Gottes Wort, verstärkt durch Pauken und Trompeten

In der evangelischen Martinskirche Beerfelden wird es keine Weihnachtsgottesdienste geben. Der Kirchenvorstand entschloss sich schweren Herzens für die Absage. Aber angesichts der hohen Inzidenzzahlen von über 300 „ist es natürlich vernünftig“, erklärt Pfarrer Roland Bahre. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben, glaube ich, eine vernünftige Entscheidung getroffen“, betont der Geistliche. „Mir persönlich setzt diese Entscheidung jedoch sehr zu“, fügt er hinzu.

An jede Kirchengemeinde erging vergangene Woche die Empfehlung, jedes Angebot von Präsenzgottesdiensten genauestens zu prüfen. Der Kirchenvorstand rang in seiner Video-Konferenz mit einer Entscheidung, erläutert Bahre. Es war nicht leicht, diese Absage-Entscheidung zu fällen, erinnert er sich.

Denn: „Ich bin Pfarrer geworden, um von Gott zu erzählen und seine Gegenwart in Gottesdiensten zu feiern“, erklärt. Dass schon alle Ostergottesdienste abgesagt werden mussten, „ging mir an die Substanz“, erzählt er. Und nun auch noch Weihnachten: „Das ist kaum erträglich.“ Aber notwendig, vernünftig und sinnvoll.

Innerhalb weniger Tagen war der Kirchenvorstand herausgefordert, ein „Alternativprogramm zum Alternativprogramm“ zu entwickeln, schildert er. Für ihn bedeutete das „ein paar durchgemachte Nächte“. Aber es wurde ein Ergebnis auf die Beine gestellt, das unter den gebotenen Bedingungen „das Maximum herausholt“, freut sich der Geistliche.

Die diesjährige Verkündigung an der Martinskirche ist auf drei Säulen aufgebaut, erläutert er. So soll das reichhaltige Online-Angebot Gläubigen digital die Möglichkeit geben, mit der Kirche in Kontakt zu kommen: Bahre erstellt gerade ein umfangreiches, festliches „Weihnachts-Kreuzwort“, an dem sich wieder eine Vielzahl von Menschen vorab beteiligt haben.

Bereits in der Adventszeit wurden fünf kleinere Videobotschaften zur Verfügung gestellt. Es sollen bis zum Ende der Weihnachtszeit mindestens fünf weitere dazukommen. So ist für jeden etwas dabei – „die digitale Wende ist in der Kirchengemeinde Beerfelden definitiv vollzogen“, hebt Bahre hervor.

Besonders hervorzuheben ist seinen Worten auch die von Iris Thierolf und Arne Müller eingespielte „Musik zur Heiligen Nacht“, die um 22 Uhr online zur Verfügung steht. Dazu gibt es ein „Neujahrskonzert“, das am Silvesterabend den Jahreswechsel musikalisch begleiten kann (zu erreichen über den YouTube-Kanal „Kirche Beerfelden“, die Homepage ev-kirchengemeinde-beerfelden.ekhn.de und Facebook).

Bis zum 24. Dezember soll darüber hinaus in möglichst viele Haushalte eine Broschüre zur persönlichen Andacht zu Hause ausgetragen werden. Bahre zeigt sich guter Dinge, dass dies in der kurzen Zeit hinhaut – vor allem, weil sich so viele bereit erklären, das Weihnachtsfest zu retten. „Ich bin begeistert, wie so viele Menschen dazu beitragen möchten, die Geburt des Retters zu retten“, schmunzelt der Geistliche.

Außerdem plant die evangelische Kirchengemeinde kontaktlose Möglichkeiten der Andacht und der Gemeinschaft. So wird es etwa eine „Turmandacht“ geben: Mit Hochleistungs-Boxen, die das Bestattungshaus Ihrig zur Verfügung stellt, werden die drei Pfarrer vom Beerfelder Glockenturm herab die Weihnachtsbotschaft verkündigen.

Mit Gebeten, der Weihnachtsgeschichte aus der Bibel und Musik, die Iris Thierolf und Arne Müller beisteuern, klopft die Weihnachtsbotschaft wie Maria und Josef buchstäblich „von außen akustisch an unsere Fenster“, so der Pfarrer. Es wurde ein Stationengottesdienst für Familien erstellt sowie ein Krippenspiel, das in der Kirche abgeholt und zu Hause nachgespielt werden kann.

Auch in Unter-Sensbach und Gammelsbach gibt es mit Weihnachtstrompeten eine musikalische Weihnachtsverkündigung, die Maria Heiderich und Dr. Kathrin Rödiger beisteuern. Außerdem erwartet Menschen, die vor der Ausgangssperre einen Spaziergang zu einer der Filialkirchen unternehmen, ein Lichtermeer von Weihnachtskerzen, kündigt der Geistliche an.

Die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl wurde besonders bedacht: So war Bahre seit Anfang Dezember jede Woche dort, um nach Stationen getrennt mit den Menschen Weihnachtsandachten zu halten. Leider ist das jetzt nicht mehr möglich, bedauert er. Außerdem hatten Kinder der Grundschule Sensbachtal für alle Bewohner Bilder gemalt, die er überreichen wird. „Gerade in den Altenheimen braucht man uns in besonderer Weise“, weiß er. Diesem Ruf kam der Pfarrer auch in Pandemiezeiten nach, solange es möglich war.