Sanierung quasi beendet: Schloss sucht Pächter

Nicht mehr lange, dann werden die letzten Gerüste verschwunden sein. Dann erstrahlt das Hirschhorner Schloss wieder in neuem – alten – Glanz. Alt deshalb, weil bei der aufwändigen Sanierung für knapp drei Millionen Euro in Zusammenarbeit mit der Landesdenkmalbehörde viel Wert darauf gelegt wurde, das Aussehen früherer Jahrhunderte zurückzubringen. Beim zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zeichnet dafür Projektleiter Hermann Felleisen verantwortlich.

Sein Ziel ist es: Ende April die Bauarbeiten zu beenden, während parallel schon die Ausschreibung nach einem neuen Pächter für Hotel- und Gastronomiebetrieb läuft. Ziel des LBIH ist es laut Sprecher Alexander Hoffmann, dass spätestens im Sommer wieder neues Leben auf dem alten Gemäuer einkehrt. Die herrliche Terrasse mit Blick über das Neckartal und Hirschhorn sowie eine zweite Fläche etwas unterhalb Richtung Burghof sind optimal für Außengastronomie geeignet, sollte im Innern eine Bewirtschaftung noch mit Auflagen verbunden sein.

Felleisen ist die Begeisterung anzumerken, wenn er über die Ergebnisse der Sanierungsmaßnahmen spricht. Etwa über den Palas, quasi das frühere „Wohnzimmer“ der Ritter von Hirschhorn. Der wurde komplett freigelegt, von früheren Trennwänden beseitigt und wieder so hergerichtet, als wären die früheren Besitzer gerade ausgezogen. Selbst die alte Farbgebung des Wappenvlieses lässt sich wieder auf der Wand erkennen. Das soll noch hinter Glas verschwinden.

Der Palas, der historischste Teil des Schlosses, wird nach Fertigstellung für die Besucher geöffnet. Sie finden dort Infos übers Schloss und seine Geschichte. Auch will man diverse Fundstücke ausstellen. Von ihm aus geschieht über eine Stahltreppe der Aufstieg zum Bergfried. Eine Seitenwand wurde rot getüncht, um den Charakter einer Hauswand zu erreichen. „Das gibt eine tolle Sache“, schwärmt Felleisen. Er erkennt eine „große Attraktivitätssteigerung“.

Ein anderer Schwerpunkt der (äußeren) Instandsetzungsarbeiten war der Zwingerbereich. Der war laut Felleisen „fast komplett verfüllt“. Da durch den Druck eine starke Rissbildung im Mauerwerk erkennbar war, wurden Massen an Erde und Gestein herausgeschafft. „Mehrere hundert Kubikmeter“, verdeutlicht der Projektleiter. Einen Eindruck davon bekommt man beim Blick auf den großen Sandsteinhaufen neben dem Burgtor. Der Zwinger soll in Zukunft für Führungen zugänglich gemacht werden, so Felleisen. Bei der Gelegenheit entdeckten die Arbeiter auch eine bisher unbekannte Tür.

Die Fassadensanierung, der Austausch der alten Klappläden, die Eindeckung des Dachs mit Biberschwanzziegeln mit Handstrich-Oberfläche, wie sie früher verwendet wurden, oder die Befestigung der Bogensteine an der oberen Mauer: Es ging im Kern darum, die alte Bausubstanz möglichst detailgenau zu erhalten und zukunftsfähig zu machen, erklärt Felleisen.

Eine wahre Herkulesarbeit war die Sanierung von innerer und äußere Mauer sowie Turmstumpf. Auf der kompletten Länge wurde der Bewuchs entfernt, schildert der Architekt die Plackerei. Die Schießscharten waren teilweise nicht mehr erkennbar. Die Mauer Richtung Kloster wurde komplett vom Efeu befreit. Insgesamt, rechnet er nach, beackerte man auf diese Weise über 2000 Quadratmeter.

Die Sonnenterrasse bekam ein neues Schutzgeländer, neue Platten und eine neue Abdichtung, so der Bauleiter. Im kompletten Gebäude wurden die vorherige Einrohr-Heizung („so etwas habe ich als Architekt noch nie gesehen“) und die Elektroleitungen erneuert – immer in Absprache mit der Denkmalpflege.

Damit ist seinen Worten zufolge nun ein ganzjähriger Hotel- und Gaststättenbetrieb möglich. Der war in der Vergangenheit ein Problem, weil im Winter die Zimmer nicht richtig warm wurden. Die zwischenzeitliche frostige Witterung und Lieferschwierigkeit wegen der Corona-Pandemie verhinderten eine frühere Fertigstellung, erklärt er.

