Alles ist bereit für den Neustart

Die Ausflügler können kommen. Heinrich Wenz und David Shubart, die Betreiber des „Oberzent Hostelstyles“ in Beerfelden, warten nur auf die Möglichkeit der Wiedereröffnung durch eine entsprechende Verordnung des Gesetzgebers. Über den Winter, in Zeiten der erzwungenen Unterkunfts-Schließung, wurden einige Erneuerungsarbeiten durchgeführt. Das Hostel in der Häfengasse oberhalb des Rewe-Marktes bietet drei Zimmer für je vier Personen.

Damit die Gäste auch eine Zeltmöglichkeit vorfinden, richtete Wenz aktuell den Platz neben der Garage her. Er legte Strom und installierte Steckdosen. Auch der Freisitz wurde damit ausgestattet. Im Gebäude gab es ein paar Verschönerungsarbeiten, etwa durch neue Möbel oder Bilder. Jetzt können die Übernachtungsgäste in genauso großer Zahl kommen, wie dies vor der Schließung Anfang November der Fall war.

„Unsere Zimmer wurden gut nachgefragt“, freut sich Wenz im Rückblick. Jede Woche konnte man neue Besucher begrüßen. Viele davon waren Tourenradler, aber gerade zum Schluss hin schauten auch einige Downhill-Biker vorbei, die im Bikepark ihrem Sport auf zwei Rädern frönten. Dazu kamen Wanderer – und sogar eine Mofagruppe, die sich in Anlehnung an dem Film „25 km/h“ mit diesen Vehikeln auf den Weg an die Ostsee gemacht hatte.

Die beiden Betreiber haben eine Marktlücke gefunden, die von einem bunt gemischten, internationalen Publikum, frequentiert wird. Dänen, Kroaten, Russen hat Wenz schon begrüßt. Einige „Wiederholungstäter“ waren bereits unter den Übernachtungsgästen. „Einfache Übernachtungen für wenig Geld sind gefragt“, hat der Beerfeldener beobachtet. Er kann sich deshalb vorstellen, dass es in den umliegenden Ortschaften demnächst einige Nachahmer geben wird.

Seine Gäste kommen etwa zu zwei Dritteln über Buchungsseiten wie booking.com, der Rest über das eigene Angebot, etwa auf Facebook. Dort hat Wenz das Hostel bereits auf speziellen Wanderer- und Radler-Seiten geteilt. Demnächst will er auch auf Instagram werben. Ihn freut es, dass jetzt der Nibelungensteig-Zubringerweg in Beerfelden ausgeschildert ist – so können Gäste vom Marbach-Stausee oder Himbächel-Viadukt den Weg in die Stadt finden.

Heinrich Wenz hofft, „dass es spätestens im Sommer wieder losgehen kann“. Er hat sogar schon Anfragen für diesen Monat, „aber ich darf noch nicht“, bedauert er. Über den Winter haben die beiden keine staatlichen Zuschüsse fürs Hostel beantragt, denn die Gästevermittlung läuft auf privater Basis. „Zum Glück“, sagt er, ist das Duo nicht auf die Einkünfte angewiesen. „Sonst wären wir untergegangen.“

„Wir können es kaum erwarten, dass es wieder losgeht“, sagt der Beerfeldener. Die entsprechenden Hygienemaßnahmen werden natürlich umgesetzt. Dazu zählen unter anderem Handdesinfektionsspender. Auch darf ein Gemeinschaftsbad nur von den Gästen aus einem Zimmer genutzt werden. Ebenso sind die Toiletten einem Raum zugeordnet. Im Gemeinschaftsraum muss Abstand gehalten werden. „Das lässt sich alles realisieren“, betont er.

Da für das Hostel die gleichen Bestimmungen wie für Hotels gelten, „müssen wir die Regelungen abwarten“, erläutert Wenz. Reservierungen nimmt er auf jeden Fall schon entgegen. Natürlich können die Interessenten kostenlos stornieren, sollte die Unterkunft bis dahin doch nicht öffnen dürfen.

Ein Besuch im Bikepark vor drei Jahren gab den Ausschlag: Heinrich Wenz sah dort viele Mountainbiker, die im Auto übernachteten. Auf den Campingplatz oder in eine teure Pension wollten sie nicht. Warum denen nicht ein günstiges Dach über dem Kopf bieten, dachte er. Da der Beerfeldener mit seinem Partner David Shubart schon viel auf der Welt herumgekommen ist und dabei oft in Hostels übernachtete, war der Gedanke naheliegend, ein solches auch in Oberzent auf die Beine zu stellen.

Zwei Jahre dauerte es bis zur Verwirklichung: Jetzt gibt es in der alten Bing- und späteren Meißner-Fabrik Zimmer zu unschlagbar günstigen Preisen. Bei 8,75 Euro startet die Übernachtung. „Das Preissegment ist sehr attraktiv“, weiß Wenz. Er hat die Hostel-Erfahrungen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten in guter Erinnerung.

Beide wollen der „nicht gerade boomenden Tourismus-Region“ Oberzent etwas auf die Beine helfen und Aktivurlauber anlocken, erklärt Shubart. Deshalb stellen sie auch Ausflugstipps und Sehenswürdigkeiten als Kurzvideo auf Facebook ein. „Wir wollen den Leuten den Odenwald schmackhaft machen“, betont Wenz.

Info: http://www.oberzent-hostelstyle.com