Kreis will sich an der Fördermittelquelle laben

Ländliche Regionen wie der Odenwaldkreis, die eigentlich viele Fördermittel brauchen, gehen viel zu oft leer aus, weil die Städte und Gemeinden nicht die Ressourcen haben, die komplizierten Anträge umfassend und zeitnah zu stellen. Bestes Beispiel: Kindergartenum- und –neubau in Beerfelden und Rothenberg. Jetzt soll eine beim Kreis angesiedelte Stelle Abhilfe schaffen und dafür sorgen, dass mehr Quellen erschlossen werden, die dann im Odenwald sprudeln.

Aufgrund der hohen Anzahl und Komplexität von immer neuen Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene haben Verwaltungen der Städte und Gemeinden zunehmend Probleme, einen Überblick zu behalten, geschweige denn, Förderanträge inklusive Berichtspflichten und weiterer anhängender Aufgaben personell zu stemmen, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer.

Anstehende Aufgaben lassen sich durch Spezialisten schneller und erfolgreicher erfüllen als durch andere Verwaltungsmitarbeiter oder -beamten. Insbesondere sind seinen Worten zufolge Effizienzgewinne auch deshalb zu erwarten, weil auf diese Weise Erfahrungen aus verschiedenen Kommunen zusammenfließen und Ideen, die in einer (nicht) funktionieren, auf andere übertragen werden können.

Die Fördermittelberatungsstelle Odenwaldkreis wird zunächst durch eine vom Kreis finanzierte Stelle besetzt. Gerechnet wird mit jährlichen Effizienzgewinnen von knapp 60.000 Euro. Annahme ist laut Kehrer außerdem, dass den Kommunen ein um die Hälfte geringerer Zeitaufwand entsteht. Neben dieser Einsparung „sind die höheren Erfolgschancen bei der Bearbeitung von Fördermitteln zu betonen“.

Für die Stelle als Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es einen einmaligen Zuschuss von 100.000 Euro durch das Land Hessen, informierte der Bürgermeister. Voraussetzung hierfür ist eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren. Die Beratungsstelle kann erweitert werden, wenn weitere Kommunen dafür Interesse zeigen. Ihre Finanzierung soll in spe über die Kreisumlage erfolgen.

Zum Service gehören unter anderem: Recherche von Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene, Identifizierung von Handlungsbedarfen der städtischen Entwicklung sowie Ausformulierung von Förderanträgen und Vorbereitung nötiger Gremienvorlagen. Außerdem wird die Verwaltung bei der Organisation und Überwachung der Durchführung von geförderten Projekten beraten.

Marcel Gerling (SPD) trug die zustimmenden Beratungen aus dem Ausschuss ins Parlament. Dessen einhellige Empfehlung fand Widerhall, ebenso einstimmig geschah die Verabschiedung. „Es fließen zu wenig Mittel in den Odenwaldkreis“, so sein Tenor. Weshalb die Stelle eine gute Sache ist und die Stadt ihr über eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung betreten sollte. Was auch geschah.