„Band der Oberzent“ soll festgezurrt werden

Oberzent hat viele Löcher zu stopfen. Straßenlöcher, Funklöcher, Internetlöcher – und auch Kartenlöcher. Denn was fürs mobile Netz gilt, betrifft auch das Radwegenetz: Es gibt einen großen weißen Fleck im südlichen Odenwaldkreis. Der soll jetzt ausgemerzt werden. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss einstimmig den Antrag der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWO), dass die bereits vorliegenden Planungen fürs touristische Radwegenetz „Band der Oberzent“ bis 31. März 2021 zu reaktivieren und realisieren sind.

Fraktionssprecher Chris Poffo erläuterte, dass unter Regie des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald mit regionalen „Fahrradwegepaten“ attraktive Rundwege entstehen. Überall, aber noch nicht in Oberzent. Mit dem seit 2018 in umsetzungsreifer Konzeption vorliegenden „Band der Oberzent“ könnte eine Lücke geschlossen werden, betonte Poffo. „Die Initiative ist eingeschlafen“, bedauerte er.

Das Konzept sieht vier Rundwege mit je etwa 30 Kilometern Länge vor. Sie liegen in den vor der Fusion 2018 bestehenden Altkommunen Beerfelden, Rothenberg, Hesseneck und Sensbachtal. An den Außengrenzen gibt es jeweils Querverbindungen, um die anderen Strecken zu erreichen. Damit ergibt sich eben jenes „Band der Oberzent“ mit zusammen 120 Kilometern, erläuterte der Fraktionssprecher.

Vom Geo-Naturpark wurde die Umsetzung mit einem Zuschuss 50 Prozent gefördert. Eine einschlägige Arbeitsgruppe möchte die ÜWO nun reaktivieren. Über die Ergebnisse sollen die Parlamentarier einen Bericht erhalten. Für Poffo macht es Sinn, die an der Strecke angesiedelten tourismusaffinen Betriebe mit in die Umsetzung einzubeziehen. Das hatte Oliver von Falkenburg (CDU) angeregt.

Dessen Fraktionskollege Jürgen Schmidt wies darauf hin, den Terminus „Rad- und Wanderwege“ zu verwenden, weil damit der Ausbaustandard nicht so hoch sein muss. Auch könnten sich andere Fördermöglichkeiten ergeben. In diese Kerbe hieb auch Frank Leutz (FDP). Er sprach darüber hinaus eine App für solche Aktivitäten als „enormen Mehrwert“ an. Thomas Väth (Grüne) ergänzte, dass es eine solche Anwendung schon gibt. Eventuell könnte man sich daran andocken, Tourenvorschläge ausarbeiten und einstellen.

Die ÜWO strebt darüber hinaus an, in Abstimmung mit dem Kreisentwicklungskonzept ein Fahrradwegekonzept für Oberzent zu erstellen. Der Bau- und Infrastrukturausschuss soll hierzu Vorgaben machen. Das Ganze soll auch unter Einbindung der Ortsbeiräte geschehen. Poffo begründete diesen Antrag damit, dass die Bedeutung des Fahrrads als sauberem Verkehrsmittel stark ansteigt. Allerdings birgt das Befahren von Landesstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften tödliche Gefahren, war vor kurzem auch in Oberzent leidvoll zu erfahren.

Deshalb sollte es langfristig kommunalpolitisches Ziel sein, auf möglichst vielen Strecken separate Fahrradwege zu erstellen. Dazu gibt es laut Poffo eine Förderquote von 70 Prozent durch das Land, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Dem Hinweis von Dr. Michael Reuter (SPD), dass sich der Kreistag ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und Doppelstrukturen entstehen könnten, folgte der ÜWO-Fraktionssprecher dahingehend, dass das lokale Vorhaben daran angedockt werden soll. Das Vorhaben wurde einstimmig verabschiedet.

Von Falkenburg wollte auch über Kreis- und Landesgrenzen hinausblicken: zum einen Richtung Eberbach über Gammelsbach und zum anderen Richtung Hirschhorn. Schmidt regte an, frühzeitig die großen Waldbesitzer mit ins Boot zu holen, weil viele Wege durch deren Forst führen. Leutz hob auf die Verkehrssicherungspflicht ab und brachte ins Spiel, das Ganze statt Radwege- Freizeitwegenetz zu nennen.

Väth wollte den Blick über die Freizeit hinaus auch auf die berufliche Nutzung auf dem Weg zur Arbeit richten. Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, dass man mit Eberbach in Gesprächen über einen Ittertalradweg sei. Es gelte nicht nur die Bau-, sondern auch die laufenden Kosten im Blick zu haben, mahnte er.