Jugendliche Power für Stavo und Kreistag

Der Jugend eine Stimme geben, die Vereine stärker fördern, das Ehrenamt unterstützen sowie die Stadt kulturell und touristisch voranbringen: Dafür stehen in der neu gewählten Oberzent-Stadtverordnetenversammlung die jüngsten Mitglieder: Dominique Deutsch (SPD) und Yannick Ullmann (CDU), beide 22 Jahre alt. Deutsch wurde zusätzlich sogar direkt in den Odenwald-Kreistag gewählt, Ullmann kam als erster Nachrücker nachträglich zum Zug.

Beide standen für ihre jeweilige Fraktion bereits nach der Fusion 2018 auf der Oberzent-Kandidatenliste. Ullmann, gleichzeitig Vorsitzender der Jungen Union, war schon in der bisherigen Stavo vertreten. Deutsch schaffte vor drei Jahren noch nicht den Sprung. „Da war ich noch zu unbekannt“, lacht sie.

Auch dieses Mal, erklärt sie, „war ich skeptisch, weil ich dachte, es kennen mich zu wenige“. Was sich aber als Trugschluss erwies, denn es reichte für die direkte Wahl in beide Parlamente. Die 22-Jährige hatte sich vor ihrem Eintritt in die Kommunalpolitik die Wahlprogramme aller Parteien gründlich angeschaut und die meisten Übereinstimmungen in dem der SPD gefunden.

Dominique Deutsch sieht die Altlasten der vier ehemaligen Gemeinden „noch nicht ausgeräumt“ und will mit ihrer Arbeit in der Fraktion dazu beitragen, dass die nicht mehr ganz so neue Stadt noch etwas mehr zusammenwächst. Denn ihrer Meinung nach ist das Potenzial der Fusion „noch nicht ausgeschöpft“. Mit ihrem beruflichen Background will sich die Airlenbacherin neben dem sozialen auch in den wirtschaftlichen Bereich einbringen.

Wichtig ist für die SPD-Kommunalpolitikerin „ein gutes Bildungsangebot vor Ort“. Das fängt für Deutsch schon bei Kindergartenplätzen an. Hier geht es darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Flexible Angebote in den Kitas, wie etwa Nachmittagsbetreuung, betrachtet sie als notwendig, damit die Mütter einem Beruf nachgehen können. Zum Komplettpaket zählt für sie der Waldkindergarten.

Neben Grund- und Gesamtschule sollte für sie auch eine Berufsschule im Odenwaldkreis ansässig sein, „damit die jungen Menschen nicht nach Darmstadt müssen“. Daneben steht auf ihrer Agenda der Ausbau des „Odenwald-Studiums“ – um die Leute vor Ort zu halten. Das ist, hebt die 22-Jährige hervor, auch im Sinne der Unternehmen, die damit auf qualifizierte Arbeitskräfte vor Ort zurückgreifen zu können.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund ihrer eigenen Aktivitäten im JFO ist für Deutsch die Vereinsförderung „ein ganz großes Thema“. Viele junge Leute sind in den verschiedenen Oberzent-Organisationen aktiv, weiß sie. Leider gibt es „noch keine richtige Satzung“, wie die städtischen Zuwendungen geregelt werden, bedauert sie. Damit wird die eine oder andere Vereinsarbeit erschwert.

In Sachen Kultur spricht sich die frisch gebackene Stadtverordnete für attraktive Angebote aus, die junge Leute ansprechen. Die Nutzung des Geländes am Marbachstausee und das dortige Festival „Sound of the Forest“ bezeichnet sie in diesem Zusammenhang als ganz wichtig. Natürlich gilt es, betont Deutsch, mit Rücksicht auf die Anwohner einen Kompromiss zu finden. „Ich will mit einer jüngeren Sichtweise draufschauen“, sagt sie.

Allerdings muss dann, hebt die 22-Jährige hervor, auch das Mobilitätsangebot stimmen. „Man sollte noch nach Hause kommen“ – gerade nach dem Besuch eines solchen Festivals. Aus eigener Anschauung weiß sie, wie eingeschränkt der ÖPNV in Airlenbach ist. Deutsch wünscht sich im Parlament eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen. Denn letztlich, betont sie, geht es darum, die Stadt gemeinsam voranzubringen.

Ihr Kollege Yannick Ullmann (CDU) wurde bereits mit 19 Jahren in der ersten Kommunalwahl nach der Oberzent-Fusion 2018 in die neue Stadtverordneten-Versammlung gewählt. Der heute ebenfalls 22-Jährige war schon während der Schulzeit politisch interessiert, berichtet er. Was nicht zuletzt in seiner Fächer-Auswahl zum Ausdruck kam: Er belegte den Politik-Leistungskurs.

