Mehr Panorama geht praktisch nicht

Unter-Ostern. Vom Titel dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Was unter „Erz- und Steinwanderweg“ firmiert, hat nur auf einen Kilometer unter dem Titel „Geopark-Lehrpfad Manganerzbergbau“ damit zu tun. Den Rest sind Odenwald-Ausblicke satt. Ein Panoramaweg par excellence somit. Leckere Odenwälder Küche und was Süßes inklusive.

Das mit den „leichten Anstiegen“ in der Tourbeschreibung sollte allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Denn ab und zu geht es gewaltig den Buckel hoch und runter. 130 Höhenmeter auf einem Kilometer wollen erst einmal bewältigt sein. Die wären uns nach oben bevor gestanden, wenn wir den Rundwanderweg R8 im Uhrzeigersinn absolviert hätten. Anders herum geht es auf etwas mehr als drei Kilometern etwa 200 Meter bergauf – immerhin etwas besser verteilt.

Für die Bergetappe konnten wir uns aber vorher stärken: Am Keilvelterhof, direkt neben dem Wanderparkplatz der Alten Schule von Unter-Ostern gelegen, gibt’s jedes Wochenende selbst gemachtes Eis. Mit einer Kugel in der Hand schnauft es sich doch viel angenehmer den Hügel hinauf Richtung Irrbachquelle. Zwischendurch dürfen wir einen Blick auf Schloss Reichenberg und sogar über die Mainebene hinaus zum Taunus genießen.

Da gleichzeitig unser Weg abwechselnd über Feld, Wald und Wiesen führt, kommt keine Langeweile auf. Manchmal Asphalt, dann wieder bisschen Schotter plus Tannennadelpfade sorgen dafür, dass es unseren Füßen nicht zu eintönig wird. Rund um den Dachsberg nähern wir uns auf abgeschiedenen Wegen, die Quelle passierend, langsam der Ohrmshöhe.

Mal blicken wir ins eine Tal, mal ins andere. Da fliegen die Höhenmeter nur so dahin. Und wenn nicht, gibt es in regelmäßigen Abständen eine Sitzbank oder sogar eine Schutzhütte – sollten die Muskeln in diesem frühen Stadium doch schon zu sehr zwicken. An der Pferdewiese vorbei laufen den Rechbuckel hinunter nach Ober-Ostern. An der Gaststätte „Zur Erholung“ gibt’s für den ersten Hunger kräftige Hausmannskost plus kleine Speisen auf den Weg.

Wir müssen nun leider ein Stück der Straße Richtung Weschnitz folgen. Das ist gerade an vielbefahrenen Wochenenden ohne Gehweg nicht besonders prickelnd – am Anfang der Tour in Unter-Ostern war es genauso. Es heißt Augen (und Ohren) zu und durch. Mit dem „Ostertal“ lockt gleich eine weitere Einkehrmöglichkeit.

Direkt dahinter verlassen wir wieder die Zivilisation und den Verkehrslärm. Es geht das Tal des Dickheckenbachs hinauf bis zur neuen Schutzhütte. Hier haben wir den Hügelkamm erreicht und laufen jetzt über freies Feld der L 3105 entgegen. Nach deren Überquerung kommt der größte Waldabschnitt der gesamten Tour. Ein kleiner Pfad führt uns zur Kreuzung mit dem von Hiltersklingen kommenden Waldweg.

An dieser Stelle haben die Wanderwarte wohl Erbarmen mit denen, deren Füße bereits qualmen. Rechts der Kreuzung sind es 5,5 Kilometer zurück nach Unter-Ostern, links der Kreuzung 5,1 Kilometer. In Wahrheit, belegt das spätere Kartenmaß, dürften es um die sieben Kilometer sein. Mit Siebenmeilenstiefeln eilen wir ahnungslos dem doch so fernen Ziel entgegen. Wie mit den Entfernungsangaben hält man es auch mit den Markierungen nicht immer so genau. Ab und zu wäre an manchen Kreuzungen das eine oder andre zusätzliche Zeichen hilfreich.

Am imposanten Forsthaus Roter Kandel geht’s rechts ab tief in den Wald, der uns nun über einen Kilometer begleitet. Gegenüber vom Gasthof „Lärmfeuer“ werden wir plötzlich von der Stille ausgespuckt. Die Straße nach Ober-Mossau überquerend, können wir uns auf den folgenden drei Kilometern nicht sattsehen am Panorama. Ein herrliches Fleckchen Erde, das uns mit seinem Weitblick ziemlich neidisch macht auf die diversen Hausbesitzer im oberhalb gelegenen Weiler.

Für eine Stunde tun wir es ihnen gleich und lassen unsere Blicke gen Reichelsheim und Lindenfels schweifen. Wir folgen nun teilweise dem Geopark-Lehrpfad „Manganerzbergbau“, der die Bergbaugeschichte um 1900 erzählt. Die Infotafeln sowie ein kurzer Abstecher zu einem ehemaligen Bergwerksstollen lohnen sich.

Langsam merken wir, dass die fünf Kilometer auf dem Schild genau jetzt vorbei sind. Wir aber bewegen uns immer noch auf der Höhe. In dem Bewusstsein, dass kein steiler Abhang kommt, wird uns klar, dass die Entfernungsangabe etwas ungenau war. Wir trösten uns damit, dass wir rechts noch einmal Schloss Reichenberg in den Blick bekommen und weitab jedes Lärms laufen.

Erst zögerlich, dann immer schneller geht es durch Wald bergab. Wir verlieren rasend schnell an Höhenmetern. An Gewicht trotz der verbrannten Kalorien doch eher nicht, denn neben der Schule lockt wieder die Eisdiele. Ein Spaghetti- und ein Erdbeereis müssen jetzt sein. Klasse – wie auch die Wanderung.

Name: Erz- und Steinwanderweg

Länge: 14,8 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 387 m

Niedrigster Punkt: 221 m

Höhenmeter insgesamt: 431

Kategorie: mittel

Wanderzeichen: grünes R über grüner 8 im Hufeisen

Ausschilderung: mittel, an manchen Kreuzungen wären ein paar mehr Markierungen sinnvoll  

Verpflegung: Landgasthof „Ostertal“, www.ostertal-odenwald.de, Telefon 06164/1054; Gasthof „Lärmfeuer“, www.laermfeuer.de, Telefon 06164/1254; Keilvelterhof (für den süßen Eis-Abschluss), www.hardthof-eis.de, Telefon 06164/910317

Sehenswürdigkeiten: Geopark-Lehrpfad „Manganerzbergbau“, herrlich-weite Odenwald-Blicke

Mehr Infos: http://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f1540fc0e3c1c0fedd1597c

Wilkens Wander-Wimpel: 4,5 von 5 Sternen (pro: tolle Ausblicke, sehr abwechslungsreiche Strecke, contra: zwei Abschnitte an vielbefahrener Straße)