Im Rothenberger Hirsch: Außer-Haus-Verkauf gegen die Krise

Im Höhendorf wird die Solidarität hochgehalten. Seit die Restaurants coronabedingt schließen mussten, versuchen sie sich mit Liefer- und Abholangeboten über Wasser zu halten. Das kann natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, weil viel mehr dahinter steht als „nur“ ein paar verkaufte Essen. Beim Hotel-Restaurant „Hirsch“ in Rothenberg freut man sich, dass das Angebot nicht nur von Rothenbergern gut genutzt. Aber die die Familie Beisel plagen – wie viele anderen Kollegen auch – große Existenzsorgen.

„Der Außer-Haus-Verkauf unter der Woche steigt“, hat Angelika Beisel beobachtet. Da kommen vor allem die Rothenberger. Am vergangenen Wochenende, wenn dann noch die Hungrigen aus Hirschhorn, Beerfelden oder Finkenbach ihr Essen ordern, lief es sehr gut, schildert sie. Da war die Nachfrage sogar größer als die knusprigen Gockel. Die Leute halten auf dem Land zusammen. „Es kommen viele, um die Gastro vor Ort in schweren Zeiten zu unterstützen“, meint sie. „Das macht es persönlich und berührt mich sehr.“ Die Gastronomin beschreibt sich selbst als „noch in Schockstarre“ über das Geschehene.

Die Beisels rechneten schon vor zwei Wochen mit einer Verschärfung der Regelungen. Nicht nur die Gaststätte ist davon betroffen, sondern auch das Hotel, schildert die Chefin die Situation. Ein 50. Geburtstag war geplant, eine große Chorfreizeit hatte sich angekündigt. Und jetzt: nichts. Die Summe, die an Umsätzen fehlt, „ist schon heftig“, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Und das vor dem Hintergrund einer ausgefallenen Skisaison, wodurch Januar und Februar „sowieso schon schlechte Monate waren“.

Die Rothenberger Gastronomen-Familie weiß, dass sie mit dieser Erfahrung im Odenwald nicht allein dasteht. Vielen Kollegen geht es ähnlich. Denen bricht nicht nur das aktuelle, sondern auch das Ostergeschäft bis weit in den Mai hinein weg. „Konfirmationen, Cateringaufträge, Reisegesellschaften – alles futsch“, erzählt Angelika Beisel. Die Stornierungen reichen inzwischen bereits bis Pfingsten.

„Das ist ein Fass ohne Boden“, befürchtet sie das Schlimmste. Und mit nichts zu kompensieren. Darlehen, die zur Unterstützung im Gespräch sind, „müssen ja auch irgendwann zurückgezahlt werden“, ist das für die Gastronomin nicht der Weisheit letzter Schluss. Ebenso verhält es sich mit der Stundung von Steuerzahlungen. Die werden ebenfalls ja nicht erlassen.

„Wo soll ich es hernehmen“, klingt Angelika Beisel verzweifelt. „Sparen, sparen, sparen“, im Sommer kein zusätzliches Personal einstellen, ist ein Teil des Ganzen. Entlassungen wären kontraproduktiv. Nicht nur, weil dann ihre Beschäftigten ohne Job dastehen, sondern „wir würden wertvolle Leute für die Zukunft verlieren“.

Zuschüsse sind ein weiterer Baustein, aber zur Verwirklichung braucht es wiederum – nicht vorhandenes – Eigenkapital. Für die Hirsch-Chefin die beste Lösung: Es müsste Geld ohne Rückzahlungspflicht zur Verfügung gestellt werden – wie es für bestimmte Berufsgruppen aktuell in der Beratung ist. „Wir brauchen eine Liquiditätshilfe, die sofort kommt und nicht in Darlehensform“, bringt sie es auf den Punkt.

Die Herabsetzung des Umsatzsteuersatzes für Speisenverkauf auf durchgehend sieben Prozent, wie es der Verband schon länger fordert, wäre für sie eine andere sinnvolle Maßnahme. Bisher gilt das nur für Außer-Haus-Verkauf. Denn ob ab Juni wieder alles in geregelten Bahnen verläuft, ist noch lange nicht klar. Das hängt an vielen Faktoren. Einer davon: Gibt es die Busunternehmen noch, die früher die Reisegruppen in den Odenwald kutschierten, oder haben manche pleite gemacht? Denn dann „kommen keine Leute mehr“.

Der „Hirsch“ war in diesem Jahr gut aufgestellt, erläutert Beisel. Es ging langsam, aber stetig aufwärts, „wir waren auf einem guten Weg“. Der ist jetzt zu Ende, alle Planungen sind dahin. „Wir müssen um unser Überleben kämpfen.“ Inzwischen freut sie sich schon darüber, „wenn ein Anruf kommt und für Dezember reserviert wird.“

Zum Bild: Holt sein Mittagessen beim Hotel „Hirsch“. Edgar Ludebühl aus Rothenberg, hier mit Angelika Beisel.

Info: Mehr zum Außer-Haus-Angebot beim „Hirsch“ unter www.hirschwirts.de/Aktuelles/ und www.facebook.com/Hirschwirts/