Am Hetzbacher Bahnhof soll es zügig vorangehen

Der Bahnhof könnte zum Schmuckstück am nördlichen Stadteingang von Oberzent werden. Bisher ist er allerdings eher so etwas wie die unansehnliche Rumpelkammer, die ein schiefes Bild der flächenmäßig drittgrößten Kommune Hessens vermittelt. Nachdem sich das Bahnhofsgebäude nun wieder in städtischem Besitz befindet, soll es eine Auffrischung erfahren und in spe Odenwaldbahn-Reisenden Oberzent von seiner besten Seite zeigen.

Um sich ein Bild der Lage zu machen, trafen sich Mitglieder des SPD-Ortsvereins und -Parlamentarier mit Bürgermeister Christian Kehrer vor Ort. Der Tenor war klar: „Da kann man was draus machen, das hat Potenzial“, lautete die einhellige Meinung. Wenn man das nötige Kleingeld dazu hat. Und genau an dem mangelt es der Stadt derzeit bekanntlich. Schon der Kaufpreis von 120.000 Euro wurde auf 120 Monatsraten à 1000 Euro gestreckt.

Die Sanierung wird aber einiges mehr kosten. Kehrer rechnet vorsichtig mit mindestens 180.000 Euro, um das Gebäude wieder in Schuss zu bringen. In der Runde wurde bezweifelt, ob diese Summe angesichts des alten Gemäuers ausreicht. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des Odenwaldbahn-Baus errichtet – und in manchen Teilen sind die alten Zeiten noch erkennbar.

Wie der Bürgermeister erläuterte, betätigte sich der städtische Bauhof nach dem Kauf erst einmal als Müllentsorgungsunternehmen. „Die haben alles rausgeschafft, was ging.“ In einem zweiten Schritt sollen die Heizkörper raus. Die Fenster müssen ebenfalls erneuert werden. Für die verschiedenen Maßnahmen will man natürlich Fördermittel bekommen. „Das ist ein großes Projekt“, betonte das Stadtoberhaupt.

Damit es eine gewisse Refinanzierungsmöglichkeit gibt, könnten in den beiden oberen Geschossen Mietwohnungen entstehen, so Kehrer. Dort waren früher Büros der Eisenbahn-Mitarbeiter untergebracht. Erste und zweite Etage sind relativ geräumig und müssten entsprechend ertüchtigt werden. Es sollen keine Sozialwohnungen entstehen, meinte Kehrer auf Nachfrage.

Auf dem Komplex lagert innen und außen noch einiges vom Voreigentümer, sagte er. Dem gehören auch noch die alte Lokomotive und der Güterwaggon. Nach einer gewissen Zeit könnte die Stadt diese aber „erben“. Reisende kommen bisher noch in „Beerfelden-Hetzbach“ an, mokierte man in der Gruppe, dass es nach zweieinhalb Jahren noch kein neues Schild gibt. „Die Bahn lässt auf sich warten“, entgegnete der Bürgermeister trocken.

Die notwendigen Flächen, um in Hetzbach einen Begegnungsverkehr einzurichten, sind alle in Besitz von Stadt oder Bahn, erläuterte er auf eine Frage von Thomas Ihrig. Das ist wichtig, denn dies ist eine Voraussetzung für einen stündlichen Verkehr zwischen Erbach und Eberbach, wie ihn die Erbacher Erklärung zur Odenwaldbahn langfristig vorsieht.

„Je schneller, desto besser“, wünschte sich Rüdiger Holschuh ein rasches Agieren. Leader-Mittel sind vorhanden, wusste er. Allerdings bedeutet dies „nur“ eine 65-prozentige Förderung, so Kehrer. Beim integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes (IKEK) wären es 75 Prozent. Da es die Stadt derzeit nicht so dicke hat, ist jedes Prozent mehr an Förderung hochwillkommen. Von der Bahn ist nichts zu erwarten, die trägt lediglich Kosten im Außenbereich. Sie veranschlagt für den Bahnhofsumbau zum Kreuzungspunkt Kosten von mehreren Millionen Euro.

Im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes sieht es teilweise noch aus wie in Gründerzeiten. Da die handbetriebene Glocke zur Zugankündigung, dort das früher manuell betriebene Stellwerk. Gegenüber dem früheren Schalter steht noch ein Automat zur Wiegekarten-Ausgabe. Deshalb ist die Überlegung naheliegend, möglicherweise hier ein kleines Museum zur Eisenbahngeschichte einzurichten.

Ein Kiosk, befüchtete der Bürgermeister, „wird sicher bei einem Stundentakt wahrscheinlich nicht rechnen“. Aber man könnte sich in der alten Lagerhalle nebenan eine kleine Event-Location vorstellen. Um weitere Ideen zu sammeln, soll es bald ein gemeinsames Brainstorming geben.