Stadt sieht wenige Einflussmöglichkeiten

Die Windkraft ist ein heikles, emotional besetztes Thema. Im Haupt- und Finanzausschuss Beerfelden gibt es eigentlich nur um eine Bestandsaufnahme durch Bürgermeister Christian Kehrer. Denn an vier Gebieten auf Oberzent-Gemarkung sind derzeit Projektierer dran: Katzenwinkel, Leonhardshof, Hirschhorner Höhe und Finkenberg. Eine Wortmeldung zieht dann die nächste nach sich. Die Positionen innerhalb der Fraktionen sind jedoch unverändert starr.

Im Gebiet Katzenwinkel ist die Stadt in Gestalt von Grundstücken nicht mehr betroffen, so Kehrer. Die Erschließung wird jetzt wohl über Mossautal laufen, mutmaßt er, und rechnet damit, dass die Windräder verlegt werden. Man werde sich mit der Nachbargemeinde abstimmen.

Großes Sorgenkind ist der Finkenberg im Dreieck zwischen Finkenbach, Hinterbach, Rauchbach, Olfen und Falken-Gesäß. Hier sind die Firmen IPP Enercon und NWind an der Planung dran. Aktuell sind sieben Anlagen vorgesehen. Für den Wege- und Leitungsbau sollen 22 Flurstücke der Stadt in Anspruch genommen werden, teilt Kehrer mit. Da Oberzent hier nicht im Besitz der neben dem Weg liegenden Flächen ist, sieht der Bürgermeister Verhinderungschancen als gering an.

Die Stadt bekäme für die Verlegung der Kabeltrasse einmalig 10.500 Euro, für die Zuwegung jährlich 10.200 Euro. Wie Kehrer mitteilte, sind Enercon und NWind sehr daran interessiert, das Projekt einvernehmlich zu realisieren. Allerdings empfahl bereits der Bau- und Umweltausschuss bereits der Stadtverordneten-Versammlung, den Nutzungsvertrag abzulehnen.

Beim Leonhardshof ist die Stadt Grundstücksbesitzer. „Da haben wir das Heft in der Hand“, betonte Kehrer. Deshalb dürfte sich dort wenig bewegen. Auf der Hirschhorner Höhe, wo die Firma PNE tätig ist, „haben wir zwar die Waldwege, aber keinen Besitz außen herum“, informiert Kehrer. Sollten die privaten Grundstückseigentümer schwach werden, „haben wir keine Einflussmöglichkeiten“, bedauert er. Denn laut gerichtlicher Entscheidung müssen die Kommunen die Erschließungswege zur Verfügung stellen.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) verwies auf Windkraft-Nutzung als Teil der Energiewende und Maßnahme gegen den Klimawandel. Sie wie auch Ausschuss-Vorsitzender Marcel Gerling (SPD) brachten die finanzielle Komponente für den klammen Haushalt ins Spiel. Das erzeugte Widerspruch. Oliver von Falkenburg (CDU) betrachtete das Thema auch prinzipiell. Es gibt einen Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten gegen Windkraft, von dem man nicht abweichen soll, betonte er. Gerling wünschte sich einen Neustart mir folgender sachlicher Diskussion des Themas.

Ähnlich Claus Weyrauch (ÜWO): Mit blick auf Rothenberg erwähnte er den projektierten Kindergarten auf der Höhe, der bei Realisierung gerade mal 900 Meter von den Windrädern entfernt wäre. „Das passt für mich gar nicht zusammen.“ Kehrer ging auf die Informationspolitik der Windrad-Betreiber ein. Er vermisste Transparenz und beklagte die Geheimniskrämerei, wenn es um Windhöffigkeit und Erträge geht.