Der Wind frischt wieder auf

Etzean/Falken-Gesäß. Auch wenn es zwischenzeitlich so rüberkam: Ein Windenergiepark oberhalb von Etzean im Gebiet Katzenwinkel hat sich noch nicht erledigt. Das machte Bürgermeister Christian Kehrer auf der Stadtverordnetenversammlung deutlich. Nach wie vor hält die Projektiererfirma Juwi aus Wörrstadt hält trotz kräftigem Gegenwind aus praktisch der gesamten Stadt an dem Vorhaben fest und will fünf Windräder oberhalb des Stadtteils Richtung Güttersbach errichten.

Wie der Rathauschef erklärte, hat sich nur das bisherige Ansinnen von Juwi erledigt, eine Zuwegung zum Katzenwinkel-Gebiet vom Galgen her erreichen zu wollen. Dies wollte die Stadt verhindern und war dagegen rechtlich vorgegangen. Die Firma hatte das Wege-Vorhaben plötzlich aufgegeben, was in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckte, Rotoren auf Oberzent-Gemarkung seien in dem Gebiet passé. Aber das erweist sich nun als Ruhe vor dem Sturm.

Denn die Verwaltung erreichte Ende Mai ein Schreiben des beauftragen Juwi-Anwaltsbüros, führte Kehrer aus. Darin wird darauf abgehoben, dass die Firma bekanntermaßen die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen in der Gemarkung Etzean beabsichtigt. Eine Entscheidung über das entsprechende Genehmigungsverfahren wird vom Regierungspräsidium zeitnah erwartet, heißt es weiter. Die dürfte positiv ausfallen.

Der Projektierer will die vorhandenen Erschließungswege „auch für den Errichtungsverkehr und während des Bestehens des Windparks unter Umständen für ein Befahren mit Schwerlasttransportern im Rahmen eines Austausches von Großkomponenten“ nutzen, zitierte der Verwaltungschef. Deshalb wird der Stadt der Abschluss eines Gestattungsvertrages angeboten. Unverhohlen wird bei einer Weigerung von Oberzent damit gedroht, die Ansprüche gerichtlich durchzusetzen.

„Sollten wir keine Rückmeldung von Ihnen erhalten, gehen wir davon aus, dass Sie an einer vertraglichen Vereinbarung nicht interessiert sind“, schreibt das Juwi-Anwaltsbüro. Jeden aus einer Verzögerung entstehenden Schaden soll dann gegenüber der Stadt geltend gemacht werden. „Da unserer Mandantin jedoch weiter nicht an einer konfrontativen Auseinandersetzung mit Ihnen interessiert ist“, teilen die Juristen großzügig mit, „hoffen wir, dass es genau hierzu nicht kommen wird“.

Kehrer wiederum informierte die Stadtverordneten: Die Stadt Oberzent hat die Unterlagen zur Bewertung an die eigene Anwaltskanzlei weitergeleitet. Es geht in diesem Fall um die Zufahrt über den verlängerten Güttersbacher Weg, sagte er. Der Bürgermeister befürchtet, auch wenn sich Oberzent nach Kräften wehrt: „Wir werden rechtlich keine Handhabe haben.“ Denn die Gesetzestexte zur Windenergie sind ziemlich eindeutig.

Eine Veränderung der Planung gab es laut Kehrer insofern, dass die ersten beiden Windräder, von Beerfelden aus gesehen Richtung Güttersbach, in der Planung weggefallen sind. Denn die standen zu nahe an Etzean. Stattdessen wurden sie weiter hinten, Richtung des Mossautaler Ortsteils, wieder angedockt. Damit bleiben drei von fünf auf Oberzent-Gebiet. Wie es mit den anderen beiden, jetzt auf Gemarkung Mossautal projektierten aussieht, will der Bürgermeister bei seinem Amtskollegen erfragen.

Auf dem Höhenzug sind dem Rathauschef zufolge von Juwi fünf Windräder geplant. Diese haben bei einer Leistung von jeweils 5,5 Megawatt eine Nabenhöhe von 161 Metern. Obendrauf kommen die Rotoren mit einem Durchmesser von 158 Metern, was somit zu einer Gesamthöhe von 240 Metern führt.

In Sachen Windräder kommt es derzeit für Oberzent „knüppeldick“, bedauerte der Bürgermeister. Nachdem einige Zeit Flaute herrschte, rührt sich nun ein weiterer Projektierer, der auf dem Finkenberg zwischen Falken-Gesäß und Hinterbach/Raubach gleich neun Rotoren plant. Der bietet der Kommune eine Beteiligung am geplanten Windenergiepark an. Eine solche ist nach der Überarbeitung des Erneuerbare-Energie-Gesetz jetzt möglich, informierte das Stadtoberhaupt.

„Die wollen die Stadt ködern“, macht Kehrer klar. Die finanzielle Beteiligung der Gemeinden soll dazu beitragen, die Akzeptanz der Windenergieanlagen vor Ort zu verbessern, so seine Meinung. Aktuell wird ein Mustervertrag von einem Arbeitskreis erarbeitet, dem die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind), die drei kommunalen Spitzenverbänden sowie Verbände der Energiewirtschaft angehören. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass sich die Planungen bei Falken-Gesäß noch im Anfangsstadium befinden.