Zusammengezimmertes Beiwerk

Gutes Ansinnen, aber schlecht umgesetzt. „The Music of Hans Zimmer & Others“ bot im Mannheimer Musensaal einen Ausschnitt der Werke des weltbekannten Filmkomponisten auf hohem Niveau. Aber sängerisches Beiwerk und untermalende Beamer-Projektion waren leider öfters auf Low-Budget-Level. Da lohnt es sich, ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen und Anfang 2021 in der SAP-Arena das Gastspiel des Originals zu besuchen.

Die Musik zum „Fluch der Karibik“ dürfte aufgrund des Erfolgs der Filmreihe zu den bekanntesten Werken des aus Frankfurt stammenden 62-Jährigen gehören. Das Hollywood Philharmonic Orchestra bringt das monumentale Stück zusammen mit dem Staatlichen Akademischen Symphonie-Orchester und dem Chor der Republik Weißrussland unter der Leitung von Yuri Karavaev klasse rüber.

Ein sehr gelungener Einstand – wäre da nicht die billige Nussschale gewesen, die auf der großformatigen Leinwand auf einem animierten Meer hin und her schaukelte. Waren die Rechte für Originalszenen nicht verfügbar oder zu teuer? Egal wie, hier und auch später kontrastiert die billige Hintergrund-Animation mit der pompösen Musik des deutschen Export-Schlagers.

„Rain Man“, „Mission Impossible“, „Gladiator“, „Interstellar“, „Pearl Harbor“ oder Dunkirk“: Hans Zimmer drückte etlichen Blockbustern der vergangenen Jahrzehnte seinen musikalischen Stempel auf. Doch nicht nur das filmische Schaffen des deutschstämmigen Könners wurde beleuchtet, sondern auch sein Leben. Allerdings leider nur zum Teil auf Deutsch durch Sopranistin Johanna Krumin.

Den Rest übernehmen ihre drei Kollegen auf Englisch, was aufgrund der schlechten sowohl sprachlichen als auch akustischen Verständlichkeit eine unglückliche Wahl darstellte. Da ging einiges an Infos verloren. „Hans Zimmer war sehr vielfältig“, erzählte die moderierende Sängerin. Stimmt: Dass er auch die Musik zu „Miss Daisy und ihr Chauffeur“, „Madagascar II“ oder „Sherlock Holmes“ schrieb, fällt neben seinen Megahits ein wenig neben runter.

„König der Löwen“ ist ein solcher, dem mit drei Titeln viel Raum gegeben wird. „Can you feel the Love tonight“ ist aber, dargeboten von Jean Marc Lerigab, einfach nur grottig. Dazu noch ein Billig-Löwe wie in einem schlechten Video-Spiel, der über die Leinwand hoppelt – das vermiest das ganze Erlebnis. Denn als ein „unvergessliches audiovisuelles Konzertereignis“ wird das Gastspiel beworben – das kann man nach der Vorstellung so und so sehen.

Was Zimmer eigentlich zu bieten hat, kommt unter anderem in der Melange von „Inception“ und „Interstellar“ oder der Musik zu den drei Superhelden-Streifen Bat-, Spider- und Superman rüber: monumentale, mächtige Musik, mitreißend präsentiert, wenn man sich auf den Klang einlässt und dem Drumherum wenig Aufmerksamkeit schenkt. Donnernde Becken, fanfarenartige Trompeten, dazu noch die majestätischen Blechbläser des Orchesters: Das macht Lust auf mehr. Aber dann bitte mit dem Original-Zimmer.