlüter Super Trac 2000 aus dem Jahr 1983 den Berg herabgerollt ist, ist enorm. Der ist mit seinen zehn Tonnen eines der schwersten Fahrzeuge auf dem deutschen Markt, erzählt er. 38-Zoll-Räder, zehn Liter Hubraum, acht Zylinder: Den Superlativen sind keine Grenzen gesetzt.

Höchstens bei der Geschwindigkeit: 40 Stundenkilometer erreicht der Schlüter. Da ist nur der fast ebenso große Fast Trac schneller. „Das ist der erste für Autobahnen zugelassene Schlepper“, weiß Dennis Weber mit seinem Fachwissen. Er kann 60 bis 70 km/h erreichen. Die drei sind aber nur eine kleine Auswahl dessen, was an diesem Tag zu bewundern ist. Hanomag, Deutz, Lanz, Eicher, IHC, McCormick, Porsche, Allgaier, MAN oder Normag: Die Namen der alten, manchmal schon „ausgestorbenen“ Marken schwirren nur so durch die Luft auf dem Festplatz.

„Das ist schon Wahnsinn, was hier alles vertreten ist“, stellt Weber bewundernd fest. Hier steht ein Allgeier-Wasserverdampfer, dort ein Porsche-Traktor im Originalzustand. Den Vogel in Sachen Alter schießt Peter Kwiatkistas Gefährt ab. Der gebürtige Erbacher, in der Hinterbach lebend, nennt einen Kramer-Wasserverdampfer sein Eigen. Das Vehikel wurde im Jahr 1923 gebaut und ist mit seinen 18 PS für die damalige Zeit schon gut motorisiert.

Weber lenkt den Blick auf einen Einachser. „Menschenschinder“ nannte man den früher, weiß er von seinem Großvater. Das Gerät stellte zwar eine Arbeitserleichterung dar, „aber abends war man trotzdem fix und alle“. Aus dem ganzen Odenwald bis hin über den Neckar sind die Teilnehmer zum Treffen getuckert. Eine Teilnahme hat bereits Tradition, viele sind Wiederholungstäter.

Wie etwa die Traktorenfreunde Allemühl aus dem kleinen, badischen Odenwald mit etlichen Fahrzeugen, vor allem Lanztraktoren. Oder die Schlepperfreunde Igelsbach aus dem geteilten Dorf. Von Gras-Ellenbach, weiß Weber, hat sich auch eine Gruppe auf dem Weg gemacht. Nicht zu vergessen die benachbarten Brombacher, die immer zahlreich die hessische Landesgrenze überqueren.

Auch wenn die Traktoren und Schlepper etwa drei Viertel der ausgestellten Fahrzeuge ausmachen, so kommen ebenso die blitzenden Auto-Oldtimer und die alten NSU- oder BMW-Motorräder zu ihrem Recht. Ein Augenschmaus ist der fast 60 Jahre alte Opel Kapitän, ein prachtvolles schwarzes Geschoss mit nur drei Gängen. Oder das Volkswagen Karmann Ghia Cabrio, das an diesem Sonnentag einfach nur Freude macht zu fahren.

Eine lange Odyssee von Südafrika in die Kurpfalz hat der Alfa Spider mit Baujahr 1962 hinter sich. Seinem Besitzer, der von Johannesburg zurück nach Eberbach wollte, waren die Frachtkosten zu hoch, weshalb er vor 50 Jahren die Strecke einfach – fuhr. Der Hingucker hat einen Chevy V8 Motor drin, die Hinterachse stammt von einem Ford Maverick und der Getriebe von einem Opel Admiral. Obendrauf kommen ein Hubraum von 5400 Kubik und 270 PS.

 

 

Wenn der MGV zum Schleppertreffen ruft, ist der ganze Ort dabei. Wer nicht beim Einweisen der Fahrzeuge hilft, ist bei der Bewirtung aktiv. Den ganzen Tag schwirrt ein großes Helferteam über den Sportplatz. Am Tag vorher werden die Kartoffeln von 15 Frauen im Ort geschnippelt. Die großen, wohlschmeckenden Portionen, egal ob jetzt Odenwälder Hochzeitsessen (Tafelspitz) oder Wildgulasch, sind bekannt.

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