Alarmstufe Rot bei Veranstaltern und Künstlern

„Kurz gesagt: Katastrophe“ bringt es Achim Tischler vom Hüttenwerk, Inhaber der gleichnamigen Veranstaltungstechnikfirma, in Michelstadt, auf den knackigen Punkt. „Verloren haben wir durch den Corona-bedingten Lockdown seit dem 14. März alles“, sieht er für die Veranstaltungsbranche und mitbetroffenen Künstler noch keinen Silberstreif am Horizont. In seiner Aussage „Am schlimmsten ist es, dass es keinerlei Planungssicherheit gibt“, weiß er sich einig mit Fritz Krings von „Péripherique“.

„Es gibt einen großen Frust, dass wir nicht planen können“, betont Krings. Von Woche zu Woche werde neu entschieden. Deshalb beteiligten sich beide zusammen mit anderen Kulturschaffenden auf dem Michelstädter Rathausplatz auch an der bundesweiten Protestaktion der Branche, „Night of Light“. Tischler ließ das Verwaltungsgebäude eine Stunde lang in Rot erstrahlen, Krings‘ Firma deren „Schwarzen Adler“. Höhepunkt: Die Bengalo-Feuer vor beiden Gebäuden.

„Die Überlebenschancen für unsere Branche sehe ich nicht so rosig“, geht es für Tischler langsam, aber sicher, den Bach runter. Gerettet werden seiner Meinung nach „ganz bestimmt die öffentlichen Kulturstätten“, wie  Staatstheater, Opernhäuser, TV- und Rundfunkanstalten mitsamt ihren Veranstaltungen. „Denen passiert aber sowieso nie etwas.“ Ein öffentliches Opernhaus mit seinem kulturell wertvollen Programm hat es leichter, an Fördertöpfe und Subventionen zu kommen, als eine Livebühne für Populärmusik. „Warum eigentlich?“, stellt er in den Raum.

Alles, was privat betrieben ist, wird wohl für sich selbst sorgen müssen, befürchtet der Hüttenwerk-Macher. Im Rhein-/Main-/Neckar-Raum gibt es seiner Kenntnis nach schon genügend Aussagen von privaten Betrieben, „die nichts Gutes verheißen“, weiß er. Etwa das das Statement der Batschkapp-Betreiber in Frankfurt.

Und die Branche weiß einfach nicht, was Sache ist: Erst hieß es, Großveranstaltungen sind bis zum 31. August verboten, nun wurde dieser Termin „trotz sinkender oder sogar gar nicht mehr messbarer Zahlen“ auf den 31. Oktober verlängert. „Was kommt dann? Der 31. Dezember? Und dann?“, sieht Tischler kein Ende der Spirale. Die Veranstalter befürchten die Kultur in der Hackordnung an letzter Stelle. Konsum ist weit höher angesiedelt. „Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben“, sagt Fritz Krings.

Beide kritisieren heftig die unterschiedliche Messlatte je nach Branche. Freizeitparks oder Schwimmbäder dürfen öffnen, ebenso Einkaufszentren in Weiterstadt oder Viernheim mit den entsprechenden Menschenmassen. Dass Konzerte aber nicht gehen, lässt sie einigermaßen fassungs- und verständnislos zurück. „Offensichtlich kann das Virus unterscheiden“, bringt es Tischler sarkastisch auf den Punkt. Und Krings ergänzt: Wo zu Beginn eine klare Richtung bei der Virus-Bekämpfung war, „wirkt jetzt alles orientierungslos“.

„Weitergehen wird es bei uns schon, irgendwie“, verspricht Achim Tischler. Allerdings sind die bisherigen Wohnzimmer-Konzerte im Hüttenwerk eher Schadensbegrenzung „und haben mit Geld verdienen zumindest kaufmännisch gesehen nicht viel zu tun.“ Es ist knapp, so der Veranstalter, um nicht zu sagen: „Es reicht vorne und hinten nicht.“ Die staatliche Hilfe ist schon längst wieder aufgebraucht. Verbindlichkeiten, auch wenn sie großzügig gestundet werden, „fallen einem am Ende wieder auf die Füße“.

Welches Unternehmen, fragt Tischler rhetorisch, egal aus welcher Branche, „kann es sich durch seine Rücklagen leisten, von April bis Ende des Jahres nicht mehr zu arbeiten oder zu produzieren? Er ist sicher: „Da haut es wahrscheinlich auch der deutschen Politik liebstes Kind, die Autoindustrie, vom Sockel.“

Allerdings blickt er auch nach vorn. Da man mittlerweile Freiluftveranstaltungen bis 250 Personen ohne Sondergenehmigung durchführen darf, „werden wir die ein oder andere Aktion im Hüttenwerk-Hof starten.“ Außerdem gibt es eine Kooperation mit weiteren Odenwälder Kulturschaffenden, die ebenfalls Veranstaltungen im Hof durchführen werden.