Vom plätschernden Bach auf stille Höhen

Gammelsbach. Quer durchs Dorf auf ruhigen Wegen und danach obenauf Richtung Sensbacher Höhe: Unser Wandertipp durchquert Gammelsbach von Nord nach Süd und erforscht stille Mischwälder auf 500 Meter Höhe. Highlight ist der Sensbacher Friedhof mit seiner geschichtsträchtigen Kapelle. Zwischendurch können wir auch einen „zwitschern“ und so mit ein paar Prozent mehr kräftig voranschreiten.

Start ist am Friedhofsparkplatz unterhalb der „Krone“ und in Sichtweite des „Grünen Baums“ – beides Lokale, in die sich nach der Tour eine Einkehr lohnt, um die verbrannten Kalorien zu ersetzen. Hier begegnet uns gleich das grüne Quadrat als Markierung, das unseren Weg auch zum Schluss wieder begleitet.

Unterhalb der Burgruine Freienstein (ein Abstecher nach oben lohnt sich wegen des Ausblicks) laufen wir bis zum gleichnamigen Wanderparkplatz, um von dort dem Dreier-Weg zu folgen. Immer auf dem Dorfweg entlang durchqueren wir das alte Gammelsbach. Unterhalb der Kirche müssen wir aufpassen, dass wir auf dem Weg bleiben, sonst landen wir am Sportplatz.

An der Abzweigung mit dem „V“ verlassen wir unseren bisherigen Dreier-Weg, laufen noch ein Stück am Waldrand entlang, bis wir auf die beiden senkrechten gelben Striche stoßen. Die führen uns jetzt, am Campingplatz vorbei, in Serpentinen bergauf zum Höhenweg von Eppingen über Eberbach nach Bad König. Für die ganz Harten unter uns gibt es zwischendurch zwei Stichwege, um die Kurven abzukürzen und somit schneller obenauf zu sein.

Wir lassen uns aber Zeit, denn der Hauptweg schlängelt sich sanft den Berg hoch und gewährt uns zwischendurch einen herrlichen Ausblick aufs Tal. Schon länger hatte uns der Wildzaun links begleitet, jetzt tauchen wir direkt ein: Durch eine riesige Schleuse kommt wir ins Revier. Das hat so bisschen etwas von „Jurassic Park“.

Auf dem Höhenweg mit dem roten Kreuz vergeht die Zeit wie im Flug. Knapp 100 Höhenmeter gilt es für uns auf ein paar Kilometern noch zu überwinden. Ein Klacks. Vor allem weil zwischendurch der von den „E-Gambas“ aufgestellte Zwitscherkasten am Baum hängt. Fünf Schnäpse und Liköre gibt’s zur Auswahl, kleine Plastikbecher inklusive. Wer sich gestärkt hat, darf dann gern sein Kleingeld in die Kasse loswerden.

Kaum sichtbar zweigt nach zwei Dritteln der Strecke der Dreier-Weg halblinks ab. Wir wählen diesen und folgen der alten Langlauf-Loipe, weil wir so den befestigten Weg mit mehr Verkehr verlassen. Herrlich idyllisch geht’s nun auf Tannenadeln durch den Wald. Wer will, kann aber auf der Hauptstrecke bleiben. Auf beiden erreichen wir nach kurzer Zeit den Sensbacher Friedhof mit seiner Kapelle.

Beide sind geschichtsträchtig. Am Rundbogen des Portals ist die Zahl 1619 zu lesen. Zu dieser Zeit dürfte auch die Kapelle erbaut worden sein. Die wurde 1744 zu ihrem heutigen Aussehen umgestaltet. Sie hat einen dreiseitig gebrochenen, nach Osten ausgerichteten Chor.

Bergab geht’s nun immer dem grünen Quadrat folgend durch Feld und Wiesen. Wörtlich. Denn plötzlich macht die Markierung einen scharfen Rechtsknick, wo sich nur mit Mühe ein Trampelpfad erkennen lässt. Das setzt sich weiter unten fort. Hier wäre ein Ausputzen des Wegs dringend erforderlich, sonst feiern die Zecken im hohen Gras an fröhliches Fest an Wandererbeinen.

Wir überstehen die Querfeldein-Tour ohne Bisse, kommen am Steingrund wieder ans Tageslicht und freuen uns über das grüne Tal. Das alte Forsthaus links von uns können wir in seiner Imposantheit nur erahnen. Vorbei am Wasserwerk, hat uns bald die geräuschvolle Durchgangsstraße wieder. Wir überqueren sie, die Markierung an der Straße verlassend, und laufen lieber den Pfad auf der anderen Talseite zurück zum Parkplatz.

Name: Rundwanderweg Gammelsbach

Länge: ca. 13 Km

Dauer ohne Pausen: ca. 3,5 Stunden

Höchster Punkt: 530 m

Niedrigster Punkt: 240 m

Höhenmeter: ca. 350

Kategorie: leicht bis mittel

Wanderzeichen: grünes Quadrat, Drei im gelben Kreis, V im gelben Kreis, zwei senkrechte gelbe Striche, rotes Dreieck,  Drei im gelben Kreis, grünes Quadrat

Ausschilderung: mittel, im Ort genauer hinschauen

Verpflegung: „Grüner Baum“, http://www.hotelgruenerbaum.de, 06068/2156, „Krone“, http://www.odenwald-gasthof-krone.de, Telefon 06068/2274

Sehenswürdigkeiten: Burg Freienstein, Sensbacher Friedhof, Zigeunerstein, Steingrund

Wilkens Wander-Wimpel: 4 von 5 Sternen (pro: sehr abwechslungsreiche Tour, contra: total zugewucherte Pfade im Wald)