Nägel mit Köpfen für Kinderbetreuung

Es war ein Befreiungsschlag in Sachen Kinderbetreuung: Mit verschiedenen Entscheidungen sorgten die Oberzent-Stadtverordneten auf ihrer Sitzung in der Sporthalle dafür, dass nach Fertigstellung der Baumaßnahmen die Wartelisten für Kita-Plätze der Vergangenheit angehören. Erweiterung in Kailbach, Anbau in Beerfelden, neuer Waldkindergarten: Vor der Sommerpause machten die Mandatsträger jeweils einstimmig teure Nägel mit Köpfen.

Aber es war auch dringend nötig, skizzierte der Vorsitzende des Sozial- und Kulturausschusses, Dirk Daniel Zucht, in seinem Bericht aus der Sitzung. „Eine wichtige Grundlage für unser Gemeinwesen ist die frühkindliche Erziehung, die in den Kindertagesstätten von hervorragend ausgebildeten Erziehern geleistet wird“, hob er hervor.

Aktuell, so Zucht, fehlen insgesamt 49 Plätze in der Stadt – der Großteil davon in Beerfelden. Die Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, betonte er. Es ging dem Ausschuss jedoch nicht nur um die Vermeidung von Klagen, „vielmehr muss es um das Kindes- und das Familienwohl gehen“, sagte der SPD-Mandatsträger. Mit den Neuerungen wird seinen Worten zufolge sogar ein Platz-Puffer für die Zukunft geschaffen.

Mit Heidi Birkenstock aus Airlenbach gab es im Ausschuss „eine Pionierin in Sachen Waldkindergärten als fachlich versierte Referentin“. Die Kosten sind im Vergleich zu den notwendigen Investitionen bei den anderen Einrichtungen „durchaus übersichtlich“, machte Zucht deutlich. Den größeren Teil bilden die Personalkosten. Auf Nachfrage sagte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich, dass die neue Einrichtung organisatorisch dem bestehenden „Abenteuerland“ angegliedert wird.

Eine Waldkindergartengruppe ist laut dem Ausschuss-Vorsitzenden mit maximal 25 Kindern einer regulären Kita-Gruppe gleichgestellt. Wie Birkenstock erklärte, sollte man eine Besetzung mit bis zu 20 Kindern anstreben, um eine Not- oder Intensivbetreuung jederzeit sicherstellen zu können. Sie beantwortete daneben viele Nachfragen.

Ein anderer, auch finanziell großer Brocken ist die Erweiterung der Kita Kailbach. Im Ausschuss zeichnete sich ab, dass ein fester Anbau in Modulbauweise mehr Sinn macht als eine Containerlösung. Denn für letztere würde man lediglich für zwei Jahre 300.000 Euro zahlen, während die stationäre Lösung 650.000 Euro kostet – aber dauerhaft. Förderungen sind nicht mit eingerechnet. Im optimalen Fall kann der Anbau nächstes Jahr stehen.

Die Vorbereitungen zur Ausschussberatung der dringenden Baumaßnahme waren Zucht zufolge sehr umfangreich. Neben Eingaben der Elternvertretung waren es Vorarbeiten des Bauamts und die Besichtigung einer Containererweiterungs-Variante in Neckarsteinach, die als Basis der Entscheidung dienten, führte er aus. Lydia Hummel von der Elternvertretung legte dem Ausschuss den dringenden Handlungsbedarf dar.

Der „Abenteuerland“-Anbau in Beerfelden kostet die Stadt zwar auch Geld, aber nur 20 Prozent des ursprünglichen Betrags. Denn ein anonymer Spender steuert 1,2 Millionen Euro zur Maßnahme bei, was im Stadtverordneten-Rund für Beifall sorgte. Auch dieser Bau soll modular errichtet werden, auch hier hofft man auf eine Realisierung im kommenden Jahr. Problematisch ist dem SPD-Mann zufolge jedoch die personelle Besetzung. Hier muss möglicherweise vermehrt auf sogenannte „qualifizierte Laien“ gesetzt werden, die Fachkräfte unterstützen, erläuterte er.

Zu guter Letzt die Kita „Himmelsauge“ in Rothenberg. Um sich ihr sorgfältig und explizit widmen zu können, wird sich der Ausschuss vor Ort informieren, so Zucht. Es geht um eine Grundsatzentscheidung: Sanierung oder Neubau. Zwar existiert in Rothenberg keine lange Warteliste, „doch gibt der Zustand des bestehenden Gebäudes dringenden Anlass zum Handeln“, sagte er. „Der Ausschuss bleibt am Thema dran und wird so bald wie möglich eine Empfehlung aussprechen“, kündigte der Vorsitzende an.