Die Hilfsbereitschaft ist stark ausgeprägt

Das Dorfleben, sagt Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann, ist im Sensbachtal geprägt vom Zusammenhalt in einer ländlichen Region. „Wir sind ein Tal“, meint er, eine große Gemeinschaft. Von außen, sagt er realistisch, „haben wir vielleicht nicht so viel zu bieten“: Aber wer hier verwurzelt ist oder sich einlebt, lernt den liebens- und lebenswerten Charakter kennen.

Kuhlmann macht diesen unter anderem an der stark ausgeprägten Hilfsbereitschaft fest. Diese äußert sich nicht nur im privaten Bereich. Auch wenn es darum geht, für die Allgemeinheit anzupacken, Wanderwege zu verschönern, Ruhebänke auszubessern oder Schilder zu streichen, sind Ehrenamtliche schnell gefunden. „Jeder hilft, so gut er kann“, freut er sich.

Im abgelaufenen Jahr fiel ihm auf, dass dieser Gemeinschaftssinn sogar noch stärker gelebt wurde als zuvor. „Auch ohne Aufforderung“ werkelten die Bürger im Stillen vor sich hin. Scheinbar wurde die viele freie Zeit dazu genutzt, sich kräftig ins Dorfleben einzubringen. „Das ist typisch Sensbach“, ist der Ortsvorsteher stolz. Es wird vieles geleistet „und die Leute wollen gar nicht im Mittelpunkt stehen“.

Kuhlmann spricht schmunzelnd von den „Sensbachtaler Heinzelmännchen“, wenn er wieder rund um den Ort unterwegs war und feststellte, dass an der einen oder anderen Ecke still und leise gearbeitet wurde. „Wenn jeder ein bisschen macht, dann ist am Ende des Jahres vieles erledigt“, bringt er es auf den Punkt. Auch beim Sporthallen-Umbau wird gerne mit angepackt. Der Startschuss an diesem Ortsmittelpunkt fiel bereits, jetzt hofft man auf baldigen Baufortschritt.

Tendenziell, bedauert der Ortsvorsteher, werden die Talbewohner weniger. Die Zuzügler sind oftmals welche mit „Stallgeruch“, die es für Studium oder Beruf in die Metropolen zog, die jetzt aber zurückkehren, „weil sie das Leben auf dem Land zu schätzen wissen“. Leider, vermutet Kuhlmann, sind die drei Orte für Stadtflüchtlinge nicht so attraktiv wie andere Gemeinden. Möglicherweise gibt es „Angst vor der verschworenen Dorfgemeinschaft“. Die ist aber „absolut unbegründet“.

Sägewerk mit Zimmerei sowie der überregional tätige Steinmetzbetrieb Walz „sind wertvoll fürs Tal“, hebt Kuhlmann deren Bedeutung hervor. Ansonsten sind die Jobs „eher ländlich geprägt“. So gibt es ein Motorsägengeschäft von Ralf Beisel, das inzwischen sein Sortiment fast schon „Richtung kleiner Baumarkt für den ländlichen Bedarf“ ausgeweitet hat. Dazu kommt die Metzgerei mit Hofladen in Ober-Sensbach. Es hat sich sogar ein Tierarzt angesiedelt.

Der Großteil der Sensbachtaler arbeitet jedoch auswärts. Während die Hebstahler auch talabwärts Richtung Eberbach orientiert sind, geht die Tendenz in Ober- und Unter-Sensbach eindeutig Richtung Beerfelden. Wie auch bei den weiterführenden Schulen, wo der „klassische Werdegang“ Oberzent-Schule lautet.

Landwirtschaft wird nur im Nebenerwerb betrieben. Die ist aber „kein Zuckerschlecken“ aufgrund der starken Hanglage und des engen Tals mit viel Waldanteil. Wenn Landwirtschaft im Vollerwerb betrieben wird, dann haben die Bauern meist noch ein zweites Standbein.

Kindergarten und Grundschule in Unter-Sensbach sind für den Ortsvorsteher ein gewichtiger Standortfaktor, damit junge Familien im Ort wohnen bleiben. Die Grundschule Sensbachtal hat aufgrund der kleinen Kinderzahl einen familiären Charme „und gehört zum Dorfleben dazu“. Die Kita sieht Kuhlmann „gut aufgestellt“. Mit der zweiten Gruppe werden auch immer mehr Kinder unter drei Jahren betreut.

„Das Angebot wird nachgefragt“, sieht der Ortsvorsteher diesen Mentalitätswandel in der Betreuung auch auf dem Land angekommen. Denn auch hier arbeiten immer häufiger beide Elternteile und die Großeltern sind nicht mehr so greifbar wie früher.

Der ÖPNV ist im Tal eher rudimentär ausgeprägt, erläutert Kuhlmann. Schulbusse sind Richtung Beerfelden ausgerichtet. „Man spürt die Landesgrenze hinter Hebstahl“, sagt er. Die persönlichen Beziehungen gehen ins Hessische, obwohl das badische Gaimühle nicht weit entfernt ist. Will man jedoch weiter nach Michelstadt, wird’s durch das Umsteigen komplizierter. Der Weg läuft dann eher über Mitfahrgelegenheiten, weiß er.

Die Vereine sind stark präsent im Dorfleben. TSV, MGV, NABU, Landfrauen und Feuerwehr bringen sind. Sensbachtal Aktiv als Klammer zwischen allen richtet den Weihnachtsmarkt aus, die Theater-AG entführt jedes Jahr in andere (Bühnen-)Welten. Dazu kommen noch die drei Kerwen in jedem Ort. „Es finden sich immer Bürger, die etwas gemeinsam machen wollen“, ist Kuhlmann stolz.

„Wer in Sensbachtal wohnt, muss wissen, auf was er sich einlässt“, lächelt der Ortsvorsteher. Fünf bis zehn oder mehr Kilometer sind bis zum nächsten Supermarkt oder Facharzt. „Eben typisches Landleben“, erklärt Kuhlmann. Ein Auto ist unverzichtbar. Dafür aber bietet das Sensbachtal Natur pur. Etwa in Form des „Premium-Wanderwegs“. Für dessen Attraktivität stiftete Sensbachtal Aktiv viele Ruhebänke. Der Ortsbeirat steuerte Waldsofas bei, die von freiwilligen Helfern gepflegt werden.

An den Winterwochenenden bezeugten die überfüllten Parkplätze am Krähberg und auf der Sensbacher Höhe die Anziehungskraft des Odenwalds. Ober-Sensbach konnte sogar noch mit Schnee locken. Mit drei Gasthäusern in Ober-Sensbach (Maiers Bauernstube, Holzerstube und Gasthof Reußenkreuz) sowie der „Krone“ in Unter-Sensbach „sind wir gastronomisch ganz gut ausgestattet“, freut sich Kuhlmann. Ohne Corona hätten diese kräftig von den Ausflüglern profitieren können.