Nonstop Gottesdienste an Heiligabend

Ab dem frühen Nachmittag werden an Heiligabend quasi durchgehend Gottesdienste in der Martinskirche Beerfelden gefeiert. So will die evangelische Kirchengemeinde den Gläubigen die Möglichkeit geben, auch in der Corona-Pandemie Christ Geburt mit einem Besuch in der Martinskirche zu begehen. Das Ganze bedeutet einen enormen logistischen und personellen Aufwand, erzählt Pfarrer Roland Bahre. Das gesamte Team ist glücklich darüber, dass mit dieser Gemeinschaftsaktion von allen Weihnachten für alle möglich ist.

Schon seit August macht man sich in der evangelischen Kirchengemeinde Gedanken über „Weihnachten unter Corona-Bedingungen“. Vor kurzem dann gab es eine öffentliche Sitzung des Liturgieausschusses, in der erste Ideen für ein Konzept entworfen wurden. Auch im Gemeindebrief wurde dazu aufgerufen, Gedanken einzureichen – was umfangreich genutzt wurde. „Das Interesse an der Frage, wie Weihnachten bei uns gefeiert wird, ist durchaus hoch“, freut sich Bahre.

Eine erste Idee gab es bereits im Sommer: ein „XXL-Weihnachts-Gottesdienst“ in der Beerfelder Reithalle. Der sollte auf der Bühne stattfinden. Mit guten Hygiene- und Abstandsregeln wäre es möglich gewesen, viele Menschen unterzubringen, erläutert Bahre. Ein Livestream hätte ihn auf eine Leinwand auf dem Stried-Gelände übertragen. Mit der Stadt war man schon in Klärung.  

„Leider haben sich die Infektionszahlen dann so entwickelt, dass wir eine solche Massenveranstaltung an Heiligabend nicht anbieten können“, meint der Pfarrer bedauernd. Denn man hätte die Kontaktdaten aller Teilnehmer notieren müssen und wäre dafür verantwortlich gewesen, dass nicht nur während des Gottesdienstes, sondern auch beim Ankommen und beim Verlassen die Abstandsregeln eingehalten werden. Damit wäre ein reibungsloser Ablauf nicht zu garantieren gewesen.

Freiluftgottesdienste haben sich angesichts der aktuellen Vorgaben als unpraktikabel herausgestellt, erklärt Bahre. „Das ist einfach ein zu großes Risiko“, fürchtet er. Auch in der evangelischen Kirche gilt: „Safety first“, betont der Geistliche. Umso dankbarer zeigt er sich, dass nun ein Konzept gefunden wurde, „von dem wir sagen können, dass es nach Hygieneverordnungen vergleichsweise ‚sicher‘ ist“. Außerdem sieht es vor, dass wirklich jedem ein Platz in einem Weihnachtsgottesdienst angeboten werden kann.

Ab dem frühen Nachmittag werden an Heiligabend quasi durchgehend Gottesdienste in der Martinskirche gefeiert, erläutert Bahre. Dort gibt es bereits monatelange Erfahrungen mit Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen. Insgesamt sind an den Weihnachtstagen sechs Termine geplant, darunter Familien- und Festgottesdienste, eine ökumenische Christmette zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde, ein Singegottesdienst auf dem Marktplatz am Zweiten Weihnachtsfeiertag – und zwei Konzertgottesdienste zwischen den Jahren. An jedem können bis zu 200 Personen teilnehmen. Allerdings ausschließlich mit Voranmeldung über das Gemeindebüro, hebt der Geistliche hervor.

Sollte das Angebot an Heiligabend-Gottesdiensten nicht ausreichen, „bieten wir zusätzlich noch weitere an“, ergänzt der Pfarrer. Die werden dann zwischen den ursprünglich geplanten zwischengeschaltet. Anhand der Anmeldezahlen kann die Kirchengemeinde die Nachfrage abschätzen und allen, die sich anmelden, somit einen Gottesdienst anbieten. Der letzte, der bei besonders hoher Anmeldezahl gefeiert werden könnte, wäre um 23.30 Uhr.

„Natürlich können wir nicht, wie sonst an Heiligabend, zum Hauptgottesdienst über 1000 Menschen in unsere Kirche lassen“, macht Bahre klar. Deshalb kann es passieren, dass Menschen, die sich später anmelden, in der „Prime time“ keinen Platz mehr bekommen und zu einer anderen Zeit kommen müssten. „Wir bitten die Bevölkerung um Verständnis, dass dies in Corona-Zeiten leider nicht anders machbar ist“, sagt der Pfarrer.

Dieses umfangreiche Gottesdienstangebot „fordert einen unfassbar logistischen Aufwand“, ergänzt er. Dies betrifft nicht nur die Pfarrer, die im Grunde den gesamten Heiligabend in der Kirche verbringen. „Meine Frau wird mit unserer Familie dieses Jahr wohl alleine feiern müssen“, meint er traurig.

Auch Kirchenmusikerin Iris Thierolf, die bereits ein umfangreiches kirchenmusikalisches Konzept erstellt hat, gibt an diesen Tagen alles. Die Gemeindesekretärinnen werden vor allem in der Vorbereitung alle Hände voll zu tun haben. Die Küsterin wird „wohl gleich in der Kirche übernachten können“, schmunzelt der Geistliche. Dabei sind auch der Posaunenchor unter der Leitung von Arne Müller sowie Solosänger, unter anderem David Krahl, Annika Hofmann und Katja Bundschuh.

An diesem hohen Einsatz von so vielen kann man sehen, „wie wichtig den Menschen Heiligabend ist und dass wir das nur gemeinsam stemmen können“, freut sich Roland Bahre. So helfen außer den Hauptamtlichen rund 20 Ehrenamtliche mit, die als Tür- und Raumdienst die Gottesdienstteilnehmer auf ihre Plätze geleiten und auf die Hygieneregeln achten. „Weihnachten ist in diesem Jahr wirklich ein Hochfest von allen für alle“, zieht der Pfarrer den Hut vor diesem Gesamtwerk.

Vor den Kirchen im Sensbachtal und Gammelsbach werden an Heiligabend und Silvester Kerzen stehen, sodass all diejenigen, die den Weg nicht in die Kirche nach Beerfelden auf sich nehmen möchten, einen Spaziergang zu ihrer Ortskirche machen können. Dort finden sie eine Broschüre der Kirchengemeinde zur persönlichen Andacht vor.

Info: Das Gottesdienstangebot findet sich auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden unter https://ev-kirchengemeinde-beerfelden.ekhn.de. Gottesdienstteilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung über das Gemeindebüro möglich, Telefon 06068/1330. Anmeldeschluss ist 23. Dezember um 12 Uhr.