In die Bahnhofssanierung kommt Zug rein

Der Hetzbacher Bahnhof, das Einfallstor nach Oberzent, rückt immer mehr in den Fokus der städtischen Anstrengungen. Seitdem mit der Erbacher Erklärung eine Attraktivierung der Odenwaldbahn im Raum steht, kommt dem Haltepunkt eine neue, große Bedeutung zu. Denn bei einem stündlichen Takt Richtung Eberbach wäre hier der Begegnungspunkt. Deshalb war der Bahnhof auch in der vergangenen Oberzent-Stadtverordnetenversammlung in Rothenberg gleich mehrfach Thema.

Es geht vor allem um Fördermittel, um das unansehnliche Bahnhofsgebäude wieder auf Vordermann zu bringen und aus einem hässlichen Entlein einen strahlenden Willkommensschwan zu machen. Der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) ist daran gelegen, hier die neu gegründete Fördermittelberatungsstelle des Odenwaldkreises mit ins Boot zu holen. Deren Gründung hatte Oberzent vor kurzem zugestimmt.

Wie Fraktionsvorsitzende Chris Poffo in der Antragsbegründung erläuterte, soll der Bauausschuss nach der Bahnhofs-Besichtigung Anfang des Monats nun Anregungen zu sammeln und frühzeitig Vorschläge für eine Nutzung zu unterbreiten. Integration in ein touristisches Nahverkehrskonzept, Aufbau eines E-Mobilitätscenters, Unterbringung eines städtischen Tourismus-Büros und Verpachtung der Gastronomie sieht Poffo als Ansatzpunkte. Als zweiten Schritt nannte er dann die Beauftragung des Magistrats, Fördermöglichkeiten zu ermitteln. Ende November soll alles vorliegen, um im Haushalt 2021 berücksichtigt zu werden.

Im Rahmen des Freiwilligentags am 19. September ist durch Bürgermeister Christian Kehrer geplant, eine Ideensammlung unter dem Motto „Unser Bahnhof soll schöner werden“ durchzuführen, erläuterte dieser. Poffo ist es daneben wichtig zu überlegen, „wohin die Reise gehen soll“. Walter Gerbig (CDU) merkte an, dass die Fördermittelstelle beim Kreis wohl erst Mitte 2021 ihre Arbeit aufnimmt. Denn die Stelle kann erst nach Genehmigung des 2021er-Haushalts ausgeschrieben werden. „Das wäre wohl zu später für den Bahnhof.“

Kehrer ergänzte, dass die Verwaltung bereits Vorarbeiten leistet. Aktuell gibt es zwei Programme, bei denen wohl eine 90-prozentige Förderung zu erreichen sein dürfte: das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) und ein neu aufgelegtes Bundesprogramm mit dem Namen „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Kultur und Jugend“. Bei dem muss sich die Stadt aber ranhalten, denn Abgabeschluss ist der 30. Oktober 2020.

Auch wenn’s über den Bund viel Geld gibt, macht das Prozedere den Rathauschef wütend. Bei diesen „ganz spontanen Programmen“ müssen die Kommunen quasi fertige Anträge in der Schublade haben. „Fast schon unverschämt“ nannte er dies mit Blick auf kleine, personell nicht so gut aufgestellte Gemeinden. Innerhalb von wenig mehr als zwei Monaten muss in diesem Fall alles eingereicht sein.

Neben dem Bahnhof könnten auch der Bikepark, die Sportanlagen in der Stried, der Kunstrasenplatz und das Waldseebad förderfähig sein. Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung stehen dabei im Vordergrund. Kehrer rechnet bei Verabschiedung 2021 im Bundestag mit einer Mittelausschüttung in den Jahren 2022 bis 2024.

Da sich Oberzent aufgrund neuester Finanzzahlen in Haushaltsnotlage befindet, gibt es hier – wie auch bei IKEK – eine stolze 90-przentige Förderung der Kosten. Jedoch, schränkt der Bürgermeister ein: Die restlichen zehn Prozent müssen angesichts der vielen geplanten Projekte auch erst einmal aufgebracht werden. Investitionen in die Stadt sind für ihn aber unabdingbar. Es gilt einen Weg zu  finden, wie sie finanziell darstellbar sind.

Jürgen Schmidt (CDU) wies darauf hin, dass es nicht nur Fördermittel fürs Gebäude geben könnte, sondern auch für andere Dinge im Umfeld wie etwa Erschließung. Kehrer entgegnete, dass man die Fühler in alle Richtungen ausstreckt, um angesichts klammer Kassen die größtmögliche Förderung zu erreichen. Sein Vorschlag, der auch angenommen wurde: Der Magistrat soll alles abklopfen und wieder berichten.