Endlich mal wieder im Lokal essen statt mitnehmen

Ganz langsam stellt sich eine gewisse Ermüdungserscheinung bei den abholbereiten Gästen ein, stellen die Oberzent-Gastronomen fest. Nach einem halben Jahr Schließung und Take-Away-Angeboten hoffen sie inständig darauf, dass Richtung Sommer Öffnungen möglich sein werden – wie diese gerade in verschiedenen anderen europäischen Ländern anlaufen. Die Solidarität in den jeweiligen Orten ist nach wie vor ein großes Plus, mit dem sich wuchern lässt.

„Es ist weniger geworden“, stellt Karin Fink-Henke beim Rothenberger Rosenwirt fest. Trotzdem zeigt sie sich mit der Resonanz auf das Angebot des Traditionslokals in der Hauptstraße zufrieden. Die Abholer kommen neben dem eigenen Ort vor allem aus dem Finkenbachtal bin hinunter nach Hirschhorn und hinauf nach Beerfelden. 

„Die Unterhaltungen mit den Gästen fehlen“, bekennt sie. Andererseits ist für die Wirtin auch wichtig: „Wir sind alle gesund“, was zufrieden macht. Da die staatlichen Hilfen flossen, blicken die Gastleute einigermaßen gelassen nach vorn. Eines ist natürlich klar: „Wenn es wieder losgeht, stehen wir in den Startlöchern.“

„Es wird weniger, das stimmt“, hat auch Angelika Beisel vom „Hirsch“ ein paar Meter die Straße runter festgestellt. „Trotz allem ist die Solidarität deutlich spürbar“, freut sie sich. Mit zahlreichen Aktionen versucht man hier der Speisekarten-Monotonie entgegenzuwirken. Was aber nichts an der verfahrenen Situation ändert:  „Alle warten darauf, dass Normalität wieder Einzug hält“, betont Beisel.

Absagen von Reisegruppen reichen inzwischen bis in den Juli hinein, schildert sie. Aber selbst wenn wieder alles offen sein sollte, „geht das nicht von null auf 100“, verdeutlicht Beisel. Denn die Leute brauchen fünf bis sechs Wochen, um alles zu organisieren. Je nachdem, wie lang der Lockdown dauert, „sind wir dann bald wieder am Saisonende“. Die Wirtin nennt es sehr ärgerlich, dass Auslandsreisen möglich sind, aber man im eigenen Land nicht auswärts übernachten darf.

In der Gammelsbacher „Krone“ freut man sich über das ungebrochene Interesse der Abholer. „Besonders an den Wochenenden haben wir eine gute Nachfrage“, sagt Wolfgang Gerbig. Er versucht, sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Aktuell gibt es ein paar Spargelgerichte auf der Karte. Die Gäste wissen um die gute Küche im Tal und kommen nicht nur aus Gammelsbach.

Im „Grünen Baum“ ein paar Meter talabwärts können die Dennigers auf ihre Stammgäste bauen. „So langsam merkt man schon eine gewisse Essens-Abhol-Müdigkeit“, erzählt Sascha Denninger. Nach einem halben Jahr geschlossenen Restaurants „möchten wir alle mal wieder einen entspannten Abend mit dem dazugehörigen Service genießen“, weiß er. Essen aus einer Plastikbox ist seinen Worten zufolge „damit nicht zu vergleichen“.

Deshalb kann er die Menschen ein Stück weit verstehen. „Bei gutem Wetter wird dann eben der Grill angemacht. Essen abgeholt hat man über den Winter genug.“ Die Öffnung der Außengastronomie würde schon sehr viel helfen, betont Denniger. Zudem es ja für ihn keinen Unterschied macht, ob die Menschen daheim „zu viert grillen oder auf einer Terrasse mit Abstand zu anderen Gästen sitzen“. Er weist auf den großen Widerspruch hin, wenn die benachbarten Länder langsam öffnen. „Viele werden in nächster Zeit Urlaub im Ausland machen, weil die Hotels in Deutschland noch geschlossen sind“, ärgert er sich.

„Es ist enttäuschend, dass nach einem halben Jahr Schließung noch immer keine kreativen Ideen, Konzepte mit Perspektive oder Ähnliches für den Kultur- und Freizeitbereich vorhanden sind“, bedauert Roland Grünvogel vom Landgasthof Grüner Baum in Hesselbach. „Aber wir sind im Großen und Ganzen zufrieden“, sagt er. Nach einem halben Jahr reinem Take-Away stellt er eine gewisse Müdigkeit fest.

Da aber das Wetter im Vergleich zum vergangenen Jahr wesentlich schlechter war, machte es bei Kälte, Schneefall und Regen bisher unter der Woche keinen großen Sinn, überhaupt etwas anzubieten. Sobald es konstanter wird, rechnet er mit Besserung. „Wir hoffen, dass das große Opfer, welches die geschlossenen Bereiche bringen, von der Gesellschaft nicht vergessen wird“, betont der Gastronom. Vom sicheren Konzept der Außengastronomie zeigt er sich überzeugt. Er rechnet damit, dass genug zu tun sein wird, wenn draußen wieder geöffnet werden darf.

Entscheidend ist für die Wirtsleute aber, „dass wir im Herbst und Winter wieder so normal wie möglich öffnen und arbeiten dürfen“. Grünvogel zeigt sich erfreut über das Voranschreiten der Impfkampagne. „Auch hier üben wir uns in Geduld und stellen uns hinten an, bis wir dran sind“, erläutert er. Es wäre schön, bekräftigt er, wenn jetzt alle mal richtig mitmachen würden – auch die, die Zweifel an Corona haben. „Wir bleiben zuversichtlich“, lautet sein Fazit.

Brigitte Rüting vom Waldgasthof Reußenkreuz auf dem Krähberg ist zufrieden mit der Resonanz auf die Außer-Haus-Angebote am Wochenende – gerade aufgrund des begrenzten Einzugsgebiets. An den Feiertagen herrschte eine gute Nachfrage, stellt sie fest. Die staatlichen Hilfen flossen zwar, „aber man kann keine Rücklagen bilden“, erläutert sie. „Das ist nicht so prickelnd.“

Da der Hotel-Gasthof im Eigentum bewirtschaftet wird, sind die Ausgaben überschaubarer, als wenn Kollegen in Miete wirtschaften, sagt Rüting. Mehr Sorgen macht ihr die Personalsituation. Wenn es wieder losgeht, müssen erst einmal wieder Aushilfskräfte gefunden werden. Die bisherigen orientierten sich im vergangenen Jahr anderweitig.