Verwaltung steht vor großen Umwälzungen

„Eine gute Organisationsstruktur ist Basis für eine leistungsfähige Verwaltung“, lautete der Titel eines SPD-Antrags auf der vergangenen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses Beerfelden. Die Verwaltung war in der Zwischenzeit aber sowieso schon tätig geworden – was auch damit zusammenhing, dass der Antrag erstmalig im August aufploppte. Somit gab es keinen Anlass mehr für einen entsprechenden Beschluss-Vorschlag an die Stadtverordneten-Versammlung.

Vor mehr als fünf Jahren, erläuterte Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig die Hintergründe, wurde im Rahmen der Fusionsvorbereitungen ein Bericht mit Empfehlungen für den Verwaltungsaufbau der neuen Stadt erstellt. Im vierten Jahr danach sollte nun eine gründliche Überprüfung der damals unterstellten Annahmen angegangen werden, wünschten sich die Sozialdemokraten. Die aktuelle Organisationsstruktur sollte kritisch betrachtet werden.

Eventuell müsse man aus neuen Erkenntnissen Konsequenzen ziehen. Ihrig machte klar, dass es um Organisation und Leistungsfähigkeit geht und sich der Antrag nicht gegen die Mitarbeiter richtet. Vielmehr könnten die Erfahrungen diesen sogar zugutekommen, hob er hervor.

Bürgermeister Christian Kehrer erklärte, dass es 2017 für die Gemeinden eine Umsetzungsbegleitung zur Fusion gab. Allerdings wurde hierbei nicht berücksichtigt, bedauerte er, dass in den vier ehemaligen Kommunen viele Themen existierten, die seither nur unzureichend bearbeitet wurden und die Stadt Oberzent bis heute, auch personell, vor entsprechende Herausforderungen stellen.

Defizite und Schwachstellen in der Verwaltungsorganisation, wie eine fehlende Rechtsabteilung, im Bereich des Satzungsrechts und der Personaleinsatz aufgrund der dezentralen Standorte, sind laut Kehrer bekannt. „Hier wird bereits intensiv an Lösungen gearbeitet“, betonte er. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten in den vergangenen Monaten keine Schulungen stattfinden. Allein durch Webinare „war es nicht möglich, Verwaltungspersonal im gewünschten Umfang zu qualifizieren“.

Weitere Probleme sieht er darin, dass neue Aufgaben, wie Digitalisierung, Umsatzsteuergesetz 2b oder Holzverkauf, auf die Kommunen übertragen werden. Kleinere Gemeinden sollen diese mit dem vorhandenen Personal bewältigen, kritisierte das Stadtoberhaupt. Beantragung und Abwicklung immer weiter zunehmender Fördermittel charakterisierte er als „sehr umfangreich“.

Der Magistrat beschäftigt sich dem Bürgermeister zufolge ständig mit diesem Thema. Man will Personal effizienter einsetzen können und stellte Überlegungen bezüglich der vier Verwaltungsstandorte, der benötigten Anzahl von Mitarbeitern im Bürgerservice und dem Umgang mit der zukünftig zu erwartenden Personalfluktuation an.

Eine Abfrage über den beabsichtigten Rentenbeginn ergab, dass innerhalb der Verwaltung in den nächsten vier Jahren altersbedingt viele Mitarbeiter in Rente gehen, erklärte der Rathauschef. 2024 sind es insgesamt sechs Stellen. Die Erfahrungen der letzten Nachbesetzungen haben seinen Worten nach gezeigt, dass es schwierig ist, geeignetes Fachpersonal zu finden. Innerhalb der Kommunen ist ein Wettbewerb entstanden, der sich verstärken dürfte.

Kehrer zufolge ist es deshalb „notwendig, dass Neueinstellungen frühzeitig erfolgen“. Nur so kann die erforderliche Einarbeitung erfolgen, damit man auch in Zukunft leistungsfähig bleibt. Er blickte nach vorn: Die Verwaltung, wie es sie heute gibt, „wird es in Zukunft nicht mehr geben“. In der Bürgermeister-Kreisversammlung ging es bereits im vergangenen Jahr insbesondere um Themen wie die Zukunft der Kommunen und der Verwaltung sowie weitere Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit.

Von der kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement gibt es eine Stellenbewertungsdatenbank. Hier wird zurzeit von Verwaltungsseite aus überprüft, inwieweit diese Stellenbeschreibungen und -bewertungen auf die Stadt Oberzent übertragen werden können, informierte der Rathauschef.

In Anbetracht dessen wäre die Untersuchung der Organisationsstruktur, wie sie im SPD-Antrag aufgeführt ist, nicht zielführend und zu kurz gedacht, so Kehrer. Der Magistrat hatte in der Zwischenzeit eine Stellenbewertung in Auftrag gegeben. Die entsprechenden Kosten wurden in den Haushalt 2021 eingestellt. Gleichzeitig befürwortete man den SPD-Antrag. Insgesamt finden sich somit 60.000 Euro im Planentwurf wieder, für die ein Zuschuss von 50 Prozent beantragt wurde.