Mehr Panorama geht praktisch nicht

Sensbachtal. Der Panoramaweg trägt seinen Namen zurecht. Bis auf ein paar Waldabschnitte auf der Sensbacher Höhe gibt’s tolle Aussichten auf den Odenwald en masse. Dazu jede Menge Sitzgelegenheiten und Schutzhütten, um auf der langen Strecke gemütlich ein paar Pausen einlegen zu können. Mit der Friedhofskapelle erwartet uns auf der Strecke außerdem ein kulturgeschichtliches Kleinod.

Wir starten am Parkplatz auf der Sensbacher Höhe, der aus allen Richtungen gut zu erreichen ist. Wahlweise kommen auch das „Reußenkreuz“ oder der unterhalb gelegene Wanderparkplatz in Frage. Die Richtung ist egal. So oder so müssen wir in unter-Sensbach einen knackigen Auf- und Abstieg bewältigen.

Wir laufen erst einmal Richtung Süden, um am Osthang des Gickelsbergs noch möglichst viele Sonnenstrahlen zu erhaschen. Nach einem kleinen Aufstieg hinter der Kapelle beginnt ein langer Abwärtstrend des Wanderwegs. Irgendwann blitzen hinter den Bäumen die ersten Häuser von Unter-Sensbach hervor. Zwei Serpentinen lassen wir noch hinter uns, ehe aus den vorherigen Schemen der erste richtig schöne Talblick wird. 

Am Waldrand entlang setzt sich dies fort: Wir können auf der anderen Talseite Falken-, Ameisen- und Hornissenberg erkennen. Noch ein paar Meter zwischen hochgewachsenen Bäumen, dann beginnt der Abstieg auf einem schmalen Weg über schöne Wiesen. Mitten im Ort stoßen wir auf die Hauptstraße, laufen am Schulhaus vorbei bis kurz vor dem Bürgerzentrum, um hier rechts wieder an Höhe zu gewinnen.

Und wie: Steil führt unsere Strecke bergauf. In kürzester Zeit sind die Höhenmeter wieder drin, die wir gerade verloren haben. „Am Pilz“ hätten wir uns das erste Pils verdient, wenn wir eines mitgenommen hätten. Die Schutzhütte lädt nach etwa einem Drittel der Strecke zu einer gemütlichen Pause ein. Der Blick in alle Richtungen ist herrlich. Guten Gewissens können wir die Vesper auspacken. Weitere Anstiege werden folgen, aber der war der schlimmste.

Was folgt, ist eine Aneinanderreihung von Weitsichten Richtung Odenwald-Berge. Darunter ist mit dem Katzenbuckel auch seine höchste Erhebung. Wir wollen aber nicht nur nach oben, sondern auch nach unten schauen. Je weiter wir Richtung Ober-Sensbach kommen, desto schöner und langgestreckter werden die Talansichten.

Nicht nur die Landschaft präsentiert sich außerordentlich abwechslungsreich, sondern auch unser Wanderweg. Der ist am Anfang eher breiter gestrickt, zweigt dann aber immer mal wieder auf einen schmalen Waldpfad mit Tannennadelbett ab, wenn es zu monoton würde. Bei zahlreichen Sitzgelegenheiten, weiteren Schutzhütten und zwei Panoramabänken am Streckenrand kostet es ab und zu Überwindung, nicht schon wieder eine Rast einzulegen.

Nach einem Waldstück spuckt uns der Wanderweg unterhalb des Sportplatzes aus. Wir dürfen uns an blühenden Wiesen erfreuen, um Kraft für weitere Höhenmeter zu tanken. Aufs Neue begeistert uns der Wechsel zwischen offenen Flächen und lichtem Nadelwald mit schönen, gut begehbaren Pfaden. Aufgrund des Wurzelwerks sollte man aber trotzdem mit festem Schuhwerk die Tour angehen.

Entlang der Flanke des Hesseheckenbergs nähern wir uns dem Höhenkamm. Ein paar Meter geradeaus und wir wären im anderen Tal Richtung Schöllenbach. „Steinhäusel“- und „Talblick“-Schutzhütte passierend, wird Ober-Sensbach linkerhand immer kleiner und rückt das Reußenkreuz näher. Kurz bevor unsere Strecke einen Linksknick zur K 39 macht, führt rechts der Waldpfad zum Gasthof. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er dort zu einem leckeren, sättigenden Essen einkehrt oder die letzten Kilometer noch mit vorwärts treibendem, knurrendem Magen zurücklegen will.

Nach so viel Einsamkeit auf den Hängen oberhalb der beiden Sensbachs kommen wir uns nach dem Wanderparkplatz fast wie in einer anderen Welt vor. Breite Wander- und Radwege bestimmen erst einmal das Bild. Weiterhin müssen wir noch ein paar Höhenmeter runterreißen. Gerade als die Strecke Richtung Monotonie abzurutschen tut, erhört uns scheinbar der Wandergott und schickt uns wieder den ersehnten Waldpfad.

Als der nach dem Höhenkamm einen langsam Abwärtstrend bekommt, wissen wir: Das Ziel ist nah. Immer geradeaus bewegen wir uns auf den Parkplatz zu. Gleich an dessen Beginn geht’s rechts zum Aussichtspunkt hoch, der eine herrliche Aussicht auf Beerfelden und die angrenzenden Dörfer beschert.

Wer jetzt noch Muße hat, kann etwas für die geschichtliche Bildung tun: Auf dem Sensbacher Friedhof befindet sich die Grablege des Erbach-Fürstenauer Grafenhauses. Die Friedhofskapelle wurde 1619 erstmalig erwähnt und erhielt 1744 ihr heutiges Aussehen. Aber wir haben auch vollstes Verständnis für die, denen nach 17 Kilometern die Beine wehtun und die sich jetzt zuhause auf die Couch hauen wollen.

Name: Panoramaweg Sensbachtal

Länge: 16,9 Km

Dauer ohne Pausen: 5 Stunden angeben, in 4,5 Stunden zu schaffen

Höchster Punkt: 546 m

Niedrigster Punkt: 333 m

Höhenmeter insgesamt: 403

Kategorie: mittel bis schwer

Wanderzeichen: grünes S über grüner 6 im Hufeisen (manchmal auch weiß)

Ausschilderung: gut  

Verpflegung: Waldgasthof Reußenkreuz, Telefon 06068/2086, www.reussenkreuz.de, im Ort: Holzerstube, Telefon 06068/2402.

Sehenswürdigkeiten: Sensbacher Friedhofskapelle, Odenwald-Blicke

Mehr Infos: http://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f15410e0e3c1c0fedd159c4

Wilkens Wander-Wimpel: 4,5 von 5 Sternen (pro: tolle Ausblicke, größtenteils sehr abwechslungsreiche Strecke, contra: rund um Sensbacher Höhe ein paar eintönige „Waldstraßen“-Anteile)