Freiwillige rücken dem Urwald zu Leibe

Es war höchste Zeit. Denn sonst wäre aus dem Waldseebad Beerfelden ein Urwaldsee geworden. Da Corona-bedingt der Frühjahrsputz ausfiel und auch über den Sommer hinweg alle Arbeiten ruhten, war jetzt, bei der Aktion im Rahmen des Freiwilligentags im Odenwaldkreis, umso mehr zu tun. Die Rasenmäher wummerten, die Freischneider dröhnten, die Rechen glühten, als die 25 Freiwilligen einen Vormittag lang zu Werke gingen und das verwunschene Dornröschen-Gelände wieder herausputzten.

Vereinsvorsitzende Ina Bottelberger freute sich über den starken Zuspruch. „Es sind viele gekommen, obwohl keine Schwimmbadsaison war“, notierte sie. Und auch etliche, die gar keine regelmäßigen Schwimmgäste sind. Dafür fehlten aber wiederum solche, die in normalen Jahren häufig den Weg ins kühle Nass suchen, meinte sie augenzwinkernd. Die haben am kommenden Samstag, 19. September, noch die Möglichkeit sich einzubringen, wenn die Arbeiten wieder um 9 Uhr starten. Auf die Helfer warten dann im Quellwasser gekühlte Getränke und ein (deftiges) Mittagessen.

Unkraut hatte sich seit dem Ende der vergangenen Badesaison im September 2019 en masse angesammelt. Plus die unvermeidlichen Brombeerhecken. Vom Bauhof werden zwar regelmäßig die Freiflächen abgemäht, aber es gab genug Bereiche, wo man mit dem Aufsitzmäher nicht hinkam. Und so war Marc Gärtner mehrmals am Vormittag mit dem durch Grünschnitt voll beladenen Unimog Richtung Kompostierungsanlage unterwegs.

Mit Geräten aus dem Vereinsbestand, vom Bauhof und aus eigenen Vorräten wurde daneben die Schlucht vom Parkplatz abwärts sauber gemacht. Denn sollte es mal kräftig regnen, könnte es sein, dass diese verstopft und dann das Wasser ungebremst Richtung Schwimmbad schießt. Dessen Restbrühe bleibt bis nächstes Frühjahr drin, erläuterte Bottelberger.

Dann werden auch die deutlich sichtbaren Risse in der Beckenwand wieder zugespachtelt. Oder besser gesagt: Man versucht es. Denn die Risse haben bereits eine gewisse Resistenz gegen Spachtelmasse entwickelt. Das Babybecken wurde jetzt gereinigt. Es war voll mit Laub, wodurch sich eine unansehnliche, übelriechende Brühe ergeben hatte.

„Wir tun jetzt alles für die kommende Saison“, so die Vorsitzende. Der Verein lässt die Entwicklung erst einmal auf sich zukommen – in der Hoffnung, dass sich im kommenden Frühjahr alles wieder normalisiert hat. Wenn nicht, will man kurzfristig reagieren. Bottelberger steht nach wie vor hinter der Entscheidung, das Waldseebad in diesem Jahr geschlossen zu lassen.  

Die Aktiven blicken mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Bei allem Bedauern, dass es keine Badesaison gab, nutzte Kiosk-Betreiber Matthias Willenbücher die Pause, „um auch mal wieder durchschnaufen zu können“. Denn sonst geht es bei ihm von Mai bis September nonstop durch – und auch den Rest des Jahres hat er genug zu tun. Weitere Ehrenamtliche konnten sich mal wieder anderen Dingen widmen, als fürs Bad immer Gewehr bei Fuß zu sehen. 2021 geht’s mit neuen Kräften weiter, heißt deshalb die Devise. Denn ihr 85 Jahre altes Bad liegt allen doch sehr Herzen.

Im Frühjahr gibt’s dann ab Anfang April wieder genug zu tun, wenn zuerst das komplette Wasser aus dem Schwimmerbecken abgelassen wird. In diesem Jahr freuten sich die Frösche stattdessen über einen großen Laichteich. Da die Löcher an Rand und Boden nicht gestopft wurden, dürften sie 2021 noch ein Stück tiefer sein als sonst. Und natürlich wird dann der Beckenboden mit allen Kräften geschrubbt.

Die Sonnendecks stehen 2021 ebenfalls im Fokus der Ehrenamtlichen. Denn das Holz der drei Terrassen ist in die Jahre gekommen und muss erneuert werden. Am Beach-Volleyballfeld haben die Holzstämme zur Abgrenzung ebenfalls ihre beste Zeit hinter sich und sollten ausgetauscht werden. An Freizeitaktivitäten gibt es weiterhin Schaukel, Sandkasten, Tischtennisplatte (im Nichtschwimmerbereich) und Kinder-Tischkicker. Das Babybecken ist mit einem Sonnensegel ausgestattet.