Bürgerinitiative will den windigen Wahnsinn stoppen

„Lasst uns gemeinsam diesen Wahnsinn stoppen“, macht die Bürgerinitiative (BI) „Pro Natur“ in Rothenberg deutlich. Sie richtet sich damit gegen Planungen eines Windkraft-Projektierers, der auf der Hirschhorner Höhe 13 Rotoren errichten möchte. Eigentlich war für dieses Wochenende eine Info-Veranstaltung geplant, die aber coronabedingt ausfallen musste. „In diesem Schwachwindgebiet bringen Windenenergieanlagen (WEA) keinen Ertrag“, machen die Gegner klar.

Schon Ende Januar hatten die Rothenberger mit Unterstützung weiterer BI verdeutlicht, wie wenig sie von Windrädern auf dem Höhenzug halten. „Wir nehmen Klimaschutz sehr ernst. Und wir sind für die Nutzung der regenerativen Energien“, sagen die Aktiven. Um hinzuzufügen: „Aber nur dort, wo es wirklich Sinn macht.“ Wie 13 Rotoren aussehen, können die Rothenberger schon jetzt „bewundern“: auf den gegenüber liegenden Hängen von Greiner Eck, Stillfüssel und Kahlberg.

Die Versuche von Windkraftprojektierern Anfang des Jahres, benötigte Flächen für ihr Vorhaben zu pachten, schreckte die Bürger des Höhendorfs auf. Im „Hirsch“ fand Mitte Januar eine Art „Kick-off-Veranstaltung“ statt, aus der sich die BI entwickelte. Die führte dann Anfang März einen Filmabend mit dem Streifen „End of Landschaft“ durch, „wobei wir bis zu 30 weitere Mitstreiter gewonnen haben“, freut sich Claus Weyrauch. „Weitere Aktive sind natürlich gern willkommen“, betont er.

„Uns geht es zuallererst darum, zur Aufklärung der Bevölkerung beizutragen“, erläutert Susanne Weyrauch. In diesem Sinne war auch der jetzige Infonachmittag in der Sporthalle geplant, zu dem sich Prof. Christian-Friedrich Vahl von der Uni Mainz und Geograph Richard Leiner aus Heidelberg angesagt hatten.

Der Herzspezialist Vahl, gleichzeitig Besitzer eines Ferienhauses im Höhenort, wollte zum Thema „Infraschall – Störsender fürs Herz“ referieren. Er ist Leiter der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Seit drei Jahren forscht Vahl mit seiner Arbeitsgruppe „Infraschall“ zu dessen Auswirkungen auf menschliche Organe.

Leiners Thema lautet „Windkraft im Naturpark: Was bedeutet der Regionalplan für den Odenwald?“ Er ist gleichzeitig Sprecher der Initiative „Rettet den Odenwald“. Die Veranstaltung soll zu gegebener Zeit nachgeholt werden, versichert Claus Weyrauch. Er rechnet damit, dass die Projektierer bald wieder ihre Arbeit aufnehmen werden, nachdem ein erster Termin zur Grundstücksakquise abgesagt worden war.

Vor kurzem gab es eine BI-Wanderung durch das betreffende Gebiet, um in Augenschein zu nehmen, welche Fauna und Flora dort vorhanden ist. Zum einen geht es um den Natur- und Baumbestand, zum anderen um das Vorkommen von geschützten Arten. „Für eine lebenswerte Umgebung, für unsere Gesundheit, für den Natur- und Artenschutz“, beschreibt die BI denn auch ihre Zielrichtung.

Am Demonstrationszug quer durch den Ort hatten sich Ende Januar etwa 300 Menschen beteiligt. „Wir erfahren sehr viel Zuspruch von anderen Bürgerinitiativen aus Breuberg, Siedelsbrunn und dem Ulfenbachtal“, berichtet Susanne Weyrauch. Das Anliegen der BI: „Wir wollen die Rothenberger gut informieren, damit sie sich ein eigenes Urteil bilden können.“

Nach Meinung der BI bringen Windräder im „Schwachwindgebiet Odenwald“ keinen Ertrag. Sie würden nur gebaut, um 20 Jahre lang die staatlichen Subventionen abzuschöpfen. „Diesen Subventionsmissbrauch einzelner Konzerne bezahlen wir mit unseren Steuern und einem der höchsten Strompreise in Europa“, mahnen die Aktivisten.

Sie lehnen ganz entschieden die Opferung eines der letzten Naturparadiese in Deutschland zugunsten dieser „für die Allgemeinheit sinnlosen Praxis ab“. Dazu kommt ihrer Meinung nach ein Verfall der Immobilienpreise in der Nähe von WEA. Und wenn die Betreiberfirma Pleite geht, bleiben die Verpächter auf den Rückbaukosten sitzen. „Wehret den Anfängen“, lautet deshalb die Botschaft.

 

Kontakt zur BI „Pro Natur“: Susanne Weyrauch, Telefon 01511-7379793, oder Andreas Ihrig, Telefon 01525-3862359.