Endlich spielt wieder die Live-Musik

Die Spielfreude ist den Musikern in jeder Minute anzumerken. Endlich wieder live auf der Bühne stehen: Das ist nicht nur für Bobby Stöcker, Jürgen „Lucki“ Lucas und Christiane Weber das Salz in der Suppe ihres künstlerischen Wirkens. Im Hüttenwerk Michelstadt durfte das Trio nach über zwei Monaten „Lockdown“ aufs Neue losrocken. Wie das in Perfektion geht, zeigte ein „Special Guest“: Heiner Albus aus Groß-Umstadt, der mit seiner Blues Harp einigen Songs einen gnadenlos fetzigen Anstrich verlieh.

Bobby Stöcker gehört durch seine vielen Auftritte eigentlich fast schon zum Hüttenwerk-Inventar. Er ist ein musikalischer Tausendsassa, der unter anderem in verschiedenen Tribute-Bands aktiv ist. „The Adams Family“, „Coversnake“ oder die Kiss-Wiederauferstehung gehören dazu. Mit dem Trio „BoBbastic“ rockt er die Republik powervoll in Form von bekannten Coversongs, mit „Spirit of Soul“ feiert er in Frankfurt regelmäßig große Soul- und Black Music-Erfolge.

Natürlich keine Frage, dass er den Songs mit seinem Gitarrenspiel seinen Stempel aufdrückt. Das zeigt sich selbst bei einem Popsong wie „Time after Time“ von Cindy Lauper, von „Miss Christine“ interpretiert. Die teilt sich den Leadgesang mit Stöcker, während beide den jeweils anderen im Background begleiten. Das macht aus einem Trio gleich eine größere Band.

„Lucki“ Lucas ist sowieso ein ständiger Wegbegleiter von Bobby Stöcker, unter anderem bei „BoBbastic“ oder „Coversnake“. Die beiden brauchen keine Proben, damit es passt. Die gab es nämlich auch gar nicht, wie der schmunzelnd meint. Die den Takt haltenden Hintergrund-Töne von Lucas, der immer auch ein paar lockere Sprüche einstreut, zeigen: „Bobby & Friends“ haben viel Spaß und machen gute Laune.

So richtig die Post geht ab, wenn „der Heiner“ mit seinem großen Sortiment an Mundharmonikas die Bühne entert. Für jedes Stück gibt’s das passende Stück – wenn er nicht wie in Michelstadt genau die eine Tonlage vergessen hat. Aber kein Problem, es gibt genug andere Songs, die die Profis in petto haben.

Und so drückt der Vollblut-Blueser etwa „Long train running“ von den Doobie Brothers, „Wonderwall“ von Oasis, „Hard to handle“ von den Black Crowes oder „Stand by me“ von Ben E. King seinen Stempel auf. George Michaels „Faith“ ist ein Kracher, der das Original übertrifft. Das Ganze logischerweise „unplugged“ mit akustischer Gitarre und Cajon statt Schlagzeug, was den bekannten Pop- und Rockklassikern eine ganz neue Farbe verleiht.

Ein paar eingestreute Statements machen deutlich, wie sehr den Künstlern der ungewohnte Stillstand an die Nieren gegangen ist. „Ich habe nach dem letzten Gig Ende Februar zwei Wochen mein Auto nicht ausgeladen“, erzählt Stöcker. Weil er es nicht wahrhaben wollte, dass nun nichts mehr gehen sollte. Als dann wieder grünes Licht vom Hüttenwerk kam, „wollten es die Kollegen erst gar nicht glauben, dass es wieder Konzerte gibt“, lacht er.

Die Musik der drei – und zeitweise vier – passt gut in die Wohnzimmer-Atmosphäre, die sich aber durch die großen Abstände manchmal etwas kahl anfühlt. REM, Beatles, Duffy, Jupiter Jones, Bill Withers oder Luis Fonsi: Bobby & Friends machen Gute-Laune-Musik.

Christiane Weber aus Ludwigshafen kennt man im Hüttenwerk als Gast der Hausband „Another Livetime“ bereits. Für Claus Eisenmann, Edo Zanki oder Rolf Stahlhofen von den Söhnen Mannheims ließ sie ebenfalls schon ihre Stimme ertönen. Sie ist für die powervollen weiblichen Stimmen in den Songs zuständig. Etwa „Like the way I do“ von Melissa Etheridge oder „Valerie“ von Amy Winehouse.

Vier Songs feierten an diesem Abend ihre Premiere: Die hat Nicole Göbel getextet, während Bobby Stöcker die Musik dazu schrieb. Sie sprach den 51-Jährigen während eines Konzerts im Hüttenwerk an, ob er ihre Gedanken vertonen würde. Die dazugehörige CD mit deutschen und englischen Stücken soll Ende August erscheinen, kündigte Stöcker an.

 

Info: http://www.bobbystoecker.de