„Es fehlt einfach ein Teil meines Lebens“

Plötzlich war Sense mit den Auftritten. Von einem Tag auf den nächsten gab es keine Veranstaltungen mehr, erinnert sich der Schlagzeuger der Hüttenwerk-Hausband, Thomas Klein aus Michelstadt, an die Zeit vor einem Jahr. Zwar ist die Musik für ihn „nur“ Hobby, aber ein sehr intensiv gepflegtes. „Die zwei Jahre vor Corona habe ich sehr viel gespielt“, erzählt der 39-Jährige. Und das querbeet, als Springer bei vielen Formationen. Auch bei Combos, „wo ich keinen kannte“, lacht er.

„Mir ist einiges weggebrochen“, erzählt der Michelstädter. Zum Glück, meint er, hat er seinen Hauptberuf bei einer Gebäudereinigungsfirma. Früher, sagt Klein, beneidete er die hauptberuflichen Drummer. Jetzt weiß er seinen festen Job neben der Musik zu schätzen. Die ist „auch eine Lebenseinstellung“, betont er. Diese vermisst er sehr. Trotzdem sieht er sich in einer anderen Situation als diejenigen, „die jetzt Berufsverbot haben“.

Es nervt den Odenwälder, dass die Veranstaltungs- und Kulturbranche oft in Politik und Medien etwas vergessen wird. Denn bei ihr handelt es sich seinen Worten zufolge um einen riesigen Wirtschaftszweig, der Steuern zahlt und Familien ernährt. „Hoffentlich bringt der Sommer etwas Lockerung und hoffentlich steuern wir langsam besseren Zeiten entgegen“, betont der Musiker. Das wünscht er sich allem auch für seine drei Kinder.

Die mangelnden Auftrittsmöglichkeiten schlagen sich ebenfalls in der Motivation nieder. Nur zwei Mal, auf der Kulturbühne und bei der „Sommersause“ im Hotel-Restaurant „Drei Hasen“, konnte „Another Livetime“ im vergangenen Jahr auftreten. „Ich übe derzeit nicht regelmäßig“, bekennt der Musiker, wesentlich weniger als zu normalen Zeiten. Klein fehlt ein bisschen der Antrieb, „weil nichts in Aussicht ist“.

Er macht Musik seit mehr als 25 Jahren, spielte mit „Stargate“ die Kerwen im Odenwald hoch und runter und ist jetzt mehr oder weniger zum Nichtstun verdammt. Quasi das ganze Jahr unterwegs zu sein, mit vielen Kollegen auf der Bühne zu stehen, brachte viele „tolle Erlebnisse“ mit sich, erzählt der Drummer. Ein super Konzert bedeutete „ein paar Tage super Laune“, schmunzelt er. Wobei Klein derzeit nicht in ein Loch gefallen ist, wie er betont, „sondern mir einfach ein Teil meines Lebens fehlt“.

Deshalb freuen sich er und die Band, endlich wieder auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen, wenn es für alle sicher ist. Sobald im Hüttenwerk wieder etwas stattfinden kann, „wird die Hausband natürlich wieder spielen“, kündigt er an. Auch wenn das alle noch so sehr vermissen, „ist die Gesundheit jetzt das wichtigste“, betont der Drummer. „Durchhalten ist halt noch eine Weile angesagt.“ 

Der Schlagzeuger wünscht sich, dass in absehbarer Zeit die Corona-Zahlen so zurückgehen, „dass draußen mit guten Konzepten mehr möglich ist“. Mit seinen Kollegen steht Klein derzeit nur sporadisch in Kontakt. In der Band-eigenen WhatsApp-Gruppe „wird weniger geschrieben als sonst“, hat er festgestellt. Proben finden sowieso nicht statt.

Die Open-Air-Kulturbühne im vergangenen Jahr, zu der sich die Odenwälder Kulturschaffenden zusammengetan hatten, „fand ich ganz toll“, erzählt der 39-Jährige. Leider waren es insgesamt bei den verschiedenen Veranstaltungen zu wenige Zuschauer, bedauert er. Nicht nur beim Auftritt der Hausband war noch Luft nach oben. Sollten im Sommer wieder Events draußen stattfinden können, „müssen genug Leute kommen“, damit sich die Events auch rechnen, sagt Klein.

Thomas Klein am Schlagzeug gehört mit Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) und Bassist Christoph Victor Kaiser (Heppenheim) zur Rhythmus-Sektion bei „Another Livetime“. Sängerin und quasi Allrounderin in Diensten der Band ist Michi Tischler vom Hüttenwerk. Am Saxofon ist Anke Rible (Lindenfels) zu hören, die Gitarre bedient Jens Reyer aus Erlenbach. Zu den jeweiligen Konzerten werden immer Gäste eingeladen.

Schlagzeuger Thomas Klein (39) wohnt mit seiner Familie in Michelstadt. Er ist Objektleiter bei einer Gebäudereinigungsfirma. Schon mit 13 Jahren startete er seine Musikerkarriere bei der Blaskapelle Langebrombach. Er gründete vor etwa 15 Jahren die Hüttenwerk-Hausband „Another Livetime“ mit. Als Springer leiht er vielen Bands der Region seine Schlagzeugstöcke, beispielsweise Amokoma und der Jens Huthoff Band. Früher bei den K-Rings aktiv, trat Klein 2017 unter anderem zusammen mit Dieter Bohlen beim Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg auf.