Flutung des Hainbrunner Tals sorgt für viel Hallo

Am deutschlandweiten Warntag war’s zwar ruhiger als gedacht. Aber jetzt wurde es umso lauter. Wenn die Rothenberger Theatergruppe mit ihrem „Polizeidiener“ durch den Ort zieht, dann bekommt das schnell jeder mit. Denn die Schelle von Benni Götz ist laut genug, dass sich entlang der Hauptstraße schnell kleine Grüppchen bilden, die das Neueste aus dem Ortsgeschehen wissen wollen. Fünf Stationen gab es den Berg hinauf, an denen die Laientheaterspieler lustige Begebenheiten zum Besten gaben.

Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Corona-Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wurde der frühere Zug durch den Ort reaktiviert. Der fand letztmals zum 650-jährigen Bestehen des Höhendorfs 1999 statt. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten, bedient durch Thomas Wilcke. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

„Wenn wegen Corona fällt das Theater aus, dann schelle mir ganz einfach aus“, gab Polizeidiener Benni Götz bekannt. Damit es zu keinen verbotenen Ansammlungen kam und die Besucher den gebotenen Abstand einhielten, war Hygienebeauftragter Matthias Hering stets wachsam – auch in den eigenen Reihen.

Denn die Bauersleute mit Handwerker Stephan Kloß, Claus Weyrauch, Tanja Schmidt, Marina Weinthäter, Elisa Köhler, Ulrike Beisel und Susanne Weyrauch hatten stets was zu bequatschen. Sie sorgten für das ordentliche Geschwätz in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wurde dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen wurden von den Aktiven ebenfalls mitgeführt.

Das Wetter darf natürlich am Ende nie fehlen. Wettermann Jochen Blutbacher wusste mit überdimensionaler Karte, wie‘s wird oder auch nicht, Harry Foshag hatte dazu die eine oder andere Bauernregel parat. Jannik Uhrig war derweil mit dem Klingelbeutel bei den Zaungästen unterwegs. Den Erlös spendet die RTG an die Familie von Lenn Morr. Der Rothenberger Junge ist an Leukämie erkrankt und braucht viel Unterstützung.

Parken gegen die Fahrtrichtung ist nun verboten, mahnte der Polizeidiener. Allerdings muss keiner vor den Kadi, „denn der Kadi kommt zu uns“, sagte er in Anspielung auf den Nachnamen des Stadtpolizisten. Der Corona-Test funktioniert in Rothenberg mit Ebbelwoi. „Solange der noch schmeckt, hab‘ ich mich nicht angesteckt“, schüttelte Götz den nächsten Reim aus dem Ärmel.

Auch Vereinsneuigkeiten gab’s zu hören, wenn die Vereine schon nicht im Ortsleben aktiv sein können. Die SG sucht einen Vorstand, war zu erfahren, die Sänger haben einen neuen – Dirigenten: den Mario Freidel. Despektierlich dann des Polizeidieners Einschätzung der MGV-Sangeskünste: „Sobald Corona ist vorbei, geht sie los, die Plärrerei.“

Großes Hallo gab’s auf der Höhe, als es um den Start der Bauarbeiten zur Flutung des Hainbrunner Tals ging. „Gewerbeanmeldungen für Bootsverleih sind jetzt bei der Stadt Oberzent möglich“, erläuterte Götz. Bei 226,6 Metern über Meereshöhe ist die dicke Eiche bei Airlenbach erreicht. Der Erneuerungsfortschritt der Ortsstraßen war dem Polizeidiener ein Dorn im Auge. Aber: „Wer im Gammelsbacher Weg auf die Gosch fällt, ist selber schuld“, tat er kund. Die Anwohner müssen dann die Erstversorgung übernehmen.

„Wir hatten viel Spaß und unsere Gäste auch“, blickte Susanne Weyrauch von der RTG zufrieden zurück. Die Wiederholung hatten die Aktiven schon frühzeitig angedacht, um Lenns Familie damit zu unterstützen. Dann kam noch Corona dazu und die Aufführungen in der Halle mussten sowieso ausfallen. Der Erfolg macht Lust auf mehr: „Wann wir nochmal dieses Event wiederholen, ist noch unklar“, erzählte sie. „Aber auf jeden Fall wird‘s wiederholt.“ Weyrauch schätzt gegen Jahresende.