„Es fällt das weg, was wir gerne machen“

Es ist einfach alles weggebrochen. Die Veranstaltungen, die Gastronomie, die Vermietungen im Hüttenwerk Michelstadt. Dazu die Beschickung von Volksfesten, Kerwen und Open-Air-Events mit Licht- und Tontechnik der Firma von Achim Tischer. Und darüber hinaus die musikalischen Engagements von Michi Tischler, unter anderem bei Hochzeiten. „Seit 14. März läuft bei uns beiden gar nichts mehr“, erzählt der Hüttenwerk-Betreiber. Er ist froh, bisher gut gewirtschaftet zu haben, um nicht sofort vor dem Nichts zu stehen.

Zwei Konzerte in der Woche, private Feste, Firmenfeiern, oder Bank-Motivationsveranstaltungen: Der Saal war bis zum Sommer gut gebucht. Jetzt hat Achim Tischler genau noch einen Auftrag abzuarbeiten und das war’s dann: In Mörlenbach-Weiher montiert er in der Sporthalle eine Traverse, damit die örtliche Theatergruppe dort einen Scheinwerfer aufhängen lassen kann.

Eine gewisse Zeit kann sich der 59-Jährige noch über Wasser halten. „Zum Glück habe ich nicht so hohe Verbindlichkeiten, dass mir alles um die Ohren fliegt“, sagt er. Aber es ist für ihn klar, dass er staatliche Zuschüsse beantragen wird. „Geld ist das einzige, was hilft“, sieht er dazu keine Alternative. Und das am besten nicht zurückzahlbar. „Um ein Darlehen aufzunehmen, brauche ich den Staat nicht“, bringt er es auf den Punkt.

Tischer sieht im Shutdown nicht nur eine wirtschaftliche Katastrophe für die Kulturmacher, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. „Es fällt das weg, was wir gerne machen“, erzählt er. Denn der Hüttenwerk-Betreiber, selbst Hobby-Musiker, vermisst Gäste und Personal. „Mein Herz hängt an dem Laden“, betont er. Für seine festangestellten Mitarbeiter hat Achim Tischler bereits Kurzarbeit beantragt.

Freitags fand Mitte März im Hüttenwerk noch ein Clubkonzert statt, der Samstag wurde bereits abgesagt. Michi Tischler trat dienstags bei einer Tagungsveranstaltung auf, der Freitag wurde gecancelt. „Das kam von jetzt auf nachher“, berichtet Tischler. Er hatte bereits etliche Jobs für Ton- und Lichttechnik bei Veranstaltungen in der kommenden Wochen.

Während die 47-Jährige nun als Produktionshelferin bei einem Industriedienstleister arbeitet, kümmert er sich ums große Gelände. „Wir machen Lagerarbeiten und räumen auf“, berichtet er. „Da ist immer was zu tun.“ Die Tischlers sind da gleich gestrickt, schmunzelt er: Wenn eine Sache nicht läuft, wird was anderes gesucht. „Wir müssen ja essen.“

Es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. „Wir müssen da halt durch, damit es weitergeht“, hebt er hervor. Sollte allerdings die Sommersaison inklusive Bienen- und Wiesenmarkt wegfallen, „dann wird es ganz eng“, weiß er. Denn sowohl in Erbach als auch in Michelstadt ist er gleich an mehreren Stellen eingebunden. Dazu noch die Freilichtbühne Bad König, das Finkenbach-Festival, ganz zu schweigen vom eigenen Hoffest an Christi Himmelfahrt, „das noch in den Sternen steht“ – seine Sorgenfalten werden tiefer.

Der Hüttenwerker hofft darauf, dass ab dem 20. April das öffentliche Leben wieder hochgefahren wird – quasi in ähnlicher Form, wie es runtergefahren wurde, nur rückwärts. Wenn kleinere Veranstaltungen dann wieder möglich wären, könnte man peu à peu freitags wieder starten, spekuliert er. Denn die Kosten auf den 1000 Quadratmetern des Komplexes laufen natürlich weiter.

Etliche Musiker, die im Hüttenwerk auftreten, haben nebenher noch einen festen Job, weiß er von Unterhaltungen. Andererseits gibt es wiederum auch sehr viele, „die nur Musik machen“ und dringend darauf angewiesen sind, dass sie wieder auftreten dürfen. Nicht mal mehr Musikunterricht ist möglich – ein zweites Standbein von einigen Künstlern.

„Die Leute drehen alle hohl“, hat Achim Tischler beobachtet. Leider werde nur noch mantraartig die Losung runtergebetet, dass alle zu Hause bleiben sollen. „Über andere Meinungen wird nicht geredet“, wünscht er sich eine differenziertere Betrachtung der Situation.