Kulturmacher soll Kultur voranbringen

Mit Stefan Rosewick soll ein ehrenamtlicher Kulturbeauftragter die Stadt Oberzent nicht nur im Odenwaldkreis, sondern über dessen Grenzen hinaus mit ihren kulturellen Angeboten bekannter machen. So richtig aber erst ab kommendem Jahr, denn aktuell steht kein Budget zur Verfügung – und durch die Corona-Nachwirkungen findet eh so gut wie nichts statt. Der Sozial- und Kulturausschuss begrüßte die Ernennung des in Airlenbach wohnenden Rosewicks durch den Magistrat.

Ausschuss-Vorsitzender Dirk Daniel Zucht (SPD) machte deutlich, dass nicht um einen Ersatz der bisherigen Bemühungen auf städtischer und privater Seite geht. Vielmehr sei der Kulturbeauftragte „on top“ gedacht. Er soll die verschiedenen Aktivitäten koordinieren und gleichzeitig an den entsprechenden Stellen nach Fördermitteln Ausschau halten. Gleichzeitig geht es auch um den Blick über Länder- und Kreisgrenzen.

Seit knapp 15 Jahren betreibt der 56-Jährige seine Eventagentur „artArtisitica“. Stelzenlauf, Feuertanz-Theater, Lichtershows, Illuminationen, Pyro-Musicals oder Feuerwerke: Rosewick ist vielfältig unterwegs. In Beerfelden beschließt er traditionell mit einem Feuerwerk den Pferdemarkt-Montag. Dieses Jahr wird das Ferienprogramm von ihm gestaltet. Der Mann hat Ahnung.

„Ich will an der Außendarstellung im kulturellen Bereich arbeiten“, betonte der Kulturschaffende bei seiner Vorstellung. Nach Süden, zum Neckar hin, sieht er noch Vernetzungspotenzial, um die südlichste Ecke Hessen mit dem nördlichen Baden-Württemberg zu verzahnen. Aus seiner langen künstlerischen Tätigkeit heraus – er startete schon vor mehr als 20 Jahre hobbymäßig mit Feuershows – weiß Rosewick, „dass bei Fördermitteln einiges machbar ist“.

Aktuell geht leider durch die Corona-Beschränkungen nicht viel, bedauerte er. Somit bleibt ihm unfreiwillig noch Zeit, seine Aktivitäten für kommendes Jahr vorzubereiten. Zucht wies darauf hin, dass der „Job“ zwar von Rosewick ehrenamtlich ausgeführt wird, er aber trotzdem ein kleines Budget braucht – etwa für Fahrtkosten oder mit der Beantragung von Fördermitteln anfallende Kosten.

Der Ausschuss-Vorsitzende erwähnte in diesem Zusammenhang als Beispiel die Initiative „Ab in die Mitte“, wo kleinere Kommunen 50.000 Euro für Kunstaktionen erhalten können. Die Beantragung ist allerdings sehr umfangreich. Dadurch „geht das an uns vorbei, wenn wir nicht tätig werden“, befürchtet er.

Die Höhe eines Budgets wäre Entscheidung des Magistrats, meinte er auf eine Frage von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne). Und ist letztendlich auch davon abhängig, „was wir wollen“, ergänzte Bürgermeister Christian Kehrer. Er plädierte dafür, „erst einmal klein anzufangen“ und je nach Fortschritt zu erweitern. Arbeitskreis Stadtkultur, das Kleinkunstzelt am Pferdemarkt oder Aktionen am Bahnhof Hetzbach und am Galgen nannte er als Betätigungsfelder.

Tobias Stadler (ÜWO) riet dazu, bei aller Kultur die Jugend- und Vereinsförderung nicht zu vergessen. Was in der Runde auf Widerhall stieß. Wenn dort aktuell nichts geschieht, so der Tenor, sollte man an anderer Stelle nicht vorpreschen und damit Unmut erzeugen. Wenn somit in diesem Jahr noch ein Anlaufbudget zur Verfügung gestellt würde, wie es Horst Kowarsch (Grüne) ansprach, denn wünschte Kehrer sich das über eine Kofinanzierung durch Spenden oder Sponsoring.

 

Info: Der gebürtige Erbacher Stefan Rosewick (56) ist gelernter Elektroniker. Ins Theater- und Feuershow-Metier schlitterte er mehr oder weniger zufällig rein. Von Vorteil war für ihn die Beschäftigung mit Kampfsport schon seit Jugendjahren und die dadurch perfekte Körperbeherrschung. Ausbildungen mit den Elementen Tanz, Bewegung und Jonglage folgten. Dazu kam sein Faible fürs Theater. Heimspiele wie das Bienenmarkt-Feuerwerk, der Pferdemarkt oder die Erbacher Schlossweihnacht sind für Rosewick eher selten. Es geht zum SI-Center in Stuttgart, zur Kasseler Freiheit, nach Bad Wimpfen oder Bad Rappenau ebenso wie in die Fraport-Arena oder zu den Clingenburg-Festspielen.