Herrliche Fleckchen mitten im Wald

Ober-Mossau. Eine besseren Start- und Zielpunkt für eine Wanderung gibt es wohl kaum: Am Schmucker-Brauereigasthof schnüren wir unsere Stiefel für den Drachenweg „Saphira“, einen von vieren auf Mossautaler Gemarkung, der der Nibelungensaga huldigt und Siegfrieds Blutbad thematisiert. Da 80 Prozent der abwechslungsreichen Strecke im Wald verlaufen, empfiehlt er sich besonders für warme, sonnige Sommertage.

Getreu dem Motto „Das Heftigste zuerst“ gehen wir die 15 Kilometer lange Tour im Uhrzeigersinn an. Denn da blühen uns auf den ersten nicht einmal drei Kilometern gleich über 150 Höhenmeter. Nach dem Start am Fußballplatz vorbei in lichtem Mischwald, zweigt bald ein kleiner Pfad Richtung Lärmfeuer in die Höhe ab. Der macht unseren Beinmuskeln so Richtung Feuer.

Oben angekommen, tut sich plötzlich eine kleine Lichtung mit Ihrig-Hütte, Panoramabank und weiteren Sitzmöglichkeiten auf. Ein herrliches Fleckchen mitten im Wald, das früher als Platz fürs Signalfeuer Richtung Osten diente, wenn während des Dreißigjährigen Kriegs Truppen von der Rheinebene her vorrückten.

Die Flammen und Rauchsäulen waren weithin sichtbar und der Alarm konnte von Berg zu Berg weitergeleitet werden. Die Lärmfeuer waren auch später noch während der Napoleonischen Kriege im Einsatz. Östlichster Punkt ist die Sensbacher Höhe. Ende März wird seit einiger Zeit die Tradition wieder lebendig, wenn auf den Hügelkuppen weithin sichtbare Feuer lodern.

Wer den Buckel hoch läuft, der muss auch wieder runter. Irgendwann spuckt uns der Waldpfad beim Mossauer Bild aus, einem der ältesten Bildstöcke im Odenwald. Es wurde erstmals 1576 erwähnt. Der Bildstock steht an einem ehemaligen Pilgerpfad zum „Heiligen Blut“ nach Walldürn. Da zu dieser Zeit im Landkreis Erbach bereits die Reformation eingeführt war, wird angenommen, dass man im Odenwald den Katholiken gegenüber sehr tolerant war.

Wir merken, dass der Wanderparkplatz Dehnbuche nicht mehr weit entfernt sein kann. Denn die Fußgängerfrequenz nimmt deutlich zu, während auf dem Rest der Strecke eher ein überschaubares Aufkommen herrscht. Talwärts reihen wir uns ein, tun es aber nicht den anderen gleich, die an der Verbindungsstraße zwischen Rohrbach und Ober-Mossau ins Auto steigen, sondern überqueren diese.

Hinter ihr brauchen wir auf den kommenden zweieinhalb Kilometern etwas Durchhaltevermögen. Lang und länger wird der Waldweg, auf dem nur sporadisch mal links Unter-Ostern, Reichelsheim und Beerfurth zwischen den Bäumen hervorblitzen. Am „Schlagbaum“ reisen wir 450 Jahre zurück in die Geschichte.

An der Siebener-Kreuzung befand sich die Grenze der Grafschaften Erbach und Breuberg. Wer hier, mitten im Wald, weiterwollte, der musste erst einmal dem jeweiligen Landesherrn Zoll zahlen. Diese Kleinstaaterei ist heute kaum noch vorstellbar, aber Zölle gibt es weiterhin – nur heutzutage auf höheren Ebenen.

Auf welchem früheren Territorium wir dann weiterlaufen, wissen wir nicht. Aber unsere Strecke, die halblinks den Wald hinaufführt, bietet zum Glück wieder mehr Abwechslung. Wir kraxeln auf wenigen hundert Metern noch einmal nach oben, um dann mit dem Morsberg den höchsten Punkt der Wanderung erreicht zu haben. Danach geht es praktisch nur noch abwärts.

Auf engen Pfaden quer durch schier endlose Heidelbeer-Felder, macht nicht nur die Fuchshütte deutlich, dass der Wildtierbestand in diesem Bereich des Waldes sehr hoch sein muss. Alle paar Meter steht außerdem ein Hochsitz. Die „Hohe Straße“ hatten wir zwischenzeitlich bereits einmal gestreift. Ab der L 3260 wird der historische Höhenweg zwischen dem Marbachstausee und dem Otzberg jetzt zu unserem ständigen Begleiter.

Da er auch als Fahrradweg ausgewiesen ist, ist auf dieser Strecke wieder etwas mehr los als auf den vorherigen einsamen Wegen. Durch das letzte Waldstück müssen wir jetzt noch durch, ehe uns mit einem Schlag das freie Feld empfängt. Rechts lassen sich die ersten Häuser von Ober-Mossau ausmachen, links taucht der Michelstadter Flugplatz auf. Mit etwas Glück sehen wir gerade eine Maschine starten oder landen. 

Auch wenn das Wandern übers freie Feld landschaftlich herrlich ist, meldet uns der Magen, dass wir gefälligst bald ankommen sollen. Denn wir haben uns bereits bei Abmarsch darüber informiert, was uns im Biergarten des Brauerei-Gasthofs alles erwartet. Da läuft das Wasser im Mund zusammen. Als dann der Feldweg von der kleinen Straße rechts zum Ort abzweigt, kommt uns das gerade recht.

Immer näher kommen wir dem Ort und genießen auf den letzten Metern ein schönes Panorama des Tals. Unterhalb liegt die Johanniterkirche. Ein Blick hinein lohnt sich. Bei Renovierungsarbeiten wurden hier Malereien aus dem 13. und 14. Jahrhundert freigelegt. Aber die müssen bis nach dem Essen warten. Das steht schnell mit einem frisch gezapften Schmucker-Bier aus dem Fass auf dem Tisch.

Name: Drachenweg „Saphira“

Länge: 15 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 510 m

Niedrigster Punkt: 336 m

Höhenmeter insgesamt: 330

Kategorie: mittel

Wanderzeichen: grünes MD über grüner 4 im Hufeisen

Ausschilderung: gut  

Verpflegung: Sudhausbiergarten des Brauereigasthofs Schmucker, www.brauereigasthof-schmucker.de, Telefon 06061/94110

Sehenswürdigkeiten: Lärmfeuer, Steinerner Tisch, Schlagbaum, Mossauer Bild, Johanniterkirche

Mehr Infos: https://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f1541340e3c1c0fedd15a5e

Wilkens Wander-Wimpel: 4 von 5 Sternen (pro: viel Regionalgeschichtliches, schöne schmale Waldpfade zwischen Heidelbeer-Hecken, contra: einige lange, gerade, geschotterte Waldstrecken)