Vor der Kandidatur beschäftigte er sich wie auch Deutsch mit den Programmen der verschiedenen Fraktionen. Bei der CDU „fühle ich programmatisch und von den Werten her aufgehoben“, erklärt Ullmann. Die bisherige Arbeit mit einer guten Truppe von jungen und erfahrenen Leuten „hat mir viel Spaß gemacht“, sagt er.

Jahrelang beim TV Beerfelden aktiv, kennt der Kommunalpolitiker die Bedarfe der Vereine. Deshalb ist es ihm wie auch seiner gleichalterigen Kollegin wichtig, endlich eine Fördersatzung auf den Weg zu bringen. Die vor der Wahl verabschiedete Vereins-Coronahilfe sieht er als Zwischenlösung für das nach wie vor auf diesem Feld bestehende Defizit.

Ullmann spricht sich weiterhin für eine „Ermöglichungskultur“ aus. Es soll nicht immer nur darüber geredet werden, „was nicht geht“, fordert er. Er wünscht sich eine positive Herangehensweise. „Was ist wie machbar“, lautet für ihn der Ansatz. Unter diese Prämisse fällt für den 22-Jährigen auch die bessere Vermarktung von touristischen und kulturellen Highlights der Stadt.

Seine Aktivitäten auf Kreisebene sieht der CDU-Politiker durch seine Berufsausbildung und die Tätigkeit als Jungunternehmer geprägt. Es geht ihm darum, „den Wirtschaftsstandort Odenwald voranzubringen“. Die Region bietet mehr, als nach außen dringt, betont er: „Wir reden uns zu klein“. Wichtig ist in einer ländlichen Gegend „eine gut ausgebaute Infrastruktur für Firmen“, hebt er hervor. Dazu zählt er die Digitalisierung, deren Perfektionierung Ullmann als unabdingbar bezeichnet.

Das frischgebackene Kreistagsmitglied will eine „Wertschätzung für Existenzgründer“. Denn die, betont er, „sind die Steuerzahler und Arbeitgeber von morgen“. Ullmann möchte die bei der OREG angesiedelte Wirtschaftsförderung intensivieren, bekräftigt er. Auf Oberzent bezogen wünscht er sich deshalb eine zusätzliche Ausweisung von Gewerbeflächen, nicht nur in der Kernstadt Beerfelden selbst, und deren zielführende Vermarktung. Das kommt seiner Beobachtung nach „bis zu kurz“.

Dass Ullmann auf der Kreistagsliste von Platz 31 auf 13 vorgewählt wurde, „war für mich eine große Überraschung und ehrt mich“- Generell, stellt er erfreut fest, sind Mitglieder der Jungen Union gut in den aktuellen Kommunalparlamenten des Odenwaldkreises vertreten. Das fängt beim Kreistag an und setzt sich in Oberzent fort, wo fünf der acht Mitglieder der JU angehören. „Das entspricht überhaupt nicht dem Klischee über die CDU“, lacht er.

Dominique Deutsch (22) wohnt in Airlenbach. Sie ist nach ihrem BWL-Bachelor-Studium der Fachrichtung Banken/Finanzen Projektmanagerin bei einem Kreditinstitut im Digitalbereich. Nach der Grundschule in Beerfelden wechselte sie aufs Gymnasium Michelstadt und machte dort ihr Abitur. Die SPD-Stadtverordnete stammt aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie. In Airlenbach war sie „ganz klassisch“ im Turnverein aktiv. Aktuell engagiert sie sich außerdem als Rechnerin im Jugendförderverein Oberzent (JFO).

Yannick Ullmann (22) lebt in Beerfelden. Nach dem Abi am Gymnasium Michelstadt schloss er an der Uni Mannheim ein Bachelor-BWL-Studium ab. Er arbeitet jetzt am dortigen Institut für Mittelstandsforschung und hat nebenher seine eigene Firma gegründet, die über einen Online-Shop Modeaccessoires aus Kork vertreibt. „Familienbedingt“ ist der CDU-Parlamentarier mit Kommunalpolitik aufgewachsen. Sein Vater Volker Daum war bis 2018 25 Jahre für die ÜWG Beerfelden kommunalpolitisch tätig. Ullmann ist Vorsitzender der Jungen Union in Oberzent (seit der Neugründung 2018) und im Odenwaldkreis (seit Anfang 2020).