Hoffnung auf bald steigende Holzpreise

Beerfeldens Forstamtschef Ronny Kolb macht gebeutelten Waldbesitzern Hoffnung. Er rechnet damit, dass die Preise für frisch eingeschlagenes Kiefern- und Fichtenholz in der zweiten Jahreshälfte nach oben schnellen werden. Denn der Markt ist ausgetrocknet. Das merken derzeit Endverbraucher, die im Baumarkt um einiges mehr bezahlen müssen, aber auch Baufirmen, denen die Einkaufspreise für Holz davonlaufen. Kolbs Aber für die Besserung: keine Sturmschäden, keine Trockenheit, keine Käfer.

Die Preise für Schnitt- und Bauholz „sind in den vergangenen Wochen explodiert“, sagt der Leiter des Forstamts Beerfelden, zu dem neben Oberzent auch der Überwald und das hessische Neckartal gehören. Teilweise stellt er Steigerungen bis 300 Prozent fest. Auf der anderen Seite, weist Kolb auf den Widerspruch hin, „liegt so viel Holz im Wald wie noch nie“.

War der Käfer am Werk, zahlen derzeit die Sägewerke gerade einmal 25 bis 30 Euro pro Festmeter, erzählt der Forstmann. In etwa so viel, wie die Aufarbeitung kostet. „Deshalb steht noch viel trockenes Holz in den Wäldern“, erklärt er. Allerdings nicht in ganz Deutschland, sondern vor allem in der Mitte. Südbayern ist davon kaum betroffen. „Die kennen kaum Kalamitäten“, sagt der Experte.

Die Globalisierung macht auch vor dem Holzmarkt nicht halt, verdeutlicht Kolb die weltweite Dimension der aktuell steigenden Preise. Für die Sägeindustrie hat sich mit China und den USA ein Riesenmarkt mit großen Gewinnmargen aufgetan, schildert er. Da es US-Zölle auf kanadisches Schnittholz gab, wird das Material aus Europa eingeführt. Somit ein „extremer Absatzmarkt“.

Parallel dazu zog dem Forstamtsleiter zufolge die Inlandsnutzung im vergangenen Jahr ebenfalls an. Hintergrund: Wegen der Corona-Pandemie fuhren viele Menschen nicht in Urlaub und widmeten sich stattdessen den eigenen vier Wänden. Die Nachfrage zu teuren Preisen ist derzeit fast nicht zu befriedigen, beobachtet Kolb.

„Wir können frisches Holz wieder anbieten, wenn vernünftige Verkaufspreise erzielt werden“, freut er sich. Denn zeitverzögert ziehen die auch gerade kräftig an. Kolb rechnet damit, dass gegen Jahresende wieder ähnliche Summen wie vor 2018 erreicht werden können, als damals zu Jahresbeginn Sturm Friederike den Abwärtstrend auslöste. Seine Einschränkung: Es dürfen keine Kalamitäten mehr kommen.

Zwar ist im Odenwald auch noch Käferholz verfügbar. Das ist qualitativ genauso gut wie frisch eingeschlagenes und kann gut für Häuser in Holzständerbauweise verwendet werden. Derzeit wird es den Verkäufern „aus den Händen gerissen“, weil die Nachfrage aus den USA und China so hoch ist. Laut dem Forstmann braucht die Sägeindustrie allerdings das optisch hochwertigere Material, „weil im Bausektor viel mit Sichtfaktor gearbeitet wird“. Etwa die Deckenbalken im Wohnzimmer.

Vor allem bei Fichte und Kiefer, den in der Region vorherrschenden Baumarten, waren die Preise in den Keller gerauscht. Neben den Privatwaldbesitzern, für die sich eine Aufarbeitung oft nicht mehr lohnte, litten darunter auch die Kommunen, für die ihr Waldwirtschaftsplan in früheren Jahren ein Goldesel war – den man aber jetzt zufüttern musste. Für andere Laub- und Nadelbäume, wie Buche, Lärche oder Douglasie, werden weiterhin Spitzenpreise erzielt.

Kolb versichert: „Die Renaissance wird kommen.“ Denn das Käferholz ist so gut wie überall weg. „Im Odenwald stehen nur noch Kleinstmengen“, erläutert der Förster. Das hat auch mit dem konsequenten und zielgerichteten Vorgehen aller Beteiligten zu tun. Mehr Sorgen macht ihm der Schneebruch des vergangenen Winters. Hier müssen die Fachleute eingreifen, „damit wir uns keine Käfer züchten“. 

Wo es große zusammenhänge Flächen gab, ging die Aufarbeitung schneller vonstatten, erklärt der Forstamtschef. Bei Streuwaldbesitz, etwa in Langenthal oder auf der Tromm, „gab es signifikant höheren Befall“. Kolb lobt aber die sehr gute Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern. Der Dreiklang aus diesen, der Erfahrung und den fitten Unternehmern „wirkt positiv“, sagt er. Denn die Käferbekämpfung „ist ein mordsmäßiger Aufwand“, bei man nicht nachlassen darf.

Kolb sieht vor dem Hintergrund des Klimawandels mit immer häufigeren Extremwetterereignissen den Waldumbau als „aktueller denn je“ an. Das Forstamt setzt dabei auf Diversität. Fichte und Kiefer bleiben erhalten, werden aber bereichert durch andere, junge Bäume, die resistenter gegen solche heftigen Schwankungen inklusive Trockenheit sind.