Jetzt kann’s endgültig losgehen

Eine vor einem Jahr scheinbar abgeschlossene unendliche Geschichte hatte doch noch ein neues Kapitel: Lange ging es bereits mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan Gerhard-Hauptmann-Straße 9 Beerfelden hin und her. Dahinter verbirgt sich die Erweiterung des Therapiezentrums Janowicz um eine Kältekammer und Nebenanlagen. Ende Juni 2019 schien alles in trockenen Tüchern. Doch jetzt landete das Thema noch einmal auf der Stadtverordneten-Sitzung.

Gemäß den Beschlüssen wurde Ende des Jahres 2019 mit dem Betreiber ein entsprechender Durchführungsvertrag beschlossen. Allerdings darf dessen Datum, stellte sich heraus, nicht jünger sein, als der Beschluss über den Bebauungsplan selbst. Also noch einmal alles auf Anfang. Der Beschluss über die Satzung war laut Regierungspräsidium Darmstadt nochmal zu fällen, auch wenn der Plan in keiner Weise verändert wurde. Wie schon damals gab ein paar Gegenstimmen.

Es hatte im Vorfeld der letztjährigen Verabschiedung viele Einwände gegeben. Jeder noch so kleine Punkt wurde während der Offenlage damals im Detail mitsamt der Antworten vorgelesen – und die Ablehnungen einzeln beschlossen. Schon einmal hatte das Thema zuvor eine Ehrenrunde drehen müssen, weil der Ortsbeirat Beerfelden nicht beteiligt worden war.

Dessen Einwände bezüglich der Parkplätze, die bereits auch einige Anwohner vorgebracht hatten, wurden aber ebenfalls nicht berücksichtigt. 21 Plätze seien erforderlich, so die Antwort der Verwaltung, 23 vorhanden. Davon 20 auf dem Grundstück und drei in der Stried. Es wurde darauf hingewiesen, dass durch den Anbau keine zusätzlichen Therapieplätze entstehen.

Der Bauausschuss hatte noch ein paar Empfehlungen abgegeben, die Eingang in den Beschluss fanden. Hier ging es darum, die Parkplätze öffentlich-rechtlich zu sichern, die Fenster zu einem Nachbar-Anwesen aus blickdichtem Milchglas zu erstellen, die Prüfung auf weitere Stellplätze und das Verbot der Terrassennutzung auf dem Anbau.

Im bestehenden Janowicz-Gebäude soll eine Kältekammer entstehen, in der besonders schmerzempfindliche Patienten behandelt werden können. Die dafür notwendigen Sanitärräume sind als Anbau im Untergeschoss geplant, der zu einem Drittel aus der Erde ragt. Das Kreisbauamt forderte für die Maßnahme einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, um Unklarheiten und Streitigkeiten möglichst aus dem Weg zu gehen.

Nach der Baunutzungsverordnung ist das Vorhaben in einem allgemeinen Wohngebiet zulässig, verdeutlichte Stadtbaumeister Peter Bauer bei einer vorherigen Sitzung – ähnlich wie ein Kindergarten oder eine Gaststätte. Deshalb ging es bei der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange auch nicht um die baulichen Angelegenheiten, sondern das Drumherum, so den Autoverkehr oder wildes Parken. Entsprechendes hatten Anwohner in ihren Einwendungen vorgebacht. Es verändert sich laut Bauer lediglich das Angebot, wird aber nicht ausgeweitet. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll gleich bleiben.

Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch (ÜWO) zeigte sich „nicht glücklich“ über die Länge des Verfahrens. Bürgermeister Christian Kehrer erklärte, dass der Betreiber im Vorgriff bereits mit dem Umbau hätte beginnen können und nicht die endgültige Entscheidung abwarten müssen. Die war eher Formsache.

 

Info: Das Therapiezentrum Janowicz gibt es seit 1982. Start war mit einer kleinen medizinischen Bäder- und Massagepraxis. In der heutigen Tagesklinik für ambulante Rehabilitation werden orthopädisch-traumatologische Verletzungen und Erkrankungen behandelt. Das gesamte Spektrum physiotherapeutischer und physikalischer Behandlungsmethoden wird angeboten. Zusätzliche Leistungen für Regeneration, Prävention und Therapie runden das Angebot ab. Die Tagesklinik verfügt über ein interdisziplinäres Team aus hochspezialisierten Fachkräften für den Bereich der orthopädischen Rehabilitation und umfasst derzeit 25 Mitarbeiter.