Vereine sind unverzichtbar fürs örtliche Leben

Die Vereine tragen das gesellschaftliche Leben in Airlenbach, erläutert Ortsvorsteherin Marion Neff die Qualitäten des kleinen Oberzent-Stadtteils. Zu dieser „Software“ kommt noch die entsprechende „Hardware“: Ruhe, Natur und die vielfältigen Wandermöglichkeiten mit tollen Ausblicken. „Das ist genau die Lebensqualität, die die Städter suchen“, weiß sie.

Der Sportverein mit seinen zahlreichen Abteilungen bietet den 300 Einwohnern eine breite Palette an Freizeitmöglichkeiten. Neben Fußball gibt es Tischtennis, Volleyball, Kinderturnen und Theater. Neff bedauert es, dass die Vorstellungen nach Ostern nicht stattfinden konnten. Aufgrund des Lockdowns mussten sie abgesagt und auf 2022 verschoben worden, weil es den Verantwortlichen in 2021 zu unsicher war. „Das ist auch gut so, da wir ja noch nicht wieder proben könnten“, erläutert sie.

Die Hütte am Sportplatz sieht die Ortsvorsteherin als Dorfmittelpunkt und integrativen Faktor. Hier pulsiert das Leben und kommen nicht nur die Dörfler, sondern etwa beim Pfingstfest auch Auswärtige zusammen. Deshalb war es nur folgerichtig, hier durch den Ortsbeirat eine Panoramabank aufstellen zu lassen.

Die Feuerwehr ist ein anderer gewichtiger Pluspunkt im Airlenbacher Veranstaltungskalender. Sie kümmert sich zum einen um die Fastnacht, ist andererseits durch die gut aufgestellte Einsatz- und Jugendabteilung eine schlagkräftige Truppe. Im Wechsel mit dem SV kümmern sich die Brandschützer um die Kerwe-Ausrichtung, so Neff.

Der Dorfverein organisiert in der Regel um die Weihnachtsbaum-Abholung und -Verbrennung. Letztere wird zwar 2021 erst einmal nicht stattfinden. Die ausgedienten nadelnden Gehölze werden aber trotzdem abgeholt, um sie möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in Flammen aufgehen zu lassen. Koordiniert wird daneben das jährliche „Bankstreichevent“, bei dem die Sitzgelegenheiten wieder auf Vordermann gebracht werden.

Vierte im Vereinsbunde sind die Landfrauen. Außerdem gibt es noch den Skiclub, der in der weißen Theorie den Lift betreut. Da der aber mangels Masse schon lange nicht mehr in Betrieb war, hatte der Club in den vergangenen Wintern auch wenig zu tun. „Es wird recht viel im Ort gemacht“, meint Neff mit Blick auf diese gesammelten Aktivitäten.

2020 war hart für die an Geselligkeit gewöhnten Airlenbacher. „Wir haben den Ausfall gemerkt“, bedauert die Ortsvorsteherin. „Es fehlten die Treffen.“ Immerhin war die Teilnahme am Freiwilligentag Mitte September möglich. Hier kam der große Zusammenhalt im Dorf zum Ausdruck. Schnell finden sich genügend Helfer, auch wenn Airlenbach nicht so viele Einwohner hat.

Die Pils- und Kegelstube am Dorfgemeinschaftshaus ist ein weiterer beliebter Treffpunkt. Hier kommen die Ortsbürger nicht nur zum Tischtennis spielen hin, sondern auch einfach, um den Austausch und die Geselligkeit zu pflegen, „wie sie nicht mehr überall zu finden ist“.  

Die Ortsvorsteherin hat festgestellt, dass die Heimat nach wie vor eine große Rolle spielt. Es gibt noch einige Familienverbünde im Ort, wo Großeltern und Enkel unter einem Dach wohnen. Die Jungen, hat sie bemerkt, kommen manchmal auch wieder zurück, nachdem sie zu Studium oder Ausbildung auswärts waren.

Die Bevölkerungsentwicklung, schätzt sie, dürfte zwar leicht rückläufig sein, „aber wir haben relativ wenig Leerstand“. Nur das eine oder andere Haus steht zum Verkauf. Und das könnte auch „im Ort bleiben“, wenn es ein Bürger erwirbt. Damit sind dem Zuzug auch natürliche Grenzen gesetzt, denn es fehlt einfach die Masse auf dem Immobilienmarkt. Ein Bauplatz steht schon längere Zeit zum Verkauf. Warum der nicht weggeht, kann sich die Ortsvorsteherin nicht erklären. Grundstücks- und Hauspreise bezeichnet sie als „überschaubar“.

Airlenbach ist vor allem ein Wohnort. Arbeitsplätze finden sich nur wenige, erläutert Neff. Es gibt eine Schreinerei und eine Büroverwaltung. Die Jüngeren haben oft einen Arbeitsplatz in der Nähe gefunden, andere pendeln wiederum in die Ballungsgebiete. Im Oberdorf würde es in Sachen Homeoffice auch nicht so prickelnd aussehen, da es noch „strukturelle Probleme mit dem Internet gibt“.

Vier Vollerwerbslandwirte machen deutlich, welch große Bedeutung dieser Wirtschaftszweig früher hatte. „Die halten den Ort offen“, freut sich die Ortsvorsteherin. Die Wiesen sind alle verpachtet und werden beweidet. Vor ein paar Jahrzehnten waren etliche Airlenbacher noch Selbstversorger-Landwirte. „In fast jeder Seitenstraße gibt es ehemalige Bauernhöfe“, erklärt sie.

Im Dorf ist man fahren gewohnt. Für größere Einkaufe ging’s schon immer nach Beerfelden, auch als es noch einen kleinen Laden gab. Schulbusse fahren zuverlässig, aber dann hört’s auch schon auf mit dem ÖPNV. Seit kurzem ist der Bürgerbus der Generationenhilfe unterwegs.

Ähnlich wie mit den Einkäufen sieht’s auch mit der Kinderbetreuung aus. Es ist alles in Beerfelden oder, wenn es ums Gymnasium geht, in Michelstadt angesiedelt. „Es gibt es nichts Außergewöhnliches“, erläutert Neff. Aber die Airlenbacher leben gut mit dem, was vor Ort angeboten wird. 

Eigentlich gibt’s zwischen den Jahren immer eine vom Ortsbeirat organisierte Wanderung. Die muss aktuell leider ausfallen. Stattdessen kreierte eine Mitbürgerin eine Art „Solo-Grenzgangstour“ rund um den Ort mit weihnachtlichem Touch, sodass sich die Leute trotzdem etwas an der frischen Luft betätigen können. Der Ortsbeirat hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Infrastruktur zu erhalten. Der Fokus liegt auf Sport- und Spielplatz, „damit Jüngere gerne hierbleiben und sich mit dem Ort identifizieren können“, sagt Neff.