„Ein Schmuckstück“ ist nach Fertigstellung die ehemalige Kapelle. Dort befindet sich das Trauzimmer des Hirschhorner Standesamts. Hier baute man die Zwischendecke aus, „um den ganzen Raum erlebbar zu machen“. Dass es überhaupt dazu kam, hat Felleisen zufolge damit zu tun, dass man bei der Dacherneuerung Zugang zu einem bisher verschlossenen Raum erhielt. Flugs wurden die Kosten ermitteln und man ging zu Werke.

Auf dem Weg zum Trauzimmer fallen die alten Verzierungen über den Türen auf. „Architekturmalerei“, erklärt der Bauleiter, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Sie erstreckte sich früher über den ganzen Mauertrakt, denkt er. Leider wurde vieles im Laufe der Zeit zerstört. „Der Raum wird an Atmosphäre dazugewinnen“, ist er sicher. Und somit als „Eye-Catcher“ nicht nur Brautpaare aufs Schloss ziehen.

Da sowieso praktisch alles in die Hand genommen wurde, beseitigte der Bautrupp auch gleich die Bausünden der 1960er Jahre. Dazu zählt Felleisen sichtlich entrüstet den Kunststoffputz, mit dem die Wandflächen überzogen waren. Er wich einem Kalkanstrich, wie er historisch korrekt ist. Oder Wände und Decken im Restaurant. Hier flog die alte Raufasertapete raus, jetzt glänzt die alte Stuckdecke in neuer Pracht. Alles angelehnt an frühere Farbgebungen.

Außerdem wurden weitere Ein- und Anbauten aus dieser Zeit entfernt. Dazu gehört der fürs Personal. „Den haben wir abgerissen“, erklärt der Architekt. Denn er stand auf unsicherem Fundament. Die dortigen Räume konnte man im Schlossbereich unterbringen. Auch wenn es jedes Jahr Bauunterhaltungsmaßnahmen gab, war es jetzt somit „die größte Sanierung seit den 60er Jahren“.

Felleisen, der in seinen knapp 40 Arbeitsjahren schon seit einiges an Schlössern und Burgen gesehen hat, bleibt die Maßnahme „berufstechnisch in Erinnerung“. Auf seinem Weg zur Arbeitsstätte genießt er, aus dem Hirschhorner Tunnel kommend, den Blick zum Schloss und die Auffahrt. Was andere in der Freizeit machen, schmunzelt er, „habe ich hier jeden Tag: Burgen anschauen“.

Der Architekt Johannes Hug aus Darmstadt hat die planerischen Akzente für den Palasaufbau und –ausbau, für die Restauranträume etc. entwickelt. Dr.-Ing. Anja Dötsch Fachgebietsleiterin Bauangelegenheiten und Denkmalpflege, Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

Info: Die Ausschreibung für die Verpachtung des Hirschhorner Schlosses wird demnächst auf der Internetseite des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zu finden sein, http://www.lbih.hessen.de.

Schloss Hirschhorn: Zahlen und Fakten

Baubeginn: ca. 1250 als spätstaufische Hangburg. Sie umfasste einen 16 Meter tiefen Halsgraben, einen quadratischen Mauerring, Schildmauer, Toranlage und Bergfried

Heute noch erhaltene Zeugnisse aus den Anfangsjahren: mächtige Schildmauer und Reste eines ersten Wohnbaus (Palas) mit gotischem Fenster (ca. 1300)

15. bis 17. Jahrhundert: fortwährender Um- und Ausbau

Bau des neuen Palas in Renaissanceausgestaltung (Hatzfeld-Bau): zwischen 1583 und 1586

1632 starben die Hirschhorner Ritter aus. Die Burg ging an Kurmainz und 1803 an Hessen-Darmstadt

1803 bis 1918: Amtssitz des Großherzogtums Hessen-Darmstadt

Ab 1949: Das Land Hessen ist Eigentümer

Ab 1959: Im Renaissancebau sowie im Marstall-Nebengebäude ist ein Hotel mit Restaurant untergebracht

Die Burgkapelle aus dem 14. Jahrhundert mit ihren Fresken wird heute als Trauzimmer der Stadt Hirschhorn genutzt

Hotel: acht Zimmer im Hauptgebäude und 24 im Marstall

Restaurant mit Nebenraum: Platz für bis zu 90 Gäste, Rittersaal bis zu 60, multifunktionaler Raum für Veranstaltungen bis zu 20 Gäste, große Terrasse ca. 75 Sitzplätze. Zusätzlich gibt es eine weitere Terrasse, geeignet für kleinere geschlossene Gesellschaften.