Der Blick richtet sich nach vorn

„Musik und Lockdown ist schwieriges Thema“, sagt Klaus Wilka. Er weiß, wovon er spricht, denn der Hetzbacher ist im Odenwaldkreis vielfältig musikalisch aktiv. Seine ersten Sporen verdiente er sich als „Strom-Gitarrist“ bei der Oberzent-Schulband. Vielen ist er als Mitglied des legendären „Beerfelden Blues Brojects“ in Erinnerung, tourte in letzter Zeit mit Marco Born aus Rai-Breitenbach als „Dr. Soul & Mr. Blues“.

Das Duo hatte 2020 im August und September „tatsächlich ein paar Auftritte, bevor wieder Schluss war“, erinnert sich Wilka. Erfreulich ist für ihn, dass es aktuell für Juni, Juli und August dieses Jahres tatsächlich einige Buchungen gibt. „Wir hoffen, dass das dann auch irgendwie klappt.“ Ein Veranstalter bot den beiden die Möglichkeit eines Live-Streams an, was sie aber nicht wahrnehmen. „Wir glauben, dass Dr. Soul & Mr. Blues von unserer Spontanität und der Interaktion mit dem Publikum lebt“, erklärt der Hetzbacher. „Das kommt per Stream einfach nicht rüber.“

Ansonsten sehen sich die Musiker derzeit wenig. Außer vor kurzem: Da gab es ein echtes Highlight, schmunzelt er. „Wir haben uns kurzfristig für einen Workshop des bekannten Gypsy-Swing-Gitarristen Josho Stephan angemeldet.“ Der gilt als Fortbildung, deshalb konnte er stattfinden, erläutert Wilka – natürlich unter strengen Auflagen und nur mit einem kleinen Teilnehmerkreis. Aber endlich mal, freut er sich, ein Wochenende mit Musik. Es war zwar etwas anderes gegenüber dem, „was wir sonst machen“. Dafür schön schwierig „und die Finger haben geglüht“.

Bei Wilkas Rockband „Fools Crossing“, die Musiker aus dem Odenwaldkreis vereint, „läuft zur Zeit nichts“, bedauert er. Wegen der Auflagen kann aktuell nicht einmal geprobt werden. „Wir hoffen, dass das zumindest bald klappt“, zeigt er sich zuversichtlich. Der Rock-Fünfer mit Steffi Schäfer am Mikro bringt sonst jedes Fest zum Tanzen.

Erfreulich für den Volksbanker ist, dass sein „Corona-Projekt“ mit der aus Beerfelden stammenden Sofia Glaser und seiner Tochter Esther weiterhin Bestand hat. „Das Feedback nach unserem Auftritt im Hüttenwerk war einfach überwältigend“, erzählt er. Das Trio traf sich danach ein paar Mal und feilte am Programm. Dann gab’s aber ungeahnte Schwierigkeiten. Da Sofia Glaser bei Heidelberg lebt und in Baden-Württemberg lange abends Ausgangssperre herrschte, war eine Probe unter der Woche nicht möglich.

Klaus Wilka übt im Moment viel mit seiner Tochter, teilweise auch Stücke, „die ich schon immer mal machen wollte“. Dazu zählt er Al Di Meolas „Mediterranean Sundance“. Esther Wilka studiert „Sound and Music-Produktion“ in Dieburg. Aktuell, erzählt ihr Vater, findet alles nur per Zoom virtuell statt. Das sieht er gerade bei diesem Studiengang als schwierig an: „Sie können nicht in die Studios zu Aufnahmesessions.“ Für die Studenten eine schwierige Zeit, weiß er auch von Sohn Hendrik, der –derzeit ebenfalls nur virtuell – Mathe im Masterstudiengang studiert.

Abgesehen vom aktiven Musikmachen „fehlt mir vor allem auch die Möglichkeit der Konzertbesuche“, erzählt der Hetzbacher. Seine Frau und er denken mit Wehmut an die schönen Abende des vergangenen Jahres im Hüttenwerk Michelstadt. Dort spielte er auch zwei Mal live, mit „Dr. Soul & Mr. Blues“ und mit „Sofia and the Double U’s“. Die Wilkas erlebten „tolle Konzerte mit hervorragenden Künstlern“, alles in einer besonderen Atmosphäre.