Das Finkenbachtal bleibt abgehängt

Was sich im Ausschuss bereits abgezeichnet hatte, wurde in der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung Realität. Es wird keine Verbesserung auf der Buslinie 54 im Bereich der früheren Gemeinde Rothenberg mit den Finkenbachtal-Gemeinden geben. Denn die Mehrkosten dafür hatte die OREG auf 185.000 Euro beziffert. Sie wären von der Stadt zu tragen gewesen. Da diese aber kein Geld dafür hat, zog Horst Kowarsch von den initiierenden Grünen den Antrag zurück.

Kowarsch bezeichnete in seiner ursprünglichen Antragsbegründung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Laut OREG stellt der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Grundversorgung sicher: nämlich den Schülerverkehr. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Das gibt es nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende gar nicht mehr. Wenn es, wie im Antrag gewünscht, im werktags stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben sollte, müsste hier die Stadt einspringen.

Kowarsch regte an, dem ÖPNV-Ausbau im südlichen Odenwaldkreis ein besonderes Augenmerk zu schenken. „Wir müssen auch die Nebenstrecken fördern.“ Lediglich auf die Kosten zu verweisen, hielt er für ein „Totschlagargument“. Er hätte sich von der OREG Verbesserungsvorschläge und neue Ideen gewünscht. „Wenn wir unsere Region stärken wollen, brauchen wir die Verbindung zur S-Bahn im Neckartal“, betonte er.

„Wir fühlen uns da oben abgehängt“, brachte es Brigitte Heckmann (SPD) für die Höhenstadtteile Rothenberg und Kortelshütte auf den Punkt. Ihren Worten zufolge gibt es viele Verbindungen vom Nordkreis nach Bayern „und die bringen es nicht fertig, Busse nach Hirschhorn fahren zu lassen“, machte sie ihrem Unmut Luft.

Ihr Fraktionskollege, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, wies auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hin. Oberzent müsse die Mittel dem Kreis zur Verfügung stellen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. In den vergangenen Jahren wurde im Kreis sehr viel in den ÖPNV investiert, meinte er. „Deshalb kann ich die Pauschalkritik nicht nachvollziehen“, so Holschuh.

Diskutiert wurden im Rund die Anbindungen an die Grenzregionen mit Eberbach und Hirschhorn, weil von dort die S-Bahn in die Metropolregion und nach Mosbach fährt. Der folgende Vorschlag von Bürgermeister Christian Kehrer fand bei allen Widerhall: „Warum formulieren wir nicht dem Kreistag das, was wir haben wollen“, meinte er. Landrat Frank Matiaske wird im Januar zur Vorstellung des Kreisentwicklungskonzepts in Oberzent sein. Dem könnte man Anregungen mitgeben.

Das Beratungs-Ergebnis sorgte vor allem bei den Mandatsträgern aus dem früheren Rothenberg für Frust, wie sich nach Ende der Sitzung beim gemütlichen Beisammensein zeigte. Linienverdichtungen im Nordkreis und eine neue Verbindung über Mossautal nach Grasellenbach wurden zum Anlass genommen, auf die Vernachlässigung des Finkenbachtals hinzuweisen. Dass im Kreis Bergstraße zwischen Wald-Michelbach und Hirschhorn als Grundversorgung unter der Woche ein stündlicher Takt eingerichtet wurde, war für viele ein positives Beispiel, wie es anders laufen könnte.