Rund ums Schwimmbad spielt sich das Dorfleben ab

„Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen“, bringt Finkenbachs Ortsvorsteher Christian Niesen die Attraktivität seines Dorfs zusammen mit Hinter- und Raubach auf den Punkt. Lage und Aussichten ziehen die Touristen an, machen die drei Orte mit ihrer ruhigen Odenwald-Lage liebens- und lebenswert. Das zeigt sich auch an den ziemlich stabilen Bevölkerungszahlen. Schwimmbad mit Spielplatz ist der zentrale Punkt.

„Was zu verkaufen war, ist weg“, beschreibt Niesen die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Es gibt höchstens noch ein paar Baulücken. Sollte etwas zu annehmbaren Preisen angeboten werden, „ist es schnell verkauft“. Der „Goldene Löwe“ ist seinen Worten nach veräußert. Er soll wieder gastronomisch genutzt werden, berichtet der Ortsvorsteher.

Das wäre ein Gewinn, denn Gaststätten gibt es nicht mehr viele. Die „Traube“ in Finkenbach und die „Raubacher Höhe“ halten noch die kulinarischen Fahnen hoch, wenn sie wieder öffnen dürfen. Die „Edelquelle“ in Hinterbach ist nur noch sporadisch offen.

Mit der Firma Baum und der Odenwaldquelle existieren zwei größere Arbeitgeber. Früher sorgte unter anderem die Bürstenfabrik Edelmann für Jobs. Dazu kommen kleinere Handwerksbetriebe, wie Elektriker oder Zimmermann. Die meisten Berufstätigen pendeln aber entweder nach Hirschhorn ins Neckartal oder Richtung Beerfelden und weiter ins Mümlingtal.

Die Landwirtschaft lohnte sich aufgrund der steilen Hänge und des eher kargen Bodens nicht wirklich. Deshalb wurde sie meistens im Nebenerwerb oder als Hobby betrieben. Niesen berichtet von durchziehenden Schafherden, deren Halter dafür sorgen, dass das Tal offen bleibt.

Traditionell sind die Finkenbacher Kinder nach Rothenberg orientiert. Das ist auch nach der Fusion so geblieben. Kindergarten und Grundschule befinden sich dort. Ab der fünften Klasse geht es dann zur Oberzent-Schule nach Beerfelden oder Richtung Michelstadt zu Gymnasium oder Berufsschule.  

„Mareikes Backshop“ ist für die Nahversorgung in Finkenbach zuständig. Werktags von 5.30 bis 10 Uhr bekommen die Talbewohner hier nicht nur Gebackenes, sondern auch alles rund um den Haushalt, wie Wurst, Getränke, Klopapier, Seife, Waschmittel oder Getränke. Das abgelaufene Jahr, berichtet Niesen, „war etwas härter als sonst“. Denn es fehlten meistens die Übernachtungsgäste im Ort, die Pendler fielen aus, die Feste fanden nicht statt. Aber auf die Ortsbürger war aber immer Verlass.

Mit dem ÖPNV ist im Finkenbachtal kein Staat zu machen. Die Linie 54 zwischen Hirschhorn und Beerfelden verkehrt montags bis freitags außerhalb der Schulzeiten nur sporadisch und dann meist als Rufbus, bedauert der Ortsvorsteher. Am Wochenende muss grundsätzlich vorher angeklingelt werden. Dazu gibt es den Bürgerbus der Generationenhilfe, der an zwei Tagen in der Woche die Orte mit der Kernstadt verbindet. Ohne Auto geht somit praktisch nichts.

Auch sonst hält sich die Infrastruktur in Grenzen. Die Volksbank hat ihren fahrenden Schalter bereits eingestellt, so Niesen. Die Sparkasse spielt seinen Informationen nach mit dem Gedanken. Somit ist die nächste Möglichkeit, sich mit Barem einzudecken, der Automat am Rothenberger Rathaus. Immerhin ist der LTE-Ausbau am Laufen. Denn gerade Hinter- und Raubach sind Täler der Ahnungslosen. Würde der Umsetzer oberhalb des ehemaligen Landschulheims genutzt, ließen sie sich besser versorgen, erklärt Niesen.

Das Vereinsleben pulsiert, wenn nicht gerade Pandemie-Zeiten sind. Der FCF als größter Verein richtet unter anderem das Oktoberfest und das Finkenbach-Festival aus. Die Feuerwehr veranstaltet Grillnacht und Weinfest, der Heimat- und Verschönerungsverein bringt sich am Freibad mit ein. Die Sänger mussten in 2020 leider meistens stumm sein. In Hinterbach stemmen die Aktiven alle zwei Jahre den immer sehr gut frequentierten Kohlenmeiler.

„Der örtliche Zusammenhalt ist da“, freut sich Niesen. Spricht man die Bürger auf ihre Hilfe an, „dann kommen sie auch“. Das lässt sich jedes Jahr am Freiwilligentag feststellen. Bocciabahn und Schachbrett am Schwimmbad sind die neuesten sichtbaren Ergebnisse des Engagements. Sowieso ist das Becken mit dem vorgelagerten Spielplatz und den dortigen Freizeitmöglichkeiten, beispielweise dem Multifunktionsfeld, der „Hotspot“ im Dorf. Die guten Parkplatzmöglichkeiten tragen ihren Teil dazu bei.

Der Kiosk am Schwimmbad war im vergangenen Sommer geöffnet, auch wenn nicht geschwommen werden durfte. Eine richtige Entscheidung. „Er war immer gut besucht“, erläutert der Ortsvorsteher. Die Älteren kamen dort für ein Schwätzchen zusammen. Andere fürs Spätjahr geplante Aktionen wie ein Erste-Hilfe-Kurs oder ein Dia-Abend übers historische Finkenbach mussten jedoch ausfallen.

Der Ortsbeirat hätte gerne noch Hecken und Bäume auf dem Friedhof geschnitten, was aber ebenfalls ausfiel, schildert Niesen den starken Einschnitt ins öffentliche Leben. In diesem Jahr sollen Bäume am Spielpatz gepflanzt werden, damit die Kinder in spe mehr im Schatten spielen können. „Wir hoffen darauf, dass die kommende Schwimmbad-Saison wieder wie geplant stattfinden kann“, betont er. Wobei der Ortsvorsteher auch anmerkt: „Uns auf dem Land geht es noch relativ gut.“

Die Voraushelfer dürfen seit der ersten Coronawelle nicht mehr ausrücken, moniert Niesen. Das hat sich nicht geändert. Dabei wäre die schnelle Hilfe in Notfällen durchaus sinnvoll, weiß der DRK-Mann. „Manpower und Ausbildung sind da, dürfen aber nicht genutzt werden“, bedauert er. Denn es gab schon Situationen, „in denen eine frühere Hilfe besser gewesen wäre“.