Kirchlicher Leuchtturm für die Region

Ab Sonntag findet in der evangelischen Martinskirche Beerfelden wieder die Feier des Heiligen Abendmahls statt. Lange Monate mussten die Gläubigen in Zeiten der Corona-Pandemie darauf verzichten. Möglich macht den Neustart ein von der Firma Pracht aus Falken-Gesäß individuell gefertigter Spuckschutz, den jetzt Florian Pracht und Philip Reeg vorbeibrachten. Er findet schräg vor dem Altar Aufstellung.

Die Gläubigen sind eingeladen, aus ihren Bänken nach vorne zum Altar zu „wandeln“, schildert der geschäftsführende Pfarrer Roland Bahre das Prozedere. Dort können sie ihre Hände unter der Abendmahlswand durchreichen. Sie bekommen vom Pfarrer mit einer goldenen Hostienklammer die Hostie kontaktlos auf ihre Hand gelegt und nehmen sie sofort ein. Danach gehen die Menschen über den zweiten Gang wieder zu ihrer Bank zurück.

Die Nachfrage nach einem individuell angefertigten Spuckschutz ist groß, berichtet Florian Pracht. 130 Stück für 40 verschiedene Kunden fertigte die Firma bereits an. Verwendet wird dazu neben Buchen-Massivholz Acrylglas. Das Exemplar in der Martinskirche ist zwei Meter hoch und 1,50 Meter breit. Auf 1,20 Metern Höhe wird die Hostie durchgereicht.

„Wir haben uns als Kirche ganz neu sortiert und ich habe den Eindruck, dieser Prozess wird auch noch einige Zeit andauern“, erläutert Pfarrer Bahre. Neues, Modernes ist hinzugekommen und vieles hat sich verändert: Die Abendmahlswand ist da für ihn nur ein Schritt von vielen. Aber diese Veränderungen „werden auch noch zu Trauer und Enttäuschung in der Gemeinde führen“, befürchtet er.

Wenn es irgendwann weitere Lockerungen gibt, dann wird es Bahre zufolge aber keine 100-prozentige Rückkehr zum „Vorher“ geben. Sondern man müsse sich „von so manchem verabschieden, was wir bis vor Corona noch angeboten haben“.

Seit Anfang Mai werden in Beerfelden wieder regelmäßige „Kleine Andachten“ unter strengen Hygienerichtlinien gefeiert, erzählt der Geistliche. Aufgrund der Größe der Martinskirche können bis zu 200 Personen an Gottesdiensten und Veranstaltungen teilnehmen. Da aus Platzgründen die Kirchen im Sensbachtal und Gammelsbach auch in den nächsten Monaten noch geschlossen bleiben, kommen viele Gläubige von dort nach Beerfelden, hat Kirchenvorstand Dr. Raymund Keysser beobachtet.

Die Konfirmation, eigentlich im Mai geplant, findet nun im September statt. Mit über 30 Konfirmanden kann es nicht nur einen großen Gottesdienst geben. Damit jede Konfirmandenfamilie bis zu rund 20 Personen einladen kann, wird die Konfirmation gesplittet: Es finden über das Wochenende 19./20. September verteilt insgesamt sechs Konfirmations-Gottesdienste statt. „So kann jeder Konfirmand seinen eigenen Gottesdienst genießen und seine Familie auch dazu einladen“, freut sich Bahre.

Eine weitere besondere Freude ist es für ihn, dass die Kirchengemeinde Beerfelden Gastgeberin sein kann: So hätte die katholische Kirche St. Sophia in Erbach beim diesjährigen Firmgottesdienst nur wenige Menschen aufnehmen können. Kurzerhand sagte man in Beerfelden zu, dass die Firmung dieses Jahr im „Dom des Odenwaldes“ stattfinden kann. „Zum ersten Mal seit ihrer Entstehung wird in unserer Kirche die katholische Eucharistie gefeiert“, schmunzelt der Geistliche über dieses ökumenische Zeichen. Eine kirchliche Trauung wurde aus Platzgründen aus Vielbrunn nach Beerfelden verlegt. „Wir sind ein Leuchtturm für die Region“, findet Bahre.

Der Bau der Abendmahlswand durch die Firma Pracht ist ein Zeichen für die neuen Wege, „die wir als Kirche nun gehen“, betont er. Denn neben individuellen Tauffeiern, die seit Juli jeden Samstag angeboten werden, ist jetzt eben wieder die Feier des Heiligen Abendmahls möglich. Sie soll in Zukunft jeden ersten Sonntag im Monat stattfinden. „Dieses Konzept ist im Grunde eine Gemeinschaftsaktion des gesamten Kirchenvorstandes“, hebt Bahre hervor. „Wir ziehen alle an einem Strang.“