„Summer of 69“ zum Schluss des Sommers 2020

Bryan Adams hat unzählige Hits geschrieben. Spätestens seit Mitte der 80er Jahre ist er mit „Run to you“ oder „Summer of 69“ nicht mehr aus dem Playlists wegzudenken. Dass von über 20 Songs eigentlich jeder im Ohr hängen geblieben ist, zeigt der Auftritt der „Adams Family“ auf der Kulturbühne des Hüttenwerks Michelstadt. Die fünf Musiker um Sänger und Gitarrist Bobby Stöcker widmen sich dem vielschichtigen Lebenswerk des Kanadiers.

Der hat viele Facetten. Es ging Anfang der 80er Jahre ziemlich rockig los, auch wenn Adams eher als Meister der radiotauglichen Rockballade bekannt ist. „Heaven“ ist das beste Beispiel dafür. „Kids wanna rock“ andererseits haut so richtig rein und zeigt, dass er durchaus losfetzen kann. „Reckless“ hießt die erfolgreichste Scheibe von Adams, die inzwischen 36 Jahre auf dem Buckel hat. Von der gab es gleich sieben Songs zu hören, die sich allesamt in den Gehörgängen eingenistet haben.

„Somebody“, „One Night love affair“ und „It’s only Love“. Die Gäste haben nur darauf gewartet, um wie bei anderen Stücken auch lautstark mitzusingen. Die Adams Family, vor knapp 20 Jahren gegründet, unternimmt beim Konzert ein vielumjubelten Streifzug durch das Schaffen des 59-jährigen Ausnahmemusikers. Willy Wagner (Bass), Jürgen Lucas (Drums), Heiko Elger (Rhythmusgitarre) und Axel Balke (Keyboards) setzen neben Stöcker die vielen Hits perfekt in Szene.

Aus dem MTV-Unplugged-Set gibt’s nach der Pause gleich vier Lieder zu hören. Das bekannte „Heaven“ macht sich natürlich in dieser Variante besonders gut, aber auch „Straight from the Heart“ rührt das Herz. Dass Bryan Adams sogar mal einen Country-Ausflug machte, zeigt „I think about you“.

Stöcker zeigt dabei seine große Wandlungsfähigkeit. Am einen Abend spielt er Soul und Funk mit „Spirit of Soul“, am nächsten dann Softrock und in die Vollen geht’s mit „Coversnake“, seiner Whitesnake- und David Coverdale-Coverband. Letztere ist für ihn musikalisch am anspruchsvollsten, erzählt er. Außerdem ist er genau mit der Musik aufgewachsen. Sein Herz hängt aber an „Spirit of Soul“, die er vor 20 Jahren gründete. „Das ist mein Baby“, meint er stolz.

„Du singst wie Bryan Adams“, sagte ein Bekannter Anfang der 2000er-Jahre mal zum Groß-Umstadter. Der ließ das nicht einfach so stehen, sondern hörte genauer ins Werk des Kanadiers rein, von dem er vorher nur die Hits kannte. „Ich bin dabei geblieben“, schmunzelt Stöcker im Rückblick. Die begeisterten Fans danken es ihm.

Inzwischen hat der Hans Dampf an allen Gitarren zehn Cover- und Tribute-Bands am Laufen. „Ich bin an den Aufträgen gewachsen“, berichtet er. „Groove Control“ bietet einen Querschnitt der bekanntesten Rockklassiker, „Bobby & Friends“ bedient die akustische Schiene. Anfragen, ob er nicht mal was von der einen oder anderen Band spielen könnte, führten unter anderem dazu, dass sich weitere Tribute-Projekte entwickelten. „Ich decke alles ab, was Spaß macht“, lacht er.

Überschneidungen gibt’s dabei keine, sagt Stöcker. Jede Band bedient eine andere Klientel, eine andere Zeit, einen anderen Stil. Im Sommer ist er mehr auf Firmenevents und Feiern unterwegs, im Winter stehen dann Konzerte mit Tribute-Bands in Clubs an. Durch den großen Künstlerpool mit Musikern aus der Rhein-Main-Region „sind wir flexibel aufgestellt“, erzählt er.

Wie viel Songs er drauf hat? Da kommt der Groß-Umstadter ins Grübeln. Mehrere hundert, wenn nicht sogar Tausende, schätzt er. Auf der Gitarre sowieso auswendig, textlich muss er manchmal reinschauen – gerade wenn jetzt eine Band wie „Adams Family“ fast ein Dreivierteljahr nicht zusammenspielte.

Bryan Adams arbeitete viel und gern mit anderen Musikern zusammen. Auf „When your’re gone“ etwa mit Mel C., die an diesem Abend von Michi Tischler verkörpert wird. Das Duett hat Drive und gibt dem Song Pepp. Der „Summer of 69“ als Zugabe fetzt nochmal richtig los, ehe mit der Robin-Hood-Soundtrack-Schmuseballade „Everything I do“ der Abend leider zu Ende gehen muss.