Die Veröffentlichung ist ihr eine Herzensangelegenheit

„Krankheit heilt! Heilt Krankheit?“ So betitelte die Lehrerin an der Oberzent-Schule Beerfelden, Anna-Katharina Sauermilch, ein Buch, das sie für ihre an Krebs verstorbene Mutter veröffentlichte. Im Februar 2001 erhielt Renate Bihn die Diagnose Brustkrebs. Auf die erhoffte Heilung im Sommer folgte die Wiedererkrankung im Oktober. Die geliebte Mutter starb Anfang 2003. In der Zwischenzeit schrieb sie ihre ganz persönlichen Antworten auf drängende Fragen auf.

„Was bedeutet es krank zu sein? Wie sieht ein Leben mit der Krankheit aus? Ist es das Ende, ein Anfang eine Qual oder sogar eine neue Chance?“: Diese Dinge beschäftigten Renate Bihn an ihren letzten Tagen. Sie fand ihre ganz persönlichen Antworten. „Diese wollte sie nie mehr verlieren und schrieb sie auf“, erinnert sich die Tochter. Sie gab nun den schriftlichen Ausführungen und zur Verarbeitung der Lebenssituation gemalten Bildern einen Rahmen und veröffentlichte das Buch.

Bereits seit vielen Jahren verfolgte Anna-Katharina Sauermilch den Plan, die Werke ihrer Mutter auszustellen oder sie zu publizieren. Aber wie das Leben so spielt: „Es kam immer etwas anderes dazwischen“, erzählt sie. Mit dem „Anderen“ sollte im Corona-Jahr 2020 endlich Schluss sein. „Ich nutzte die Zeit der Ruhe, Distanz und des Abstandes sowie unsere kleine Tochter Helena als Quelle der Motivation und Liebe für mich“, erläutert die Wahl-Odenwälderin. Das Ergebnis liegt nun vor.

Die Werke ihrer Mutter „bedeuten mir schon immer unglaublich viel“, erklärt ihre Tochter. „Durch die Texte kann sie zu mir/uns sprechen“. In der schlimmen Zeit der Krankheit begann Renate Bihn, sich künstlerisch auszudrücken. Schon damals haben ihre Werke (in Ausstellungen und Vorträgen) viele Menschen, vor allem andere Krebspatienten, tief bewegt, weiß die Tochter. Sie konnten hieraus neue Kraft schöpfen. Viele ihrer Bilder hängen im Haus in Lautertal.

„Meine Mama war für mich die tollste Mama, die ich mir nur hätte wünschen können“, erzählt die Autorin. Daher ist die Veröffentlichung für sie einerseits ein Andenken und eine Danksagung an den einzigartigen Menschen Renate Bihn, „durch den ich der Mensch wurde, der ich heute bin“. Auf der anderen Seite ist das Buch für sie aber auch ein Aufruf, ein Hoffnungsschimmer, „ein Mutmacher für all jene, die ihn hören und sehen wollen“.

Anna-Katharina Sauermilch musste selbst schon den einen oder anderen Schicksalsschlag wegstecken – vor allem den Tod der Mutter und den ihres Bruders 2010. „Dadurch weiß ich auch, wie es ist zu glauben, alles mache keinen Sinn mehr“, verdeutlicht sie. Doch gerade diese schweren Zeiten sind es, „die uns zu Mut, Freude, Liebe, Mitmenschlichkeit und Hoffnung aufrufen“, betont die Lehrerin. Dann „können wir persönlich wachsen und entscheiden, wer wir sind und sein wollen“, hebt sie hervor.

Die Veröffentlichung ist ihr eine Herzensangelegenheit. Sauermilch hofft, dass die Bilder und Texte ihrer Mutter auf diesem Wege noch viele weitere Menschen erreichen und ihnen – vielleicht gerade in einer schwierigen oder hoffnungslosen Zeit – ein Lichtblick sein können. „Braucht es immer einen Unfall, eine schlimme Krankheit oder eine Corona-Pandemie, um sich auf das wirklich wichtige im Leben zu besinnen?“, meint Sauermilch.

„Wieso entscheiden wir nicht jetzt gleich, was uns persönlich wirklich wichtig ist und was uns glücklich macht?“, ist ihre Lebenseinstellung. Schon ihre Mutter riet: „Mache jeden Tag zu deinem Tag, hinterlasse Spuren, forme eine Erinnerung an einen Menschen, der du sein möchtest. Es liegt einzig und allein in deinen Händen.“

Info: Das Buch ist per E-Mail unter anna-katharina.bihn@web.de erhältlich.

Anna-Katharina Sauermilch, geb. Bihn (30), wurde in Hanau geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Rödermark/Ober-Roden. Schon früh spielte der Sport eine große Rolle in ihrem Leben. Sie war 2010 bis 2018 Kinder- und Jugend-Leichtathletiktrainerin bei der Darmstädter TSG. 2019 gründete sie die Kinder-Leichtathletikabteilung der SG Lautern und ist seitdem dort Trainerin.

Mit dem zweiten Staatsexamen in Darmstadt 2017 war sie an der Melibokusschule Alsbach-Hähnlein und im Schuldorf Bergstraße Seeheim-Jugenheim tätig, 2017/2018 Lehrerin am Schuldorf Marienhöhe in Darmstadt, 2018 bis 2020 in Elternzeit und ist seit 2020 Lehrerin an der Oberzent-Schule Beerfelden.

Nach der Heirat mit Eugen Sauermilch zieht das Paar Ende 2017 nach Lautertal/Kreis Bergstraße. 2018 kommt Tochter Helena auf die Welt.

Schon seit ihrer Kindheit schreibt die Lehrerin „unglaublich gerne Geschichten“ und verfasst Gedichte.