Polizeidiener hat viel zu berichten

Dem Polizeidiener entgeht nichts. Das letzte Mal war er 1999 zum 650-jährigen Bestehen von Rothenberg unterwegs. Jetzt zieht es ihn wieder auf die Rothenberger Straßen. Wegen Corona. Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wird der frühere Zug durch den Ort am 12. September reaktiviert.

Anlässlich der Feiern zum 650. Jubiläum der Ersterwähnung Rothenbergs zogen damals Mitglieder der Rothenberger Theatergruppe (RTG) durch das Dorf. Vorneweg der Polizeidiener mit der Schelle. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

Für das ordentliche Geschwätz sorgten Mitmarschierende in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wird dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. „Es wird ausgeschellt.“ Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen werden ebenfalls mitgeführt. Außerdem sorgte der Leierkastenmann in Frack und Zylinder für Stimmungsmusik. Unterwegs gab es auch ein paar Getränkestationen, damit die Aktiven nicht Durst leiden mussten.

„Bekanntmachungen“ rief der Dorfbüttel in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten mit lauter Stimme und betätigte dazu kräftig seine Schelle. Von allen Seiten strömten daraufhin die Dorfbewohner zusammen, um das Neueste aus dem Ortsgeschehen zu erfahren. Auf diese Weise wurden die Rothenberger noch bis zum Beginn der 1960er Jahre übers aktuelle Geschehen unterrichtet.

Einmal im Monat samstags zogen die Theaterleute 1999 durch die Straßen und verkündeten ihre Neuigkeiten, erinnert sich Susanne Weyrauch. „Das kam richtig gut an“, weiß sie. Die Aktiven wurden in der Folge immer wieder auf eine Wiederholung angesprochen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. „Es ist schön, wieder was machen zu können.“ Um allen Erfordernissen Genüge zu tun, wurde sogar ein Hygienekonzept erstellt, informiert sie.

Die Theaterleute sind alle mit an Bord, erzählt Weyrauch. Die heiße Phase kommt erst noch, denn es gab keine Vereinstreffen. „Wir haben noch nichts rausgesucht und nichts geprobt“, lacht sie. Jeder macht sich seine Gedanken, was zur Sprache kommen könnte. „Wir sind noch in der Themenfindung.“ Gesetzt sein dürfte eine Bauernregel zum Schluss, denn die war früher sehr beliebt.

Info: Die Ausschellerei beginnt am Samstag, 12. September, um 17 Uhr am Metzkeil. Weitere Stationen sind: vor dem Gasthaus „Zur frischen Quelle“, etwa 17.45 Uhr, Hauptstraße an der Einmündung Bergweg, etwa 18.30 Uhr, und vor dem Gasthaus „Zur Rose“, etwa 19.15 Uhr. Geltende Hygienevorschriften sind einzuhalten. Wer „ebbs auszuschelle hot“ (etwa Vereinstermine, neueste Gerüchte, Ehekrach), meldet das bei Susanne Weyrauch, Telefon 06275/1012, oder unter E-Mail polizeidiener@vvrothenberg.de.