Rettung vor dem sicheren Mähtod

Beerfelden. Die Kitzretter sind wieder unterwegs. Wenn Anfang/Mitte Mai die ersten Rehkitze auf die Welt kommen, werden sie von der Ricke in den Wiesen abgelegt. Die Kitze haben dann drei bis vier Wochen lang keinen Eigengeruch und auch noch keinen Fluchtinstinkt. Das heißt, bei Gefahr ducken sie sich im Gras, anstatt vor einer Gefahr wegzulaufen. Genau in dieser Zeit mähen die Landwirte aber zum ersten Mal die Wiesen, um Futter für ihr Vieh in die Scheune zu bringen.

Die schnelllaufenden Mähwerke an den Traktoren sind eine tödliche Bedrohung für die jungen Rehe. Aus diesem Grunde haben die Beerfelder Jagdpächter André Fichtel, Marc Moder und Peter Bitz bereits vor vier Jahren eine Kitz-Rettungs-Gruppe über WhatsApp ins Leben gerufen. Aktuell sind es schon über 30 Personen, unter ihnen viele Kinder, die sich kurzfristig abends treffen und die Wiesen in einer langen Kette durchgehen, kurz bevor der Landwirt mäht.

Allein dieses Jahr konnten damit 18 Kitze vor dem sicheren Mähtod gerettet werden, erzählt Thomas Mergenthaler, einer der Mitwirkenden. Bei entsprechend gutem Wetter wollen alle Landwirte gleichzeitig mähen, so dass dann viele Kilometer am selben Abend abzulaufen sind. Durch die harmonische Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Jägern und Landwirten können jedoch immer Zeiten und Wege gefunden werden, welche Wiesen zuerst abgesucht und gemäht werden.

Gemäß dem alten Spruch „Viele Hände – Schnelles Ende“ sind weitere Helfer gerne gesehen. Interessierte können einfach die Jagdpächter direkt ansprechen. Ganz wichtig ist auch, die jungen Kitze nicht durch freilaufende Hunde zu beunruhigen, weiß Mergenthaler. Wenn ein Hund ein Kitz auch nur kurz mit der Schnauze anstößt, besteht die Gefahr, dass die Ricke es nicht mehr annimmt, also nicht mehr säugt – und es somit qualvoll verhungern muss.

In der letzten Zeit wird auch vermehrt mit Drohnen nach den Kitzen gesucht, erzählt er. Aber leider funktioniert diese Methode nur in den frühen Morgenstunden. Danach hat sich der Boden so sehr aufgeheizt, dass sie die Wärmebildkamera nicht mehr findet. Wie wichtig dieses Thema auch der Politik ist, sieht man daran, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium Drohnen mit Wärmebildtechnik zur Kitzrettung finanziell fördert. Nur liegen leider die Anschaffungskosten im hohen fünfstelligen Bereich.