Der „Rocket Man“ geht ab wie eine Rakete

Was hat der Mann für eine Wahnsinns-Stimme. Sein Name: Andreas Kümmert. Klingelt’s? Der Unterfranke gewann 2013 die damalige dritte Staffel von „Voice of Germany“. Danach verschwand er zwischenzeitlich aus gesundheitlichen Gründen in der Versenkung. Und jetzt ein denkwürdiges Konzert auf der Kulturbühne, bei dem sich der 34-Jährige als eine solche Blues-, Rock- und Soulröhre zeigt, dass einem fast der Mund vor Staunen offen stehen bleibt.

Wer kann schon von sich behaupten, einen Songs besser zu performen als das Original? Kümmerts Meisterstück von 2013, seine Version von Elton Johns „Rocket Man“, glänzt durch die eindringliche Performance und die phänomenale Stimme, die viel mehr Substanz und Power hat als die des Briten. Da geht der Rocket Man wirklich ab wie eine Rakete, kommt der „Rock“ im Titel absolut zu seinem Recht.

Kümmert tut gut daran, möglichst viel Zeit des Konzerts der Musik zu widmen. Ein volles Bluesrock-Brett, groovende Soul-Nummern oder krachende Hardrock-Ausflüge werden immer von seiner über ein paar Oktaven ragenden Stimme getragen. Was er zwischen den Songs allerdings von sich gibt, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Da wäre weniger mehr und er würde sich eher Fans damit machen.

„The Voice of Rock“ nennt sich der ehemalige Deep-Purple-Sänger und -Bassist Glenn Hughes. Allerdings sind dessen besten Zeiten vorbei. Kümmert tritt mit ein paar Songs in Hughes‘ Fußstapfen, wenn er tief röhrt, gleichzeitig aber auch die hohen Töne problemlos schafft. Immer dann, wenn er alte Klassiker interpretiert, scheint sein Faible für die Musik der 60er und 70er Jahre durch. Denn diese Songs lebt er förmlich, zelebriert sie mit jeder Pore, geht ganz in ihnen auf.

Das eine ist sein Gesang, das andere sein Gitarrenspiel. Da merkt man, dass er schon als 13-Jähriger begann, sich den sechs Saiten zu widmen. Epische Soli in bester Blues- und Hardrock-Manier zeichnen die Lieder aus. Das Ganze im Zusammenspiel mit seinem Sidekick, dem Leadgitarristen Stefan Kahne. Wie beide sich die Saitenbälle zu werden, sich mit der Leadgitarre abwechseln, mal die Twin Guitars à la Wishbone Ash auspacken oder auch ein Battle liefern, ist große Klasse.

Asbjörn Gärtner am Bass und Michael Germer am Schlagzeug ist ebenfalls die große Spielfreude an diesem Abend anzumerken, auch wenn die Fans vor der Kulturbühne überschaubar bleiben. Aber die gehen umso mehr ab, wenn Kümmert sich entweder die Seele aus dem Leib singt oder wahlweise in ausufernden Gitarren-Exzessen mit Kahne fast verliert.

„Harlekin Dreams“ heißt sein aktuelles Album, mit dem er so langsam wieder auf Tour geht. Erschienen kurz vor dem Lockdown, konnte er es bisher kaum vermarkten, was er nun umso eindringlicher nachholt. Sind Kümmerts Cover eher roh, ungeschliffen, jammig, kommen die eigenen Stücke auf der CD etwas glattgebügelter, eingängiger daher, aber natürlich mit dem Fokus auf der außergewöhnlichen Stimme.

Im gefälligen „Milk“, der Midtempo-Nummer „Something in my Heart“ oder dem autobiografischen „Been down so long“ hat der Sänger und Gitarrist auch seinen eigenen Werdegang mit verarbeitet. Er war ganz unten, rappelte sich aber wieder auf und singt jetzt alles in Grund und Boden. Manches klingt ein wenig nach der Blues-Ära des legendären Gary Moore, während der Shouter anderswo die legendären Blues-Größen aus Chicago perfekt interpretiert.

Es ist schwer, auf den „Rocket Man“ noch einen draufzusetzen. Aber die Band hat als Zugabe noch ein besonderes Schmankerl in petto: Kümmert knallt „This is a mans‘ World von James Brown derart raus, dass man sich wieder fragen muss, wieso solch ein Sänger nicht viel mehr Beachtung erfährt. Aber Kümmert kümmert es scheinbar wenig, was andere von ihm denken, wenn man seine Worte zwischen den Songs heranzieht. Also am besten in dieser Zeit Ohren zu und dann wieder aufmachen, wenn er losröhrt.