Wo Siegfrieds Blut das Wasser rot färbte

Hüttenthal/Olfen. Nach dieser Tour triumphieren wir über den bissigen Drachen der schweren Beine: Knapp 16 Kilometer führt uns die Wanderung „Triumphalis“ auf dem Drachenweg ab der Mossautalhalle an etlichen Quellen entlang – unter anderem natürlich auch an der, wo Siegfried von Hagen gemeuchelt worden sein soll. Aber diese zweifelhafte Ehre nehmen einige Brunnen im Odenwald für sich in Anspruch. Feld, Wald, Wiesen im Überfluss: Nur ganz am Schluss wird’s ein wenig zäh, sonst denken wir angesichts der zahlreichen Abwechslungen nicht an Müdigkeit.

Wir entscheiden uns dafür, zuerst den Abschnitt an der Straße Richtung Güttersbach hinter uns zu bringen und laufen die Tour deshalb entgegen dem Uhrzeigersinn. Im Nachhinein war das eine gute Entscheidung, denn in der anderen Richtung wäre es ein sehr knackiger Anstieg mit mehr als 120 Höhenmetern auf nicht einmal zwei Kilometer. Durchs Mösselbachtal unterhalb des Mühlbergs, in das wir nach etwa 500 Metern abzweigen, steigt der Wanderweg stattdessen auf den ersten vier Kilometern nur gemächlich an.

Erst der Dachsbrunnen, dann der idyllisch gelegene Weißfrauenbrunnen mit einem naturbelassenen Quellbereich zeigen uns, dass hier das kühle Nass aus jeder Ecke strömt. Schlagartig ändern sich in einer scharfen Rechtskurve Wegbeschaffenheit und Steigungswinkel. Ein Waldpfad bringt uns dem Etappenziel, dem Siegfriedbrunnen, ein gutes Stück näher und höher.

Kurz dürfen wir uns auf der Höhe auf breiterem Weg ausruhen, dann geht’s schon wieder rechts ab in den Wald. Der ist hier wie auch im weiteren Teil der Strecke aufs Neue übersät mit Heidelbeeren. Das macht Lust auf den Sommer, wenn dann reife Früchte in unüberschaubarer Zahl an den Sträuchern hängen werden. Nach ein wenig Zickzack durch Mischwald tauchen plötzliche etliche Sitzgelegenheiten und zwei Hütten auf: Wir sind am Gras-Ellenbacher Siegfriedbrunnen.

Gerade in den hoffentlich bald kommenden wärmeren Sommermonaten lässt es sich hier, etwa auf der Hälfte unserer Tour, perfekt rasten. Das grüne Laubdach hält die Sonne draußen. Ein kurzer Snack, noch ein letzter Schluck, dann stehen uns die letzten 50 Höhenmeter ins Haus, um mit dem Spessartskopf den höchsten Punkt unserer Wanderung zu erreichen. Kurz blitzen Geisberg und Herrnberg weit hinter dem Marbachsee am Horizont auf.

Bald hat uns ein befestigter Waldweg wieder. Der führt uns zielstrebig den Hang hinab Richtung Naturschutzgebiet Rotes Wasser bei Olfen. Den Namen verdankt das Hochmoor einer Braunalge, die den Eisengehalt des Wassers bindet und sich als rostroter Belag absetzt. Seltene Pflanzen wie Sonnentau und Wollgras sind hier zu sehen. Bei unserem Besuch präsentiert sich dieses Kleinod allerdings frühlingshaft grün und quakend.

Hier wie auch an anderen Stellen des Wegs finden sich immer wieder Bänke, um den Beinen ab und zu eine Pause zu gönnen. Allerdings könnte es vorkommen, dass die nach einem Stopp noch schwerer als zuvor erscheinen. Deshalb will die Rast wohlüberlegt sein. Wir verlassen diese sonnige Insel inmitten des Mischwalds Richtung des Orts. Es kommt, wie es kommen muss:  Die verlorene Höhe muss zurückgewonnen werden. Wenigstens gibt es direkt an der Kreuzung bergauf noch einen herrlichen Blick auf Olfen.

Grob behauene Findlingssteine, die die Erbacher Grafen im Jahr 1544 zur Grenzmarkierung aufstellen ließen, tauchen im weiteren Verlauf auf. Ein paar Meter abseits, am Nibelungensteig, ist das Olfener Bild zu sehen, ein einfacher spätgotischer Bildstock aus Sandstein. Es wird auf den Beginn des 16. Jahrhunderts datiert und lag auf dem Weg der Gläubigen nach Schöllenbach oder Walldürn. Zurück auf unserem Drachenweg folgt bald mit das schönste Stück. Wir überqueren auf einem Waldpfad die Landesstraße von der Olfener Höhe Richtung Güttersbach, um auf der anderen Seite genauso weich auf Tannenadeln weiterzulaufen.

Danach wird’s kurzzeitig monoton: Mit dem Rechtsschwenk auf den Waldweg bleiben wir auf den nächsten 3,5 Kilometern auf etwa 400 Höhenmetern und umrunden Güttersbach im Süden. Viel zu sehen gibt’s nicht, höchstens ab und zu mal ein Motorrad zu hören. Das Nadelgehölz ist einfach zu dicht. Immerhin können wir hier, ohne Steigerungen, strammen Schritts schnell eine längere Strecke runterreißen. 

Kurz hinter dem Vogelberg winken an der Schutzhütte die sattgrünen Wiese mit tollem Blick ins Tal.  Wir aber biegen nach rechts auf den Vogel-Lehrpfad ein und lassen uns auf dem letzten Kilometer mit dem Wissen über die heimische Fauna und Flora versorgen. Imposant liegt plötzlich die vom Blitz gefällte Wetterfichte im Weg. Sie wirkt mit ihrem zahlreichen Verästelungen wie ein aus den Alien-Filmen entsprungenes monströses Wesen.

Der Rest ist ein Klacks. Noch ein Stück bergab, zwischen landwirtschaftlichen Gehöften hindurch, genießen wir Aussicht und Landluft, ehe unser Ausgangspunkt in Reichweite liegt. Wir wissen bereits, was uns erwartet: Der „Worscht-Automat“ mit allerlei Flüssigem und noch mehr Festem, süß, salzig und deftig. Zahlreiche Wurstsorten sichern das spätere Grillen auf der Terrasse.

Name: Drachenweg „Triumphalis“ Hüttenthal

Länge: 16 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 545 m

Niedrigster Punkt: 277 m

Höhenmeter insgesamt: 379

Kategorie: mittel

Wanderzeichen: grünes MD über grüner 1 im Hufeisen

Ausschilderung: gut

Verpflegung: „Worscht-Automat“ an der Mossautalhalle mit Süßigkeit, Getränken und Snacks

Sehenswürdigkeiten: Olfener Bild, Rotes Wasser, Siegfriedbrunnen, Weißfrauenbrunnen

Mehr Infos: https://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f15411c0e3c1c0fedd159fc