In die Liftsanierung kommt Fahrt rein

Im Grunde genommen waren sich die Stadtverordneten einig, dass die dringend notwendige Reparatur am Bikepark Beerfelden endlich durchgeführt werden muss. Denn sonst würde das Regierungspräsidium (RP) am 30. August den Lift komplett stilllegen und Oberzents touristisches Highlight wäre passé. Aber den Weg zur letztendlichen Entscheidung machten sich die Mandatsträger in der auf Abstand getrimmten Sporthalle nicht leicht – zum Schluss wurde einfach der geltende Vertrag herangezogen und umgesetzt.

Anlass für die aufkommende Diskussion war ein Antrag der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO). Den erläuterte Fraktionssprecher Chris Poffo im Detail.  Die „erheblichen sicherheitstechnischen Mängel“ rühren daher, dass der Skilift bei einer Betätigung des Nothalts noch zu lange weiterläuft. Zwar ist sowieso eine Kompletterneuerung des Lifts geplant, aber bis die irgendwann zum Tragen kommt, muss der Mangel abgestellt werden. Und zwar sofort. Daran lassen TÜV und RP keine Zweifel.

Wobei das RP noch weiter als der TÜV ging und eine kurze Frist bis 15. Juni setzte, die nach einem Vor-Ort-Termin letztmalig auf 30. August verlängert wurde. Somit war Eile geboten, was den Parlamentariern gar nicht schmeckte. Da das Problem schon seit vergangenem Jahr bekannt ist, hinterfragten sie auch, warum die Vorlage erst jetzt auf den Tisch kommt – und dann noch von einer Fraktion und nicht von der Verwaltung.

Denn die Stadt Oberzent ist Verpächter von allem. Es gibt einen Vertrag mit Pächter Werner Manschitz, der auch solche notwendigen Reparaturen regelt, erläuterte Poffo. Danach trägt dieser die ersten 5000 Euro einer Maßnahme, der Rest wird hälftig aufgeteilt. Somit würden nach dieser Lösung 38.500 Euro an überplanmäßigen Ausgaben auf den chronisch klammen städtischen Haushalt zukommen.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer mitteilte, ist das auch genau die Lösung, die der Magistrat empfiehlt. Getreu dem Motto: „Pacta sunt servanda“, Verträge gilt es einzuhalten. Poffo und die ÜWO schlugen eine andere Lösung vor: Manschitz würde die kompletten Kosten von 82.000 Euro tragen. Dafür würde die Stadt die Pachtzahlungen von 9800 Euro monatlich bis Ende 2023 aussetzen und gleichzeitig den Ende 2022 auslaufenden Pachtvertrag vorzeitig verlängern. Außerdem wurde eine Bürgschaft für den Kredit durch die Stadt angefragt. Aber nur angefragt, sagte Poffo, als sich anhaltender Widerstand dagegen regte. Der Pächter würde auch ohne eine solche agieren.

Das ÜWO-Ansinnen löste – zusammen mit dem komplexen Thema an sich – eine fast zweistündige Diskussion mitsamt Sitzungsunterbrechung aus. In einem waren sich die Stadtverordneten einig: Unisono wurde das Wirken von Manschitz gewürdigt, der mit dem Bikepark für Oberzent fast schon ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen hat. Allerdings gingen die Vorstellungen darüber auseinander, wie die Reparatur ablaufen sollte.

Thomas Ihrig (SPD) sah den ÜWO-Vorschlag mit „viel zu vielen Fragen“ behaftet. Er wie auch danach sein Fraktionskollege Rüdiger Holschuh betrachteten sowohl Bürgschaft als auch vorzeitige Vertragsverlängerung kritisch in Bezug auf die kommende Generalsanierung, die damit verbundene Ausschreibung und den Bezug möglicher Fördermittel. Auch Alexander Beck (FDP) und Thomas Väth (Grüne) hatten Rückfragen oder sahen Probleme.

„Wir haben einen bestehenden Vertrag“, gab es laut Ihrig keinen Grund, jetzt alles umzuschmeißen. Was auch Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) unterstrich, die sich für die Einhaltung des Pachtvertrags aussprach. Der SPD-Fraktionschef hätte sich mehr Informationen von der Verwaltung und eine frühere Beratung gewünscht, um jetzt nicht alles in Zeitnot durchzuhecheln.

Kehrer ergänzte, dass die beauftrage Fachfirma bereits in den Startlöchern steht. Sie könnte die Arbeiten in der zweiten Augustwoche ausführen. Frank Leutz (FDP) brachte noch eine andere Option ins Spiel, die ebenfalls ausgiebig diskutiert wurde. Er war zwar gegen eine Bürgschaft, wollte aber dem Pächter die Option für eine Pachtverlängerung einräumen, damit dieser zumindest ein Stückweit Planungssicherheit hat.

„Werner Manschitz gehört voll unterstützt“, wusste sich der FDP-Fraktionssprecher mit seinen Kollegen einig. Der ÜWO-Antrag wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt, womit der reguläre Vertrag greift. Die Stadtverordneten signalisierten im Anschluss klar, dass sie sich eine Vertragsverlängerung mit Manschitz sehr gut vorstellen können. Allerdings steht jetzt erst einmal die Komplett-Sanierung an. Somit heißt die Devise: Schritt für Schritt.

 

Infos:

Der Lift im Bikepark ist in die Jahre gekommen. Ihn gibt es seit 1971 und die Prüfbehörde fordert schon seit ein paar Jahren seine Sanierung. Das bedeutet letztendlich eine komplette Erneuerung, da die bisherigen Bauteile eine Instandsetzung praktisch nicht mehr zulassen.

Bei neuen Liften werden die Pfosten auf dem Fundament verschraubt, bei den alten wie dem in Beerfelden noch eingegossen. Insgesamt werden die Kosten auf eine Million Euro veranschlagt. Davon erhofft man in Oberzent eine erkleckliche Reduzierung durch entsprechende Fördermittel.

Der Bebauungsplan für die Erneuerung ist in der Mache. Denn es geht neben der Sanierung auch um eine Verlängerung um knapp 200 Meter den Hang hinauf auf 760 Meter Länge. Damit würde der Höhenzug erreicht. Aktuell läuft hierzu ein naturschutzrechtliches Gutachten, wie weit es in die Höhe gehen darf.

Wichtig ist für den Betreiber die Verdoppelung der Kapazität. Denn im bisherigen Bikepark-Betrieb konnten nur 250 Personen pro Stunde befördert werden, mit einem neuen Lift wären es fast 500.  Damit ließen sich die Wartezeiten von fast 45 Minuten in Stoßzeiten stark reduzieren. Allerdings sind es coronabedingt derzeit viel weniger Besucher, weil die Vorschriften nur 150 erlauben.